Politik | 01.07.2016

Landschaftsverband Rheinland -LVR- würdigte ehrenamtliches Engagement in Niederzissen

Festliche Verleihung des Rheinlandtalers an Richard Keuler

V. links: Johannes Bell, Ralf Doll, Anne Henk-Hollstein, Richard Keuler, Guido Ernst, Gisela Reichrath und Horst Gies. FRE

Niederzissen. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) zeichnet Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die kulturelle Entwicklung des Rheinlandes verdient gemacht haben, mit dem Rheinlandtaler aus.Der Taler, der das Gesicht der Medusa zeigt, wurde nicht nur prominenten Persönlichkeiten wie Loki Schmidt, Götz George, Hanns Dieter Hüsch, Konrad Beikircher oder den Bläck Fööss zuteil. Insbesondere das ehrenamtliche Engagement, mit dem Menschen sich um Belange in der Denkmal- und Bodendenkmalpflege, in der Archiv- und Museumspflege, in der Landesgeschichte, Volkskunde, Mundartpflege und Sprachgeschichte, in der Naturkunde und im Naturschutz sowie – seit 1996 - um das multinationale Zusammenleben zwischen einzelnen Völkergruppen auf kulturellem Gebiet im Rheinland kümmern, wird gewürdigt.

Somit befindet sich der 1949 in Niederzissen geborene Dipl.-Verwaltungswirt Richard Keuler, der am Donnerstag, dem 30. Juni im Rahmen einer Feierstunde für sein ehrenamtliches Engagement und seine Verdienste um die Restaurierung der ehemaligen Synagoge zu einer Erinnerungs- und Begegnungsstätte mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet wurde, in bester Gesellschaft!

In der bis auf den letzten Platz besetzten Erinnerungs- und Begegnungsstätte begrüßte zunächst Ralf Doll, stellvertretend für Ortsbürgermeister Rolf Hans u.a. Anne Henk-Hollstein (stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland), Dr. Norbert Kühn (Fachbereichsleiter Kultur), Gerhard Eichhorn (Deutsche Stiftung Denkmalschutz), VG-Bürgermeister Johannes Bell, die Landtagsabgeordneten Horst Gies und Guido Ernst und selbstverständlich den zu Ehrenden Richard Keuler und dessen Ehefrau Gisela Reichrath. Ein ganz besonderer Gruß Ralf Dolls galt der Harfenistin Marcia Pyka, die den musikalischen Rahmen der festlichen Veranstaltung mit wundervollen Darbietungen gestaltete.

Anschließend würdigte Anne Henk-Hollstein die Verdienste Richard Keulers in einer ebenso umfangreichen wie beeindruckenden Laudatio.

Richard Keuler ist mit dem Gebäude der ehemaligen Synagoge in Niederzissen zunächst wie selbstverständlich aufgewachsen. Aber ihn interessierte die Geschichte ihrer Entstehung, die Entwicklung ihrer Tradition – und schließlich ihr erschreckendes Ende in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Geschichte der Synagoge ließ ihn nie los, das Gebäude zu retten wurde ein langgehegter Wunsch.

Richard Keuler wurde 1949 in Niederzissen geboren, besuchte hier die Volksschule und anschließend das Gymnasium in Daun, wo er 1970 das Abitur machte. Der Schule folgten zwei Jahre Wehrdienst, bevor er 1972 bei der Bezirksregierung Koblenz eine Ausbildung für den gehobenen Dienst sowie ein berufsbegleitendes Studium an der Verwaltungsschule Koblenz begann. Von 1975 bis 1991 war Richard Keuler in verschiedenen Bereichen und Funktionen bei der Kreisverwaltung Ahrweiler tätig, unter anderem als Referatsleiter mit den Schwerpunkten Denkmalpflege, Museen, Musik- und Theaterwesen, Büchereien, Heimat- und Kunstpflege. Diesen vielfältigen Aufgaben folgte von 1991 bis 2014 eine Tätigkeit im Bundesbauministerium im Referat „Grundsatzangelegenheiten des Städtebaus“ mit den Schwerpunkten Ökologie im Städtebau, Revitalisierung der Innenstädte, soziale Fragen der Stadterneuerung und europäische Zusammenarbeit im Städtebau.

Neben seinem beruflichen Engagement war Richard Keuler auch ehrenamtlich aktiv. 1968 wurde er CDU-Mitglied. Von 2009 bis 2014 war er Ortsbürgermeister von Niederzissen. Nach der Kommunalwahl 2014 wurde er zum Ersten Beigeordneten der Verbandsgemeinde Brohltal gewählt. Neben seinem politischen Engagement ist besonders seine Initiative im Jahr 2006 zur Gründung eines Kulturnetzwerkes und schließlich die Gründung des Kultur- und Heimatvereins Niederzissen im darauffolgenden Jahr hervorzuheben. Der Verein hat bis heute konstant 140 Mitglieder.

Basierend auf der wertvollen Grundlagenarbeit des Vereins und der vielen fraktionsübergreifenden Gespräche, die er als Ortsbürgermeister führte, beschloss der Gemeinderat Niederzissen am 9. November 2009 den Kauf des Synagogen-Gebäudes, um darin eine Erinnerungs- und Begegnungsstäte zu errichten. Das Gebäude sollte als Erinnerungs- und Begegnungsstätte dienen. Aufgrund des Konzeptes mussten ca. 370.000 Euro aufgebracht werden, um das Gebäude wieder herzurichten. Daran beteiligen sich das Land, die Landesdenkmalpflege, die Stiftung Denkmalschutz, die Gemeinde sowie der Kultur- und Heimatverein.

