Der letzte Moselschiefer wurde am vergangenen Freitag gefördert
Eine für beide Seiten akzeptable Lösung
Geschäftsleitung der Firma Rathscheck und der Gesamtbetriebsrat des Unternehmens haben eine einvernehmliche Lösung erzielt
Die Entscheidung des Traditionsunternehmens sein Schieferbergwerk in Mayen in diesem Jahr für immer zu schließen, sorgte für lebhafte Diskussionen und rückte die Frage nach den Folgen für die Bergleute und ihre Familien in den Mittelpunkt des Interesses. In einer gemeinsamen Presseerklärung erklärten nun die Geschäftsleitung und der Gesamtbetriebsrat von Rathscheck Schiefer, dass in den Verhandlungen eine einvernehmliche Einigung erzielt wurde.
Mayen. Der Gesamtbetriebsrat und die Geschäftsleitung des Unternehmens hatten im Zusammenhang mit der geplanten Schließung des Bergwerks am Katzenberg in den vergangenen Wochen über einen Sozialplan, einen Interessensausgleich und die weiteren Modalitäten der Schließung der Moselschieferproduktion verhandelt. „Die Verhandlungspartner betonen, dass für beide Seiten eine akzeptable Lösung gefunden wurde,“ heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Zudem erklärten Geschäftsleitung und Gesamtbetriebsrat, dass die Ergebnisse in einer paritätisch besetzten Einigungsstelle erreicht wurden. Die Übereinkunft zwischen dem Betriebsrat und der Firma wurde einvernehmlich erzielt. Es wurde also kein Entscheidungsspruch des Einigungsstellenvorsitzenden notwendig.
Die Schließung des Bergwerks am Katzenberg wird nun Schritt für Schritt erfolgen. Wie vorgesehen endet die Förderung im Moselschiefer-Bergwerk Katzenberg am 31.3.2019. Anschließend beginnt der untertägige Rückbau des Bergwerks. Die Beschäftigungsverhältnisse mit den Mitarbeitern bleiben, wie geplant, bis zum 31.12.2019 bestehen.
Am vergangenen Freitag sprach BLICK aktuell mit dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Karl Schubert und den Betriebsratsmitgliedern Jürgen Hofmann und Helmut Retterath über die Regelungen für die 50 Mitarbeiter, die mit der Schließung des Bergwerks ihren Job verlieren.
Eine einvernehmliche Lösung „Das Ergebnis ist zufriedenstellend. Wir haben für die Kumpels das Bestmögliche herausgeholt. Die Schließung des Bergwerks ließ sich jedoch nicht vermeiden“, erklärte Schubert. Kalt ließ die drei Arbeitnehmervertreter das Ende des Schieferbergbaus in Mayen jedoch nicht. Das ist verständlich, denn Retterath war 42 Jahre, Jürgen Hofmann 38 Jahre und Karl Schubert 18 Jahre in der Schiefer-Produktion in Mayen beschäftigt.
40 Mitarbeiter, die jetzt noch in der Firma beschäftigt sind, müssen sich spätestens vom nächsten Jahr an eine neue Arbeit suchen. Für fünf Bergleute, die 25 Jahre Untertage gearbeitet haben und über 55 Jahre alt sind, wurde ein Frühverrentungskonzept vereinbart, das durch die Zahlungen der Knappschaftsausgleichkasse ermöglicht wird. „Unabhängig davon, wurden auch für die Mitarbeiter mit einer langen Betriebszugehörigkeit akzeptable Lösungen gefunden“, erklärte Helmut Retterath. Da zahlreiche Kumpels schon lange bei Rathscheck tätig sind, ist dieser Aspekt aus Sicht der Arbeitnehmer besonders wichtig. „Wir hatten gute Argumente und haben die Interessen der Kollegen, deren Arbeitsplätze verloren gehen, gut vertreten“, betonte Karl Schubert. Doch der Weg zu der nun gefundenen Verhandlungslösung war steinig.
