Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler segnet Vorentwurf für künftige Kurparkbauten ab
Finanzierung des Projektes muss noch erarbeitet werden
Land hat einen Zuschuss in Höhe von 6,75 Millionen Euro in Aussicht gestellt - Baubeginn frühestens Ende 2022
Bad Neuenahr. Für die Landesgartenschau 2022 wird es zwar nichts mehr werden mit der Verwirklichung, doch den Vorentwurf für die die künftigen Kurparkbauten segnete der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung ebenso ab wie die schon recht genaue Schätzung der Kosten, die sich im ungünstigsten Falle auf 20,5 Millionen Euro summieren. Lediglich Marion Morassi (Die Linke) und Dr. Jürgen Lorenz (Wählergruppe Jakobs) konnten sich mit dem von Architekt Wilfried Pilhatsch vorgestellten Vorentwurf und mit der angedachten Finanzierung überhaupt nicht anfreunden und stimmten mit Nein.
Entgegen der ursprünglichen Planung wurde die Ladenzeile unter den Arkaden entlang der Kurgartenstraße ersatzlos gestrichen, was auf eine Vorgabe des Landesrechnungshofs zurückgehe, so Pilhatsch. Dadurch wurde die Vorderfront des Gebäudes um drei Meter nach hinten versetzt, auch um eine ansonsten notwendige Verlegung der Versorgungsleitungen zu vermeiden. Überarbeitet wurden in diesem Zusammenhang auch die Bibliothek, die Tourist-Information sowie die Eingangssituation in den Kurpark. Die Heizung soll überwiegend als Fußbodenheizung ausgestaltet werden, mit Ausnahme der Lager und Nebenräume, wobei die Energie über einen Fernwärmeanschluss der Ahrtalwerke bezogen werden soll. Die Brunnenkammer des Großen Sprudel möchte man in den Neubau integriert. Die Raumakustik des Konzertsaals werde auf Kammermusik ausgelegt, mit der Möglichkeiten zur Verbesserung der Akustik bei Sprachveranstaltungen. Auch eine flächendeckende Sprinkleranlage für den Brandfall wurde integriert, über einen Spinklertank im Keller mit einem Volumen von 153 Kubikmeter Löschwasser versorgt.
Kostensteigerung von 4 Prozent pro Jahr
Architekt Michael Boldt hatte die Kostenschätzung vorgenommen und war überzeugt, mit seiner „Bauteil-Methode“ die wahren Kosten ermittelt zu haben. Demnach schätzt er die Gesamtkosten auf 16,9 Millionen Euro.
Da aber mit dem Baubeginn frühestens Ende 2022 zu rechnen sei, müsse man eine Kostensteigerung von 4 Prozent pro Jahr kalkulieren, was in der Summe 12 Prozent oder knapp 2 Millionen Euro ausmache. Hierzu kommt nach Ansicht von CDU-Fraktionschef Christoph Kniel noch ein zehnprozentiger Sicherheitsaufschlag für Unvorhergesehenes, so dass sich die Gesamtkosten im schlimmsten Fall auf 20,5 Millionen Euro summieren könnten.
Nach Abzug des vom Land in Aussicht gestellten Zuschusses in Höhe von 6,75 Millionen Euro müsse die Stadt sich vordringlich um die Finanzierung des Eigenanteils in Höhe von rund 13,8 Millionen Euro kümmern. „Diesen Eigenanteil darzustellen wird Aufgabe der nächsten Monate sein“, sagte Kniel voraus, bei den Haushaltsberatungen 2021 sei jedenfalls mit spitzem Bleistift zu rechnen. „Kreativität ist ebenso gefragt wie eine nachvollziehbare, marktorientierte, langfristige Kapitalzinsberechnung und eine Cashflow-Rechnung aus dem Objekt.“
Dennoch war Kniel der Ansicht, der Vorentwurf stelle neben der gelungenen Architektur und Optik einen zweckmäßig konstruierten Neubau mit funktionalen Raumprogramm dar. „Er wird das zentrale Projekt im neu gestalteten Kurpark sein, vielseitig nutz- und einsetzbar.“ Gerade im Herzen der Kuranlagen erscheine es angebracht, in dieser modernen und doch verbindenden Form zugleich das kulturelle Erbe der Stadt durch eben diese Architektur herauszuarbeiten und zu verorten.