Richard Keuler stellte sich an die Spitze einer geschichtsbewussten Gruppe von Bürgern, die mit mehr als 1500 Stunden Eigenleistung ans Werk ging. Nach und nach gewann die einstige Synagoge ihre schlichte, würdevolle Gestalt zurück. Jetzt lädt der helle, freundliche Saal zu Konzerten und Lesungen ein.

2011 konnte das Gebäude restauriert und der äußere Zustand – aus der Zeit vor der Zweckentfremdung als Schmiede - wiederhergestellt werden. Am 18. März 2012 wurde die ehemalige Synagoge als Erinnerungs- und Begegnungsstätte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

„Ihre Arbeit und die Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sehr geehrter Herr Keuler, hat uns überzeugt. Der Landschaftsverband Rheinland sieht die Synagoge in Niederzissen als wichtigen Bestandteil im Netz der Landessynagogen im Rheinland und betreibt selbst mit dem LVR-Kulturhaus Landesynagoge Rödingen einen wichtigen Gedenk- und Erinnerungsort“, so Frau Anne Henk-Holstein, die Richard Keuler im Anschluss an ihre Laudatio mit dem begehrten Rheinlandtaler, einer entsprechenden Urkunde und einer Anstecknadel auszeichnete.

Johannes Bell, Bürgermeister der VG Brohltal, erinnerte in seinem Grußwort u.a. daran, dass Richard Keuler, der übrigens auch dem Kreistag angehört, erst vor knapp einem Jahr (24. Juli 2015) mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet worden war. „Richard Keuler hat mit großem zeitlichen und emotionalem Aufwand mit der Restaurierung der ehemaligen Synagoge ein Projekt angestoßen, welches als neue Kultur- und Begegnungsstätte in Niederzissen und darüber hinaus großen Anklang findet“, so VG-Bürgermeister Bell, der dem Geehrten für die gute Zusammenarbeit dankte.

Sichtlich gerührt bedankte Richard Keuler sich zunächst bei dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, der ihn für die hohe Auszeichnung vorgeschlagen hatte, mit den Worten: „Da ich seit 28 Jahren Mitglied dieses altehrwürdigen und - trotz des Alters - äußerst lebendigen Vereins bin, weiß ich das zu schätzen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren bereits über 1000 Besucher hier. Der Zuspruch für dieses Haus hat meine Erwartungen übertroffen. Um dies alles umzusetzen, um überhaupt dahin zu kommen, wo wir heute stehen, bedarf es Menschen, die daran glauben, anpacken und begeisterungsfähig sind. Es bedarf aber auch guter Kontakte zu anderen Vereinen, zu Stiftungen, Institutionen und zu Behörden, damit das, was geschieht, ohne Eifersüchteleien und Störungen, aber mit vielfältigen Unterstützungen und, vor allem bei baulichen Dingen, mit den Segnungen der Obrigkeiten und im Einklang mit den Vorschriften geschaffen werden kann. Deshalb freue ich mich auch, dass neben den Kolleginnen und Kollegen der Kulturausschüsse, auch Fraktionssprecher aus den kommunalen Räten und der Leiter der hiesigen Bauverwaltung, Herr Reuter, heute hier sind. Liebe Festgäste, anlässlich einer Ehrung vor einem Jahr sagte ich, dass es mich sogar stolz mache, dass das, was ich ehrenamtlich getan habe und ja auch noch tue, gesehen und anerkannt wird, obwohl mein Handeln nie darauf abgestellt war und es auch zukünftig nicht sein wird. Alles trägt aber dazu bei, Niederzissen, das Brohltal, den Kreis, schlicht gesagt „die Heimat“ voranzubringen, das Gemeinwesen - Staat und Kommune - zu entlasten, anderen zu helfen und mit guter Kultur zu erfreuen. Daran hat und wird sich vermutlich auch nichts ändern.

So danke ich an diesem besonderen Ort, Ihnen, Frau Henk-Hollstein als Repräsentantin des Landschaftsverbandes Rheinland für die Ehre, die mir heute zuteil geworden ist. Ich danke der Gemeinde, dass sie dieses Haus erworben, saniert und unserem Verein die Betriebsführung übertragen hat, Frau Pyka für die musikalische Umrahmung und Frau Thomas vom LVR für die tolle Vorbereitung dieser Feierstunde. Aber ich danke auch den Mitstreitern und Mitgliedern zweier Vereine. Das sind der Kultur- und Heimatverein und der Förderverein ehem. Synagoge. Beide Vorstände sind auch heute fast geschlossen hier in diesem Haus, das symbolisch für mein Engagement steht. Damit wird deutlich, dass bei allem Engagement immer Personen hinter einem stehen müssen, ohne die es nicht machbar ist.

In diesem Sinne und zu guter Letzt, danke ich auch heute meiner Familie und vor allem meiner Frau Gisela, die bescheiden dort sitzt, aber eigentlich mit mir hier stehen müsste.“ FRE

Richard Keuler mit seiner Ehefrau Gisela Reichrath -rechts-und der Laudatorin Anne Henk-Hollstein

Richard Keuler mit seiner Ehefrau Gisela Reichrath -rechts-und der Laudatorin Anne Henk-Hollstein

Die Harfenistin Marcia Pyka gestaltete den musikalischen Rahmen der festlichen Veranstaltung

Die Harfenistin Marcia Pyka gestaltete den musikalischen Rahmen der festlichen Veranstaltung

V. links: Johannes Bell, Ralf Doll, Anne Henk-Hollstein, Richard Keuler, Guido Ernst, Gisela Reichrath und Horst Gies. Fotos: FRE

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