Ehemaliger Chef engagierte sich für die Kumpels
Ein Schlichter, der von beiden Seiten akzeptiert wurde, leitete die Verhandlungen zwischen den Vertretern der beiden Parteien. Der ehemalige Geschäftsführer der Firma Rathscheck, Ewald Hoppen, vertrat in der Verhandlungsdelegation der Arbeitnehmer die Interessen der Kumpels und unterstützte ihre Forderung an die Firma, die er bis 2007 als Geschäftsführer selber geleitet hatte. Eine solche Konstellation ist mehr als unüblich. Hoppen, Ehrenbürger der Stadt Mayen, hatte die Entscheidung der Unternehmensleitung das Bergwerk zu schließen kritisiert und bei der letzten Barbarafeier der Bergleute in der St. Clemenskirche in Mayen mit deutlichen Worten an die Verantwortung des Traditionsunternehmens für seine Mitarbeiter appelliert. „Die Unterstützung und das Engagement von unserem ehemaligen Chef hat uns sehr geholfen. Er hatte sich als Geschäftsführer immer klar und gradlinig für die Firma, aber auch für seine Leute eingesetzt. Dieser Linie ist er treu geblieben. Das findet man heute sehr selten“, betonte Jürgen Hofmann im Gespräch mit BLICK aktuell. „Eine ermutigende Erfahrung bei der Auseinandersetzung um die Schließung des Bergwerks war auch die Unterstützung in der Region und durch die Bürger von Mayen“, ergänzte er.
Der letzte Moselschiefer wurde gefördert
Der Schieferbergbau ist in Mayen nun nur noch Geschichte, denn am vergangenen Freitag wurde die letzte Lore mit Moselschiefer aus den Tiefen des Katzenbergs an die Frühlingssonne gefördert. Es war nicht mehr, aber auch nicht weniger als der Schlusspunkt einer Bergbautradition, die über 200 Jahre vielen Menschen in Mayen und Umgebung Lohn und Brot gegeben hat. Im Ruhrgebiet wurde vor kurzem das letzte Stück Steinkohle in Gegenwart des Bundespräsidenten in einer beeindruckenden Feier zutage gefördert und der Bergbau standesgemäß beendet.
Bei Rathscheck herrschte am Freitag unaufgeregte Routine also „business as usual“. „Das Ende des Schieferbergbaues ist für uns sicherlich kein Grund zum Feiern. Wir werden uns aber im Kreis der Kumpels aus Anlass der letzten Förderung heute zu einem geselligen Beisammensein in Mayen treffen“, betonte Helmut Retterath. In den verbleibenden Monaten des Jahres werden die Bergleute mit der Demontage des Bergwerks, seiner Sicherung und der endgültigen Schließung beschäftigt sein. Die Mitarbeiter, die Übertage aus den Moselschieferblöcken den Dachschiefer fertigen, sind noch bis Ende des Jahres mit der Weiterverarbeitung des letzten Moselschiefers und von spanischem Schiefer beschäftigt. „Uns ist wichtig, dass diese Produktion bis Ende des Jahres ungestört fortgeführt werden kann, denn die Kollegen im Vertrieb und unsere Kunden sollen nicht zu den Leidtragenden der Bergwerkschließung werden,“ erklärte Jürgen Hofmann. Auch nach der Schließung des Schieferbergwerks bleibt die Verwaltung der Firma Rathscheck Schiefer und Dach-Systeme mit ihren rund 60 Mitarbeitern und den 5 Mitarbeitern im Zentrallager dem Standort Mayen erhalten.
Auch nach der Schließung des Schieferbergwerks bleibt die Verwaltung der Firma Rathscheck Schiefer und Dach-Systeme mit ihren rund 60 Mitarbeitern und den 5 Mitarbeitern im Zentrallager der Firma dem Standort Mayen erhalten.
v.l. Die Betriebsratsmitglieder Jürgen Hofmann, Helmut Retterath und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Karl Schubert zeigten sich mit dem Verhandlungsergebnis, das sie für die Kumpels erzielen konnte, zufrieden, obwohl sie die Schließung des Bergwerks akzeptieren mussten.Fotos: Schwarz