Linienführung der damaligen Baumeister wird aufgegriffen
„Wow, kann man dazu nur sagen“, zeigte sich FDP-Fraktionschef Rolf Deißler begeistert. „Dieser Vorentwurf hat was und bietet das Potenzial zu einem gelungenen Gebäude.“ Er greife die Linienführung der damaligen Baumeister sowie die bisherigen charakteristischen Stilelemente auf mit gelungenen Arkaden und hohen Fenstern im Stil der alten Trinkhalle.
„Aber das neue Gebäude ist kein Abklatsch des alten. Ganz im Gegenteil!
Es handelt sich um ein Gebäude, dass die verschiedenen Interessen und Anforderungen, die sich mit einem Kurpark verbinden, bündeln und zufriedenstellen sollte.“
Auch SPD-Fraktionschef Werner Kasel war beeindruckt: „Die Integration des Neubaus in den Kurpark als geschlossenes Ensemble ist gelungen, sie öffnet jetzt Sichtbeziehungen zwischen Kurgartenstraße und Park, die es in dieser Form zuvor nicht gegeben hat.“
Mit der Integration der Stadtbibliothek, deren mangelhafte Unterbringung seit Jahren diskutiert werde, und den daraus entstehenden Synergien erwüchsen neue Angebote für die Bürger ebenso wie für die Gäste der Stadt. Der Konzertteil mit der erhaltenen Orchestermuschel und den in der ursprünglichen Bauhausoptik gehaltenen Fenstern zum Park werde ein neues kulturelles Zentrum bilden, sagte Kasel voraus. Er wünsche sich, dass den Gästen der Landesgartenschau an dieser Stelle eine visuelle Darstellung über das gegeben werden könne, was hier entstehen solle.
Zukunftsweisende Investitionen für die Stadt
„Mit der alten Eigentümerin ging ein Stück Tradition des Heilbades dahin“, bedauerte Grünen-Sprecher Wolfgang Schlagwein das Ende der Kur AG als früherer Eigentümerin des Kurparks. „Aber mit diesem Entwurf auf jetzt unseren eigenen Liegenschaften können wir in die Zukunft des Heilbades eintreten.“ Gregor Sebastian (FWG) freute sich darüber, dass das funktionale und für die künftige Nutzung gegliederte Raumprogramm bereits heute die mit dem Neubau verbundenen Synergiepotenziale aufzeigen. Er begrüße es auch, dass innerhalb des Gebäudes ein barrierefreies Wandeln zwischen Haus des Gastes und Stadtbibliothek möglich sein werde. „Alles in allem handelt es sich um eine gute und zukunftsweisende Investition für die Stadt.“ Martin Kallweit (AfD) zeigte sich ebenfalls überzeugt vom Entwurf und war sich sicher, die Kurparkliegenschaften würden eine Bereicherung für die Stadt werden.
Ganz anders Marion Morassi (Die Linke), die sich nicht nur an den geplanten Säulen störte: „Der Entwurf hat nichts zu tun mit der verspielten Form des Historismus oder Jugendstils der vergangenen Bäderarchitektur, noch mit dem leichten, funktionellen Bauhausgebäude des Architekten Weiser. In mir erwecken die vorgelegten neuen Pläne nur einen Vergleich mit ähnlichen Gebäuden von Albert Speer der 1930er Jahre oder aber eine schlecht gelungene Kopie von David Chipperfields James-Simon-Galerie in Berlin. Solch ein Gebäude passt nach Berlin, aber nicht in den Kurpark von Bad Neuenahr.“ Dr. Jürgen Lorenz (Wählergruppe Jakobs) schließlich fand den bisherigen Verfahrensablauf nicht akzeptabel, denn durch den Abriss des Bauhausensembles habe man Fakten geschaffen, bevor die Pläne sicher seien.
„Das entspricht weder einem angemessenen Umgang mit öffentlichen Gütern, noch der notwendigen konstruktiven Suche nach einer akzeptablen und tragfähigen Lösung.“
JOST
