Gemeinderat Swisttal entscheidet einstimmig
Gefährliche Tiere kommen künftig ins Tierheim Mechernich
Wolf-Umhauer: Swisttal hält weiter die Verpflichtung zum Tierschutz ein
Swisttal. Nicht mehr wie bisher nach Troisdorf, sondern ins Tierheim nach Mechernich werden künftig alle Tiere gebracht, die in der Gemeinde Swisttal gefunden werden oder als gefährlich gelten. Das beschloss der Gemeinderat einstimmig bei einer Enthaltung von Ernst Ostermann (SPD) in seiner jüngsten Sitzung. Da das Thema in den zuständigen Ausschüssen bereits ausführlich diskutiert worden war, gab lediglich FDP-Fraktionsvorsitzende Monika Wolf-Umhauer eine Stellungnahme ab und wehrte sich darin gegen „Verleumdungen durch Tierschützer“.
Offensichtlich sei in der Öffentlichkeit durch die „übergroße Sorge von Tierfreunden“, so Wolf-Umhauer, ein völlig falscher Eindruck entstanden. „Wir streichen in Swisttal nicht die Zuschüsse für Fundtiere, und wir geben keinesfalls den Tierschutz auf. Wir wollen unserer Verpflichtung selbstverständlich weiter nachkommen - aber zu günstigeren Konditionen.“ Eine Gemeinde, die „pleite“ sei und sich kaum noch Kultur oder Jugendförderung leisten könne, dürfe nicht beim Tierschutz aufhören zu sparen.
Deutliche Kostensteigerung geplant
Rückwirkend zum 1. März will das Tierheim Troisdorf nämlich die Kommunen im Kreis stärker zur Kasse bitten. Nach dem neuen Vertrag, den Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz und Troisdorfs Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski mit dem Trägerverein ausgehandelt hatten, müsste die Gemeinde Swisttal jährlich rund 11.900 statt bisher 8.000 Euro berappen. Hinzu käme 2014 ein nicht festgelegter Gemeindeanteil an den Kosten für den Neubau eines Hundehauses, das insgesamt 600.000 Euro kosten soll. Zwölf der ursprünglich 17 Kommunen haben mittlerweile den neuen Vertrag akzeptiert, die Gemeinde Swisttal gehört zu den fünf „Abtrünnigen“.
Die Gemeinde ändere lediglich den Vertragspartner, unterstrich Wolf-Umhauer, und das beileibe nicht als einzige Kommune im Rhein-Sieg-Kreis. Künftig werde der Hundesportverein Odendorf den sachgerechten Transport aller gefundenen Hunde zum Tierheim übernehmen, ein entsprechender Vertrag mit dessen Vorsitzendem Walter Görgens wurde ebenfalls verabschiedet. Von der zurückzulegenden Entfernung sei es letztlich ziemlich egal, ob man nach Troisdorf oder nach Mechernich fahren müsse.
Chip-Pflicht für Swisttaler Katzen
Außerdem werden künftig Katzenhalter per „Ordnungsbehördlicher Verordnung“ verpflichtet, ihre Tiere kastrieren und mit einem elektronischen Identifikations-Chip kennzeichnen zu lassen. Bei dieser Entscheidung enthielten sich zwei Ratsmitglieder. Damit sollen Katzen leichter dem Halter zurückgegeben werden können, mehr als 90 Prozent aller Fundtiere in der Gemeinde Swisttal waren bislang Katzen. Diese Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für Katzen werde nicht nur die Zahl der nicht zuzuordnenden Fundtiere verringern, so die liberale Fraktionschefin, sondern auch so mancher entlaufenen Katze den Stress einer Reise nach Mechernich ersparen. Zum Abschluss betonte sie: „Wir Swisttaler halten also durchaus auch weiter unsere Verpflichtung zum Tierschutz ein!“
Eine Gruppe von Tierschützern aus der Region hatte eigentlich vorgehabt, während der Ratssitzung gegen diese Pläne der Gemeinde zu protestieren. Sie meldeten sich jedoch zu Beginn der Sitzung bei der Bürgerfragestunde nicht zu Wort und erhielten anschließend bei den eigentlichen Tagesordnungspunkten aufgrund der Vorschriften der Gemeindeordnung kein Rederecht. So verpuffte die geplante Protestaktion der Tierschützer, die nicht einmal dazu kamen, ihr eigens mitgebrachtes Protestbanner zu entrollen.
