Politik | 24.10.2018

Leserbrief

Fragwürdige Kastanien- Tauschaktion bei Haribo

Zu der nunmehr 82. Haribo-Tauschaktion möchte ich einmal meine Sichtweise auf diese Veranstaltung teilen und darstellen, welche Auswirkungen das Sammeln der Kastanien und Eicheln auf unsere heimische Tierwelt hat. Das Sammeln der Waldfrüchte führt dazu, dass der hiesigen Tierwelt ein Großteil der Nahrungsgrundlage entzogen wird. Sie müssen insbesondere in der kalten Jahreszeit hungern und sterben letztendlich einen qualvollen Tod. In strengeren Wintern berichten die lokalen Zeitungen regelmäßig von verhungertem Rotwild im Kesselinger Tal in der Eifel. Für zehn Kilogramm Kastanien oder fünf Kilogramm Eicheln erhält man ein Kilogramm der Süßwaren. Ein Kilogramm Haribo kostet im Handel aktuell rund vier Euro, sollte also für jeden Mitmenschen erschwinglich sein. Für diese relativ kleinen Beträge nehmen die Sammler damit den Tod der Wildtiere in Kauf. Wildschweine, welche beispielsweise keine Eicheln mehr im Wald finden, verlassen diesen, kommen in die Dörfer und Städte und verwüsten dort Gärten und Beete, oftmals fallen sie auch in die Weinberge ein. Die Schuld wird dann vorschnell bei der Jägerschaft gesucht. Sehr oft habe ich schon beobachtet, dass die Kastaniensammler nicht warten können, bis die Früchte alleine von den Bäumen fallen.

Raubbau an der Natur

Sie werfen Stöcke oder andere Gegenstände in die Bäume, damit die Kastanien herunterfallen. Hierbei brechen häufig Äste und Zweige ab. In den darauffolgenden Jahren wachsen dann weniger Früchte an den Bäumen. Dass ihr Handeln den Straftatbestand der Sachbeschädigung darstellt, interessiert nicht. Ebenso wenig dass das Mitnehmen der Früchte Diebstahl darstellt. Damit nicht genug. Viele Sammler nehmen 200 bis 300 Kilometer Anfahrt in Kauf, um dann für die oben genannten vier Euro pro Kilogramm Süßwaren abzugreifen, und das vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um Fahrverbote und der drastischen Veränderung unseres Klimas. Zusätzlich nehmen die Sammler noch mehrere Stunden Wartezeit in Kauf. Oder wird dies als Happening oder Event verbucht? Für Haribo stellt die Tauschaktion sicherlich eine riesengroße Werbeaktion dar. Ich stelle mir ernsthaft die Frage, ob die Tauschaktion heutzutage noch zeitgemäß ist und möchte die Sammler bitten, einmal darüber nachzudenken, ob sie der Tier- und Pflanzenwelt nicht mehr schaden, als dass sie ihr nutzen. Für mich hat die Tauschaktion mehr als einen fahlen Beigeschmack.

Ralf Kläser,

Wachtberg-Werthhoven

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Kommentare
27.10.201820:37 Uhr
Ralf Kläser

Hallo Harald,
vielen Dank für Ihren Beitrag. Mit den Kastanien mögen Sie sicher Recht haben. Die Eicheln, mit eine der Leibspeisen der Schwarzkittel, finden Sie nicht an Alleen, sondern im „normalen“ Wald, wo unsere Wildschweine leben. Wenn die Kastanien zur Fütterung des Wildes im Winter verwendet wird, warum nimmt man ihnen dann die Nahrung erst weg? Erschliesst sich mir leider nicht der Sinn dieser Aktion. Wo Sie ebenfalls definitiv Recht haben ist, dass mittlerweile das Augenmaß verloren gegangen ist. Meines Erachtens läuft diese, einst für einen überschaubaren Kreis Bonner Kinder gut gemeinte Aktion mittlerweile aus dem Ruder!

25.10.201814:23 Uhr
Harald

Überwiegend werden Kastanien an Aleen gesammelt. Hier wird kaum Wild nach Nahrung suchen. Zudem werden meines Wissens die Kastanien genau zur Fütterung des Wildes im Winter verwendet.
Es gibt nicht richtig oder falsch, aber oft fehlt einfach Augdnmaß.

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