Politik | 18.08.2020

Umsetzung des Koblenzer Verkehrsentwicklungsplans 2030:

GRÜNE wollen Radverkehrsachse Innenstadt - Kesselheim

Die Koblenzer GRÜNEN fuhren von der Innenstadt nach Kesselheim. Foto: Bündnis90/DIE GRÜNEN KV Koblenz

Koblenz. Der Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 2030 beschreibt vier besonders wichtige Radverkehrsachsen. Auf sicheren und direkten Wegen sollen Radfahrende unter anderem von der Innenstadt nach Kesselheim fahren können. Diese Radstrecke sind die Koblenzer GRÜNEN nun entlang gefahren und haben den aktuellen Zustand sowie erforderliche Maßnahmen diskutiert.

Im VEP 2030 wird die Notwendigkeit, den Radverkehr voranzubringen, sehr klar gefordert und vor allem die vier Achsen werden immer wieder hervorgehoben und als Rückgrat der Radverkehrsförderung bezeichnet. Entlang der Strecke hat sich an der Radverkehrsinfrastruktur seit der Aufstellung des VEP jedoch nichts getan. „Der Radverkehr in Koblenz wird stiefmütterlich behandelt,“ so Carl-Bernhard von Heusinger, Fraktionsvorsitzender der Koblenzer GRÜNEN. „Dabei wurde diese Achse im VEP als hoch prioritär eingestuft mit einer Umsetzungsfrist bis 2020. Da sollte doch irgendwann auch etwas passieren.“

Gregor Höblich, Vorstandsmitglied der Koblenzer GRÜNEN, hatte die Radtour organisiert und konnte als Radverkehrsplaner fachliche Hintergründe erläutern. „Hier verläuft der Rheinradweg, eine EuroVelo-Route, mit hoher touristischer Bedeutung,“ hebt Höblich hervor. Im VEP ist der Rheinradweg als ‚Radkomfortroute‘ ausgewiesen mit entsprechenden Qualitätsstandards.

„Hoffentlich werden diese Kriterien auch eines Tages erfüllt,“ so Höblich weiter, „viel interessanter ist jedoch, dass die Hauptachse Innenstadt Kesselheim gar nicht in erster Linie dem Rheinradweg folgt, sondern explizit die Anbindung zahlreicher Ziele.“ Der VEP nennt hier die Stadtteil- und Nahversorgungsbereiche, den Bahnhof Lützel, diverse Schulen oder das Industriegebiet Rheinhafen. „Es geht also nicht darum, nur eine Route schön zu machen,“ fasst Höblich zusammen, „es geht um das gesamte Netz entlang der Achse. Radfahrende wollen überall hin kommen, mindestens genauso wie Autofahrende. Ihnen nur einen Weg zu weisen und zu sagen: ‚Fahr doch hier!‘ ist vermessen.“ In der Tat hebt der VEP deutlich die Gleichberechtigung des Radverkehrs hervor und betont sogar den besonderen Nachholbedarf in Koblenz.

Was entlang der Radverkehrsachse nötig und möglich wäre, konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer direkt vor Ort erleben. An schwierigen Stellen wie der Balduinbrücke sind die Zwischenstopps länger und es wird rege über Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert. Höblich schildert vor Ort die Überlegungen aus dem VEP, der in Lützel eine ergänzende Radfahrerspindel auf der Westseite der Balduinbrücke vorsieht. „Oft sind die Maßnahmen aber sehr überschaubar und trotzdem wirkungsvoll,“ kann Höblich an einigen Stellen verdeutlichen, „der VEP ist da schon sehr konkret: Radfahrstreifen, Schutzstreifen, Fahrradstraßen, Öffnung von Einbahnstraßen – das ist alles nicht sehr teuer oder aufwendig.“

Besonders interessant wird es am Zielpunkt der Radtour, dem Rheinhafen. Die Teilnehmer*innen lassen die Räder stehen und kämpfen sich ans Ufer herunter, um einen Blick auf die Hafeneinfahrt werfen zu können. Im VEP ist hier ein Brückenschlag angedacht. „Eine erhebliche Bereicherung für den Rheinradweg,“ findet von Heusinger, der für den Wahlkreis Koblenz bei der Landtagswahl im nächsten Jahr kandidiert, „der jetzige Weg durch das Industriegebiet ist hochgradig unattraktiv und auch gefährlich.“

Zum Hintergrund:

Der Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 2030 wurde im Jahr 2018 vom Koblenzer Stadtrat (einstimmig?) beschlossen. Zuvor wurde in einem fast vierjährigen Verfahren mit einer umfassenden Beteiligung der Koblenzer Bürgerinnen und Bürger, der verschiedenen Verbände und Dienststellen, der Koblenzer Ortsbeiräte sowie auch der benachbarten Gemeinden der

VEP erarbeitet.

Im Ratsbeschluss wurde der VEP als „grundsätzlich verwaltungsverbindlich“ bezeichnet. Seine Inhalte müssen von Rat und Verwaltung seitdem bei allen Beschlüssen mit Verkehrsbezug bzw. mit verkehrlichen Auswirkungen berücksichtigt werden. Auch wurde festgelegt, dass dem Stadtrat beginnend mit dem Haushaltsjahr 2020 konkrete Umsetzungsvorschläge zur Entscheidung vorgelegt werden.

