Zweckverbandsversammlung der Volkshochschule Meckenheim Rheinbach Swisttal
Es bleibt bei deutlicher Gebührenerhöhung
Knappe Mehrheit bestätigte den gefassten Beschluss auch in öffentlicher Sitzung
Rheinbach. Es bleibt dabei: die Kursgebühren für die Volkshochschule Meckenheim Rheinbach Swisttal sowie für die Musikschule werden deutlich erhöht und zudem die bisher geltende Familienermäßigung zurückgenommen. Diesen bereits am 12. März in nicht-öffentlicher Sitzung einstimmig gefassten Beschluss bestätigte die VHS-Zweckverbandsversammlung jetzt im öffentlichen Teil ihrer jüngsten Sitzung, allerdings nur noch mit knapper Mehrheit von acht gegen sechs Stimmen. Die acht Vertreter von Swisttal und Meckenheim sprachen sich erneut für die Gebührenerhöhungen aus, die sechs Rheinbacher Vertreter hatten es sich mittlerweile anders überlegt und wollten zumindest die Familienermäßigung in der bisherigen Form beibehalten sowie die Kursgebühren in geringerem Umfang erhöhen. Sehr zum Verdruss der mehr als 60 Zuschauer im hoffnungslos überfüllten Sitzungssaal des Rheinbacher Rathauses kamen sie damit aber nicht durch.
Ein Euro mehr pro Kursstunde
Somit wurden sämtliche Kursgebühren bei der Volkshochschule um jeweils einen Euro pro Kursstunde erhöht. Die Unterrichtsstunde kostet nun zwischen 3,50 und 5,60 Euro, je nach Länge und Teilnehmerzahl. Im Bereich der Musikschule werden die Monatsgebühren sowohl für den Elementarunterricht also für den Instrumental- und Vokalunterricht, um jeweils drei Prozent erhöht. Die Familienermäßigung wurde ebenfalls deutlich verringert, sodass die 154 Familien, die derzeit in den Genuss einer Ermäßigung kommen, im Durchschnitt mit einer Gebührenerhöhung von zwölf Prozent oder monatlich 16,25 Euro rechnen müssen. Der Spitzenwert liegt bei 47 Prozent Gebührensteigerung, was einer monatlichen Erhöhung um 108 Euro für einige Familien entspricht. Musikschule-Leiter Klaus Kratzenberg warnte schon jetzt: „Einige Familien haben mir ins Gesicht gesagt, dass sie aus unseren Ensembles wie den Tomburg Winds aussteigen werden - dann wird die Qualität dieser Orchester nicht mehr zu halten sein.“ Karola Charlotte Koglin, die stellvertretende VHS-Leiterin, befürchtete zudem ein massenhaftes Abwandern zu den benachbarten Volkshochschulen und Musikschulen in Euskirchen und Bonn.
„Gedankengänge des Grauens“
Elternbeirats-Vorsitzender Erhard Bierhoff hatte zuvor erfolglos versucht, das Gremium noch einmal umzustimmen. Bierhoff nannte die Überlegungen des Gremiums gar „Gedankengänge des Grauens“ und kritisierte, dass man in Sonntagsreden die Volkshochschule und die Musikschule unterstütze, sie nun aber hintenherum kaputtmachen wolle. „Auch uns ist klar, dass die Gebühren erhöht werden müssen, aber die Abschaffung der Familienermäßigung geht klar zulasten der Musikschul-Idee“, schüttelte er den Kopf. Er wünsche sich andere Wege zur Sanierung der Bildungseinrichtung, oder zumindest kleinere Schritte und eine bessere Staffelung. Auch Verbandsvorsteher Stefan Raetz hatte die Befürchtung, dass durch die geplante Erhöhung der Beiträge die Akzeptanz der Musikschule gefährdet werde, und plädierte zudem dafür, die engagierten Familien nicht übermäßig zu belasten. „Wir sollten den Bogen nicht überspannen.“ Ähnlich sah es Bernd Beißel (Rheinbach), der zudem konstatierte: „Bildung kostet Geld, sie darf nicht zu einem elitären Produkt und zu einem Luxusgut werden.“ Er gab zu, bei der vorherigen nicht-öffentlichen Sitzung möglicherweise die Tragweite der Entscheidung nicht im vollen Umfang überschaut zu haben, deshalb sei es durchaus angebracht, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. „Wenn wir anfangen, Bildung nur noch unter fiskalischen Gesichtspunkten zu denken - dann armes Deutschland!“
Kontraproduktiv und sozialfeindlich
Auch VHS-Leiter Karl Hempel kritisierte, die geplanten Gebührenerhöhungen würden zu sehr unter betriebswirtschaftlichen Aspekten gesehen. Doch für den Erfolg seien Angebot und Nachfrage ausschlaggebend, und wenn der Preis nicht mehr angemessen sei, werde ein Produkt weniger oder gar nicht mehr nachgefragt. Er sagte voraus, dass die Teilnehmerzahlen nach der Gebührenerhöhung zurückgehen und dadurch die Gebühreneinnahmen sogar im Vergleich zur heutigen Situation sinken. „Es ist ein erheblicher Schaden für die Volkshochschule zu befürchten“, so Hempel. Die geplanten Erhöhungen seien kontraproduktiv und sozialfeindlich. Doch all diese Argumente konnten die Mehrheit der Zweckverbandsversammlung nicht umstimmen.
