Politik | 11.09.2018

Leserbrief zur geplanten Grubenschließung in Mayen

Eine mediale Hexenjagd auf die Verantwortlichen

Mayen. Mit großen Bedauern nehme ich zur Kenntnis, dass es ein Stück Tradition aus meiner Heimatstadt Mayen künftig nicht mehr geben soll: Den Moselschieferabbau am Katzenberg. Meine Anteilnahme gilt den Bergleuten und ihren Familien. Was mich als „Mayener Jung“ jedoch ein wenig verwundert ist, wer da so alles glaubt, so ein sachlich-fundiertes Urteil über die Gründe der Schließung erlauben zu können. Ich verfolge die Medienberichterstattung bereits von Beginn an und nehme die letzten Artikel in der Rhein-Zeitung und dem BLICK aktuell zum Anlass, meine Sicht der Dinge in diesem Leserbrief darzustellen. Denn auf der Suche nach einem Schuldigen für die Schließung wird eine mediale Hexenjagd auf die Verantwortlichen bei Rathscheck Schiefer inszeniert.

Ich frage mich dabei immer, auf welcher Faktenbasis eigentlich argumentiert wird. Wer heute mit Fakten gegen eine Bergwerkschließung polemisiert, die vor zehn oder zwölf Jahren Gültigkeit hatten, aber die geologische betriebswirtschaftliche Entwicklung der vergangenen sechs bis acht Jahre am Katzenberg vollkommen außer Acht lässt, der handelt nicht im Interesse der Bergleute. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, als sei das Engagement Einzelner durch persönliche Gefühle motiviert. Es kann doch nicht sein, dass jemand sein Urteil über die aktuelle Unternehmensentwicklung ohne Kenntnis der tatsächlichen Lage vor Ort als die einzige Wahrheit darstellt. Mehr noch: den betroffenen Bergleuten werden simple Lösungen für eine hoch-komplexe Unternehmenslage präsentiert und somit Hoffnung am Leben gehalten, die keinen Bezug zur Realität haben. Das nennt man Populismus.

Und es kann auch nicht sein, dass diese Argumentation dann auch noch von Teilen der Betroffenen, der Bürger und der Politik kritiklos übernommen wird. Den Bergleuten mach ich keinen Vorwurf. Es geht hier um ihre Existenz. Dass sie sich an jeden Strohhalm klammern, ist nur zu verständlich. Doch eines muss dochklar sein: Kein Unternehmer kann überleben, das über Jahre Verluste einfährt.In Mayen gab es einem 50 und mehr Produktionsbetriebe von Natursteinen. Mein Großvater und mein Vater waren als Steinmetze tätig. Heute sind es vielleicht nur noch fünf oder sechs Anbieter. Die Entwicklung der Märkte vollzieht sich heute in Geschwindigkeiten, die sich vor 10 Jahren noch keiner vorstellen konnte. Vertriebsinstrumente verändern sich durch die digitale Transformation der Wirtschaft und der Gesellschaft in einem rasanten Tempo. Wer sich also über die Ursachen der Bergwerksschließung seriös äußern möchte, der muss mit den Fakten der Gegenwart und nicht der Vergangenheit argumentieren.

Werner Schmitt, Kobern-Gondorf

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Foto: CF
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Mayen. „Die Entscheidung, das Bergwerk zu schliessen hat uns genauso überrascht, wie die Kumpel vor Ort,“ so Holger Zimmermann, Geschäftsführer der IG BCE Mittelrhein in Neuwied. „Vor allem, da die Betriebsräte und wir als Tarifpartner mit der Geschäftsleitung eine klare Verabredung hatten, erst gemeinsam die Leistungsfähigkeit der 11. Sohle zu bewerten.“

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Quelle: FWM
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Mayen. In den letzten Wochen wurde sehr viel über die geplante Bergwerksschließung berichtet und viele Meinungen veröffentlicht. Hans-Georg Schönberg, FWM-Fraktionsvorsitzender, bedauert jedoch, dass die Presse nicht vom Rathscheck-Management zum Dialoggespräch zusammen mit den beiden Stadträten aus Mayen und Polch eingeladen wurde. Bedauerlich ist, dass auch der Betriebsrat nicht eingeladen wurde, und dies obwohl sich mehrere Fraktionen im Vorfeld dafür ausgesprochen haben.

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Führende Sozialdemokraten wie der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Alexander Schweitzer (4.v.l) und MdB Andrea Nahles (5.v.l.) diskutierten mit den Bergarbeitern von Rathscheck an ihrem Stand in Mayen. Foto: privat
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Mayen. Für die Mayener SPD war das Gespräch mit der Geschäftsführung der Firma Rathscheck mehr als ernüchternd. Was wir erlebten, war wenig Verständnis für die Not der Bergleute und ihrer Familien und kaum Bedauern für das Aus der Jahrhunderte alten Tradition des Schieferabbaus in Mayen. Dafür viele Zahlen und Statistiken, die dem ein oder anderen wohl als Begründung für das Aus des Unternehmens ausreichen sollen.

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