Landtagswahl 2016 im Wahlkreis 3 Linz am Rhein/Rengsdorf
Ellen Demuth (CDU) verteidigt ihr Landtagsmandat
Birgit Haas (SPD) scheiterte knapp am Einzug, das Entsetzen über das phänomenale Abschneiden der AfD ist allgemein groß
Linz. Ausgelassene Fetenstimmung wollte nicht aufkommen am Sonntagabend im Linzer Brauhaus, in das die CDU-Kandidatin Ellen Demuth zur Wahlparty eingeladen hatte. Entsetzte Mienen und maßlose Enttäuschung machten sich vielmehr breit, als kurz nach Schließung der Wahlbüros erste Prognosen über den Bildschirm flimmerten. Monatelang hatte man satte zehn Prozent vor der SPD gelegen, der nun der Wahlsieg mit über fünf Prozent Vorsprung vorausgesagt wurde. Dass dann aus den prognostizierten 37 Prozent plus x landesweit doch nur 36,2 Prozent wurde, womit der Vorsprung von Malu Dreyer vor ihrer Herausforderin Julia Klöckner auf 4,4 Prozent geschmolzen war, konnte die Christdemokraten im Brauhaus nicht trösten.
„Wenn wir hier verloren haben sollten, wäre wirklich alles verloren“, kommentierte Ellen Demuth die erste Ergebnisse aus ihrem Wahlkreis. Die sahen sie dann aber gegen 19 Uhr mit sieben Prozent Vorsprung klar vor der SPD-Kandidatin Birgit Haas. Sorgen um einen erneuten Einzug in den Mainzer Landtag musste sich die 33-jährige Linzerin aber eh nicht machen angesichts ihres sicheren 6. Listenplatzes.
„Natürlich bin ich froh, wiedergewählt worden zu sein, aber wir haben unser Ziel, Malu Dreyer klar zu überrunden, deutlich verfehlt, auch wenn die CDU im Wahlkreis 3 mit 38,1 Prozent stärkste Partei geblieben ist“, erklärte Ellen Demuth kurz vor 20.30 Uhr, als nur noch die Ergebnisse aus wenigen Wahlbüros fehlten und sie mit 40,6 Prozent der Stimmen Birgit Haas mit 9,8 Prozent überrundet hatte. Nur ein schwacher Trost war für sie, dass durch die erdrutschartige Niederlage der Grünen eine Verlängerung der bisherigen Regierungs-Koalition nicht möglich sein wird.
Entsetzt zeigte sie sich zudem über das hervorragende Abschneiden der AfD, die in ihrem Wahlkreis aus dem Stand 10,7 Prozent einfahren konnte, sodass der Unkeler Hans-Joachim Röder mit 9,6 Prozent der Erststimmen noch vor dem Liberalen Tobias Kador aus Ockenfels, der mit Listenplatz 13 keine Chance hatte, in den Landtag zu kommen, auf Platz drei rangiert. „Mit meinem
Ergebnis kann ich nicht nur leben, ich bin sogar richtig stolz“, so der 70-Jährige. Einziehen in den Landtag werde er trotz des guten Abschneidens auf keinen Fall, da er sich gar nicht auf die AfD-Liste habe stellen lassen. „Ich wollte der AfD hier im Wahlkreis nur helfen, denn sie ist keine Eintagsfliege, was sie in der Opposition in Mainz auch belegen wird“, war er überzeugt.
Maßlose Enttäuschung herrschte dagegen bei den Grünen, die am frühen Abend sogar noch befürchten mussten, an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern. Nach einem Verlust von 10,1 Prozent landesweit schafften sie es dann aber doch mit 5,3 Prozent, wobei ihre Kandidatin im Wahlkreis 3, Melanie Petri, mit 5,8 Prozent der Erststimmen besser abschnitt als viele ihrer Parteifreunde.
Hoffnungslos abgeschlagen mussten „Die Linke“ mit 2,3 Prozent wie auch die Freien Wähler mit 2,2 Prozent enttäuscht das Wahlergebnis hinnehmen. Dabei schnitten ihre Kandidaten bei den Erststimmen, Tobias Härtling mit 2,6 Prozent und Hermann Bernardy mit 3,9 Prozent, besser ab. Während die Grünen nach dem Fukushima-Effekt vor fünf Jahren nun wieder auf ihr wahres Maß zurückgeschraubt worden sein, hätten es beide Parteien wegen der vorherrschenden Flüchtlingsthematik nicht geschafft, den Wählern ihre Themen nahezubringen, war aus beiden Lagern am Abend zu hören.
An dem hatte Birgit Haas noch lange gehofft, trotz der Niederlage gegen Ellen Demuth in den Landtag einziehen zu können. „Wenn wir das tolle Ergebnis halten können und wir nicht zu viele Direktmandate bekommen, könnte es klappen“, zeigte sie sich zuversichtlich. Dass sie nicht in einem leichten Wahlkreis angetreten sei, sei ihr schon klar gewesen. Am späten Abend stand dann fest, dass auch sie wie schon ihr Vorgänger, der Bad Hönninger Guido Job, es, wenn auch nur äußerst knapp, nicht geschafft hatte trotz ihres Listenplatzes 31. Allerdings war sie auch mit 30,8 Prozent der Erststimmen nicht nur 2 Prozent hinter dem Ergebnis der Zweitstimmen zurückgeblieben, sondern hatte auch um 4,2 Prozent schlechter abgeschnitten als ihr Vorgänger. Allerdings büßte auch Ellen Demuth im Vergleich zur 2011-er Landtagswahl 1,8 Prozent ein. Aber irgendwo musste ja auch der immense Stimmgewinn, vor allem der AfD, hergekommen sein.
