Bürgerinitiative „Lebenswerte Stadt“
Erhalt statt Fotobände
Bürgerinitiative kommentiert die Veröffentlichung des Buches „50 Jahre Bad Neuenahr-Ahrweiler - Eine Stadt in Bildern von früher und heute“
Bad Neuenahr. Heimatliteratur kommt gerne in den Wochen vor Weihnachten auf den Markt. Da findet sie guten Absatz – bei hiesigen Interessierten oder für die Lieben, die in der Ferne weilen. So auch das Werk des kompetenten Heimatforschers Schüller, nebst Mitherausgebern. Prinzipiell ist jedes Werk, das die Geschichte unserer Heimatstadt unter die Lupe nimmt, zu begrüßen. Ist doch so zu erhoffen, dass Menschen für Historie sensibilisiert werden. Und das ist dringend notwendig geworden.
Die Stadt früher und heute
Werner Schüller, engagierter Mitbürger, bedient einmal mehr das Genre der Gegenüberstellung: unsere Stadt früher und heute. Solche Werke finden wir bereits einige auf dem lokalen Büchermarkt. Andere greifen die Methode auch gerne in Foto-Vorträgen auf oder, professioneller gestaltet, in Internetforen. Das Metier weckt Erinnerungen bei denen, die den alten Zustand noch erlebt haben und weckt Wehmut bei denen, die erkennen, dass die Stadt vordem charaktervoller, stilvoller war und baukulturell auf höchstem Niveau was zu bieten hatte. Schüller verfolgt nach eigener Aussage das Ziel, darzustellen, dass Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Ortsteile im Laufe der Jahre gewonnen haben und heute ansprechender daher kommen. Dies zu beurteilen, mag der subjektiven Wahrnehmung eines jeden Mitbürgers, einer jeden Mitbürgerin, überlassen bleiben. Die BI „lebenswerte Stadt“ würde sagen: die kommen naturgemäß anders daher und es ist klar, dass eine Stadt sich wandelt. Funktionen und Nutzungen verändern sich. Es wird gebaut, gestaltet, es halten andere Anforderungen, Herausforderungen und Lebensstile Einzug. Trotz dieses Zugeständnisses, sind die Gegenüberstellungen dieses Buches zuallererst ein Offenbarungseid: es ist in dieser Stadt mit ihrem großartigen und vielseitigen baukulturellen Erbe, das noch bis in die Fünfziger nahezu intakt war, nicht gelungen, sie im Sinne ihrer Historie weiterzuentwickeln. Neugestaltung und Umgestaltung fand im hohen Maße mit der Abrissbirne statt. Geschichte wurde ausradiert und entsorgt. Und auch heute ist absehbar: die vielen „Schade“- und „Ach, das war ja schön“-Ausrufe, die das Schüllersche Werk auslösen wird, werden kein Umdenken herbeiführen. Für neue Bücher ist also gesorgt.
Schon heute kann man die Orte benennen, an denen 2020 bildschöne Gebäude der Gründerzeit und Fachwerkbauten zugunsten von gesichtslosen Einheitsklötzen gebaut werden. Und das ist nun nicht mehr „der Lauf der Zeit“. Das ist fehlender Erhaltungswille. Denn Stadtgestaltung wird offenbar durch die Renditequote bestimmt, obwohl die Hoheit hierfür juristisch in Verwaltung und beim Stadtrat liegen. Hierfür hat ihnen der Gesetzgeber eigentlich die geeigneten Instrumentarien an die Hand gegeben. Wann findet ein Umdenken statt?
Resümee: Danke für ein weiteres Geschichtswerk!
Die BI „lebenswerte Stadt“ würde es dennoch eher begrüßen, wenn bei den Entscheidungsträgern spürbar ein Umdenken stattfindet, das die Historie wertschätzt, erhält und kreativ in eine moderne Stadtgestaltung einbezieht. So wie es andere Städte schon längst vormachen. Die Stadt von morgen gestalten wir heute! Dabei sind Identität und Regionalität, damit das Bewahren der Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit immer ein Schlüssel für gelungene Stadtentwicklung. Besonders, wenn ein Ort in so hohem Maße von seinen Gästen lebt, wie der unsrige.
Beispiele finden sich auf der HP www.lebenswertestadt.jimdo.com
Pressemitteilung der
Bürgerinitiative
„lebenswerte Stadt“
