Bürgermeister Bert Spilles bei Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit
„Erinnern ist in diesem Fall keine Nostalgie“
Meckenheim. Wenn Erinnerungskultur etwas mit Kultur im Sinne des Wortes zu tun hat, dann haben die Meckenheimer und ihr Bürgermeister Bert Spilles vieles richtig gemacht. Während in vielen Kommunen der Tag der Deutschen Einheit nur als freier Tag genutzt wird, gedenkt man schon seit vielen Jahren in Meckenheim mit einer Feierstunde diesem Anlass und in diesem Jahr erstmals im Sitzungssaal des neuen Rathauses. Dieser war für 150 Besucher bestuhlt worden und alle Stühle waren pünktlich um 11 Uhr besetzt. Neben den Fahnen der Bundesrepublik Deutschland und Europas ging der Stadtchef auf die deutsche Teilung und die historische Entwicklung ein. Dabei machte Bert Spilles klar, dass die deutsche Einigung nicht ohne die klare Verankerung in Europa zu denken sei. Er erinnerte daran, dass im Jahre 1990 das EU-Parlament entschieden hatte, einen Sonderausschuss für die Wiedervereinigung unter der Leitung des britischen Abgeordneten Alan John Donelly einzusetzen. Dieser Bericht fand eine größere Zustimmung im Europäischen Parlament als der Einigungsvertrag im Deutschen Bundestag. Die Abgeordnete Constanze Krehl formulierte damals „Das Europäische Parlament war eine der ersten Institutionen, das seine Unterstützung für eine friedliche Wiedervereinigung ganz klar ausgedrückt hat. Letztlich war es der erste Schritt, der dazu führte, die Teilung des gesamten Kontinentes zu überwinden.“ Bert Spilles führte aus, dass es gerade heute wichtig sei, sich daran zu erinnern, das die deutsche Einigung nicht mit nationalstaatlichem Anspruch erreicht wurde, sondern mit der Einsicht in die Verpflichtung Deutschlands in Europa.
Kein Rückzug in die „nationale Idylle“
Bert Spilles: „Daher sollte uns klar sein, dass der Rückzug in eine nationale Idylle keine überzeugenden Antworten auf die globalen politischen Herausforderungen von heute und morgen bietet.“
In diesem Zusammenhang ging er auch auf das Ergebnis der jüngsten Bundestagswahl ein und betonte, dass es künftig ganz maßgeblich die Aufgabe der nationalen Regierungen sowie der EU sein muss, die Ängste vieler Bürgerinnen und Bürger, die sich mit ihren Sorgen nicht ernst genommen fühlen und vom allzu raschen Wandel massiv überfordert sind, aufzugreifen und mit ihnen gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Weiter betonte Bert Spilles, dass offizielle Gedenkveranstaltungen notwendig sind. Spilles wörtlich: „Bei der der Wiedervereinigung Deutschlands ging es um Mut, um die Sehnsucht nach Freiheit, um Aufbruch, Aufbau und Solidarität, Werte, die zu unserem Staat und unserer Gemeinschaft gehören. Die Deutsche Einheit ist ein Werden unserer Identität, ein Bekenntnis zu unseren Wurzeln und friedliche Grundlage der Zukunft aller nachfolgenden Generationen.“Der Stadtchef warnte davor, dass sich Menschen in ihr privates Wahrheitsuniversum zurückziehen, besonders da es in Europa in Mode gekommen sei, das Heil in einer Rückkehr ins Nationale zu suchen. Er erinnerte daran, dass es die Menschen in Ostdeutschland waren, die vom Umbruch betroffen waren und die alles neu lernen mussten, sei es die Veränderung der beruflichen Position, neue Preise und eine völlig neue Verwaltung.
Im folgenden ging Bert Spilles sehr im Detail auf den jüngsten Jahresbericht zur Deutschen Einheit ein, betonte aber dass die Vollendung der Einheit nicht nur auf ökonomische Fragen verkürzt werden dürfe.
Meckenheims Bürgermeister warnte eindringlich davor , die Einheit schlecht reden zu lassen und betonte dass es unverzeihlich wäre, das Land den Gleichgültigen zu überlassen. Dabei sind historische Kenntnisse unverzichtbar. Bert Spilles: „Erst die Vermittlung von grundlegenden Kenntnissen und Werten eines freiheitlich-demokratischen Gemeindewesens konstituiert eine Geschichtsbewusstsein, welches mehr vermag als nur Fakten aneinander zu reihen…Erinnern ist in diesem Fall keine Nostalgie.“
Zum Schluss seiner Ausführungen betonte Bert Spilles, dass es gedankenlos wäre, die Einheit als Alltag zu betrachten, denn Zusammenhalt lässt sich nicht verordnen aber durchaus fördern.
Das Saxophonquartett Padafrage sorgte für die musikalische Umrahmung des Festaktes, welche dann mit gemeinsamen Singen der Nationalhymne sowie der Europahymne sein festliches Ende fand.
STF
