Politik | 31.01.2017

Höhr-Grenzhausen gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Erinnerung an die Opfer eines beispiellosen Grauens

Zahlreiche Vertreter der Kommunalpolitik wohnten dem Gedenktag bei, darunter auch Bürgermeister Thilo Becker und Stadtbürgermeister Michael Thiesen. GM

Höhr-Grenzhausen. Der 27. Januar ist in jedem Jahr der Tag des Gedenkens, er wurde am 3. Januar 1996 durch Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf dieses Datum festgelegt. Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes. Der Tag erinnert an alle Opfer eines beispiellosen totalitären Regimes während der Zeit des Nationalsozialismus: Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende und viele viele andere, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden.

In diesem Jahr fand die Gedenkfeier im Musiksaal des Gymnasiums Kannenbäckerland in Höhr-Grenzhausen statt. Nach einer kurzen Begrüßung durch Pfarrerin Monika Christ richtete Schulleiter Nino Breitbach Grußworte an die versammelten Schülerinnen und Schüler, Verbandsbürgermeister Thilo Becker und Stadtbürgermeister Michael Thiesen sowie die zahlreich erschienenen Gäste. Er bedankte sich vor allem bei den beteiligten Lehrern und Schülern für die Vorbereitung der literarischen und musikalischen Beiträge, die im Verlauf der Veranstaltung vorgeführt wurden. Nachdem Museumsleiterin Monika Gass unter anderem aus dem Tagebuch der Anne Frank rezitierte richtete Verbandsbürgermeister Thilo Becker das Wort an die Schüler und Gäste. Er erinnerte in seiner Rede an die seit 1942 von den Nationalsozialisten vorgenommene Industrialisierung der Menschenvernichtung. Becker: „Gettos wie Theresienstadt wurden zu Durchgangslagern, in denen selbst tausende von Menschen ums Leben kamen. Gerade Theresienstadt sollte zur Verschleierung beitragen und wurde von den Nazis für die Propaganda genutzt. Gegenüber einer internationalen Kommission des Roten Kreuzes, die im Jun 1944 das Lager besuchte wurde Theresienstadt als Vorzeigelager dargestellt und die Kommission kam damals zu dem Ergebnis: ‚Es gibt sicher kaum eine Bevölkerung die so gut versorg wird wie die von Theresienstadt.‘ Die Propaganda der Nazis hatte damit ihren Zweck erreicht. Dabei sind in dem kleinen Ort in Tschechien, der von der Einwohnerzahl nicht größer ist wie Hillscheid, bis zu 33.000 Menschen umgekommen. Über 80.000 Menschen wurden weiter in die Vernichtungslager verschleppt.“ Becker weiter: „Es ist vielleicht im normalen Gespräch in der Pause oder im Alltag für Sie alle nicht beschämend, was in Auschwitz passierte, wir waren ja auch nicht dabei. Ich finde es allerdings mehr als beschämend, wenn Volksvertreter sich hinstellen und von einer ‚Schande‘ sprechen über ein Mahnmal, das an das größte Verbrechen der Menschheit erinnern soll. Uns muss bewusst sein, dass wir die Verpflichtung haben so etwas nie mehr zuzulassen. Rassenwahn, Verfolgung wegen sexueller Orientierung, Internierung wegen Behinderung und spätere maschinelle Tötung darf es nicht mehr geben. So etwas darf nie mehr von deutschem Boden ausgehen.“

Es folgten Musikbeiträge des Schulorchesters, eine Filmvorführung und literarische Schülervorträge.

Gedenken ist wichtig - auch nach 70 Jahren

Zum Abschluss fasste Pastoralreferent Tobias Schirmer als Vertreter der Pfarrei Peter und Paul das Gesehene und Gehörte für die Schüler noch einmal zusammen und führte unter anderem aus: „Es ist wichtig, auch nach über 70 Jahren an das Geschehene zu erinnern und auf die Methoden hinzuweisen, die so durchdacht und perfide waren.“

Gäste und Schüler begaben sich sodann auf einen Schweigemarsch in den Stadtpark. Dort hat die Stadt gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern des Schulzentrums in zweijähriger Arbeit das Projekt ‚Leben, Spuren, Erinnerungen‘ umgesetzt und ein kleines Mahnmal mitten in der Stadt Wirklichkeit werden lassen. Hier sind Gedenkplättchen mit den Namen der Juden aus Höhr-Grenzhausen und deren Sterbeorte angebracht.

Nach dem Verlesen der Namen legten alle Schüler nach jüdischem Brauch mitgebrachte kleine Steine an dem Mahnmal nieder.

Erinnerung an die Opfer eines beispiellosen Grauens

Der Schulleiter des Gymnasiums Kannenbäckerland in Höhr-Grenzhausen Nino Breitbach.

Der Schulleiter des Gymnasiums Kannenbäckerland in Höhr-Grenzhausen Nino Breitbach.

Museumsleiterin Monika Gass.

Museumsleiterin Monika Gass.

Das Schulorchester des Gymnasiums sorgte für einen angemessen musikalischen Rahmen.

Das Schulorchester des Gymnasiums sorgte für einen angemessen musikalischen Rahmen.

Zahlreiche Vertreter der Kommunalpolitik wohnten dem Gedenktag bei, darunter auch Bürgermeister Thilo Becker und Stadtbürgermeister Michael Thiesen. Fotos: GM

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