Bereits in der Einleitung des VEP ist von der „autogeprägten Mobilitätskultur“ in Koblenz die Rede, die in der Stadt teilweise zu hohen Umweltbelastungen und Kfz-dominierten Straßenräumen führt. Andererseits werden „nicht ausgeschöpfte Potentialen für den Fuß- und Radverkehr“ benannt. Es wird kritisiert, dass es in Koblenz kein zusammenhängendes Radnetz gebe und insbesondere an den Haupt- und Sammelstraßen Radwege fehlten.

Inhaltlich geht der VEP auf viele Aspekte der Radverkehrsinfrastruktur ein (Radwege, Fahrradstraßen, Kreuzungsbereiche, usw.) und beschreibt insbesondere vier wichtige Radverkehrsachsen. Auch Aspekte wie Abstellanlagen oder ein Fahrradverleihsystem werden aufgezeigt. Alle Maßnahmen im VEP werden u.a. nach Priorität, zeitlicher Umsetzungsfrist und Kosten-Wirkungs-Klasse eingestuft. Vor allem die Radverkehrsförderung wird hierbei als besonders wichtig und effektiv hervorgehoben. Der Stadt werden im VEP auch finanzielle Rahmendaten an die Hand gegeben, sowohl für die Infrastruktur als auch für Personal: Entsprechend der Einstufung der Stadt Koblenz als Stadt der Kategorie „Einsteiger“ (siehe Nationaler Radverkehrsplan 2020) wird ein jährlicher Etat von etwa 1 Millionen bis 1,5 Millionen Euro für den Radverkehr angeraten. Pressemitteilung Bündnis90/DIE GRÜNEN KV Koblenz

Die Koblenzer GRÜNEN fuhren von der Innenstadt nach Kesselheim. Foto: Bündnis90/DIE GRÜNEN KV Koblenz

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Mirko Walden: Es ging doch darum, dass nicht gewarnt wurde und die Lage nicht erkannt wurde. Ebenfalls wurden keine Maßnahmen umgesetzt. Was ist hierzu passiert? Was bringen neue Sirenen, wenn nicht evakuiert wird?...
  • Dieter Borrmann: Der landschaftlich großartige Weg unterhalb Brauselay über den Conder Kreuzweg nach Cond ist teils unbefestigt, teils sehr glatt, teils steil. Sehr gutes, rutschfestes Schuhwerk (Profilsohle) wird unbedingt angeraten.
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
online Anzeige Konekt Wirges
Handwerker im Außendienst
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Floristik Meyer
Kirmes Löhndorf
Maibaumstellen Heimersheim
Maibaumstellen Heimersheim
Empfohlene Artikel
Krufts Ortsbürgermeister Walter Kill legt Amt zum 30. April nieder. Foto: OG Kruft
1848

Kruft. Walter Kill hat die Niederlegung seines Amtes als Ortsbürgermeister der Ortsgemeinde Kruft mit Wirkung zum 30.04.2026 erklärt. Nach fast sieben Jahren in dieser Funktion zieht er eine persönliche Bilanz zwischen Aufgabenstellung und erzielten Ergebnissen sowie der inhaltlichen und zeitlichen Inanspruchnahme. Vor dem Hintergrund mehrfach erlebter Anfeindungen gegen seine Person in der Vergangenheit...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: ROB
985

Hammerstein. Am Freitagnachmittag, 17. April, befuhr die 59-jährige Fahrzeugführerin eines PKW die B42 aus Neuwied kommend in Fahrtrichtung Bonn. Im Verlauf einer langgezogenen Rechtskurve in Höhe der Ortschaft Hammerstein verlor diese aus bislang unklarer Ursache die Kontrolle über ihr Fahrzeug und geriet hierbei auf die Gegenfahrbahn, wo sie anschließend mit der Leitplanke kollidierte und mit dem PKW einer entgegenkommenden weiteren Fahrzeugführerin (66) frontal zusammenprallte.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
45

Ingesamt drei Personen ins Krankenhaus eingeliefert

16.04.: Kaffee mit Holzkohle im Haus zubereitet: Eine Person wird schwer verletzt

Schleiden/Dahlem. Bereits in den frühen Morgenstunden kam es am Donnerstag (16. April) gegen 5.48 Uhr in der Uferstraße in Dahlem zu einem Einsatz aufgrund einer Kohlenmonoxid-Vergiftung in einem Wohnhaus. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde am Vorabend in dem Wohnhaus mit Holzkohle Kaffee zubereitet. Anschließend legten sich die Bewohner schlafen, ohne dass Fenster geöffnet wurden. Im Verlauf der Nacht kam es dadurch zu einer gefährlichen Anreicherung von Kohlenmonoxid.

Weiterlesen

Imageanzeige
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Kirmes Polch 2026
Kirmes Polch 2026
Werksverkauf Anhausen
Rund ums Haus Daueranzeige
Suchen Auslieferungsfahrer
Schulhausmeister
Handwerkerhaus
Praxis an neuem Standort
Löhndorfer Kirmes
Anzeige KW 16
Titelanzeige
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Ausverkauf
Maibaumstellen Heimersheim
Kooperationsgeschäft