Leserbrief
„Flutvorsorge Fehlanzeige“
Im Ahrtal wird wieder aufgebaut. Das kann man in allen Zeitungen jede Woche lesen. Wohnungen hier, ein Stück Straße dort, Tennisplätze oder Sportplätze da. Selbst bei der Ahrtalbahn soll in Kürze richtig was passieren. Und das ist gut so. Aber was hat das mit den Ursachen der Flut und der Verhinderung weiterer Katastrohen zu tun. Leider überhaupt nichts. Hierbei herrscht seit bald 2 Jahren völliger Stillstand. Kein einziges Rückhaltebecken ist begonnen, am Flussbett nichts passiert. Flutvorsorge Fehlanzeige. Exemplarisch hierfür der Zustand am Heimersheimer Bahnhof. Auswärtige glauben bei dem Anblick, die Flutwelle sei erst gestern durchgerauscht. Ein kleines Hochwasser hier und die noch intakten 2 Spuren der Umgehungsstraße sind auch weg. Doch darum geht es mir primär nicht. Vielmehr müssen die Ängste und Sorgen der Menschen endlich ernst genommen werden. Betroffene möchten wieder ruhig schlafen können, sich in Ihren teils mit großen Mühen wiederhergestellten Häusern und Wohnungen wohl fühlen und nicht bei jedem Regen ängstlich zum Himmel blicken. Sie müssen das Gefühl haben, dass seitens der Verantwortlichen alles getan wird, damit sich vergleichbares wie in der Flutnacht nicht wiederholt und sie in Zukunft an der Stelle des Wiederaufbaus sicher leben können. Stattdessen wird nach wie vor endlos über Zuständigkeiten diskutiert. Eine Landesregierung verweist beim Hochwasserschutz auf die Kreisverwaltung als Verantwortliche für die Ahr als Gewässer 2. Ordnung. Als könne der Kreis Ahrweiler mal eben so die Folgen der größten Naturkatastrophe der Nachkriegszeit bewältigen. Dies ist eine Aufgabe nationaler Tragweite. Daher müssen die notwendigen Infrastrukturprojekte in gemeinsamer Abstimmung von Bund, Land und betroffenen Kommunen sofort angegangen werden. Ansonsten fühlen sich die Menschen an der
Ahr weiterhin allein gelassen.
Jürgen Füllmann, Ehlingen
