In Andernach fanden ein Demonstrationszug und eine Kundgebung der IG Metall statt
Gemeinsam für eine Lohnerhöhung
Andernach. Fünf Prozent mehr Lohn – das sind die Forderungen für die rund 1.000 Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie, die vergangene Woche auf dem Andernacher Marktplatz demonstrierten. Vorangegangen war ein Demonstrationszug vom Rheinufer durch die Innenstadt zum Marktplatz, auf dem dann die Kundgebung mit Redebeiträgen stattfand.
In einer Pressemitteilung hieß es zuvor: „Die Schwerpunkte der Arbeitsniederlegungen am Donnerstag liegen in Ludwigshafen, Andernach, Bad Kreuznach und Trier. Betroffen sind Firmen wie Voestalpine, Mann und Hummel, Siemens oder KSB. In Andernach wird es am Vormittag eine Kundgebung der IG Metall geben. Beschäftigte von 15 Unternehmen aus der Region wollen sich versammeln, unter anderem Mitarbeiter des Weißblechherstellers Rasselstein aus Andernach und des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen aus Ahrweiler.
Am Freitag treffen sich dann Gewerkschaft und Unternehmer in Köln, um weiter zu verhandeln. Dabei wird erwartet, dass ein Pilotabschluss für die Branche vereinbart wird. Damit wäre dann auch für die Metaller in Rheinland-Pfalz klar, um wie viel ihre Löhne steigen. An den Verhandlungen nehmen auch die Bundesspitzen der IG Metall und des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall teil.
Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Geld über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber haben für 24 Monate Entgelterhöhungen in zwei Stufen angeboten, die sich auf 2,1 Prozent summieren. Dazu soll es eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent geben. Die Tarife für Deutschlands wichtigsten Industriezweig mit rund 3,8 Millionen Beschäftigten werden regelmäßig zunächst regional verhandelt. Im Laufe der Gespräche kristallisiert sich dann ein Pilotbezirk heraus, dessen Abschluss auf die anderen Tarifgebiete übertragen wird.“
Lana Horstmann, (Betriebsrätin Rasselstein Andernach) stellte die provokative Frage: „Trotz der zahlreichen Warnstreiks, die in all Euren Betrieben stattgefunden haben, stehen wir nun zum zweiten Mal hier. Doch was ist seitdem geschehen? Ein faires und halbwegs akzeptables Angebot der Arbeitgeber – Fehlanzeige!“. Die Trillerpfeifen und zustimmenden Rufe der Streikenden pflichteten ihr bei. Horstmann wies auf die stabil wachsende deutsche Wirtschaft hin. Auch die börsenorientierten Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie seinen weiterhin in einer guten Verfassung. „Ebenso scharren die Aktionäre schon wieder mit den Hufen und warten auf ihre Ausschüttungen. Und uns wird erzählt, eine Forderung von fünf Prozent sei nicht machbar und gefährde den Standort Deutschland“, so die Betriebsrätin weiter.
„Die Belegschaft ist die tragende Säule der Qualität“
Lukas Panze, (JAV Vorsitzender Thyssenkrupp Rasselstein) sprach im Namen des Ortsjugendausschusses der IGM Neuwied. „Mit lächerlichen 2,1 Prozent - und die noch gestreckt über zwei Jahre - möchte man uns abspeisen. Ich frage mich, ob es auf Arbeitgeberseite noch einen Sinn für Gerechtigkeit gibt?“. Die Belegschaft sei durch ihre Flexibilität und ihr Fachwissen die tragende Säule der Qualität und Profitabilität in den Unternehmen. Sie sorge gleichzeitig auch für eine starke Binnenkonjunktur.
„Die Belegschaft, wir alle haben uns einen Teil des Kuchens von den milliardenschweren Gewinnen der Konzerne in der Metall und Elektroindustrie verdient. Und dieses Kuchenstück heißt fünf Prozent mehr im Monat“, so Panze abschließend.
Einigung erzielt
Die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie sollen 4,8 Prozent mehr Geld bekommen. Der in Nordrhein-Westfalen vereinbarte Tarifabschluss sehe zudem eine Laufzeit von 21 Monaten vor, teilten beide Seiten am Freitag in Köln mit. Das Ergebnis sehe eine Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro für die Monate April bis Juni 2016 vor. Ab 1. Juli würden die Entgelte in einer ersten Stufe um 2,8 Prozent erhöht. Die zweite Stufe folge dann ab April 2017 mit einer Erhöhung um zwei Prozent.
Die Tarifparteien in der Metall- und Elektroindustrie hatten am Freitagmorgen nach einem mehr als 14-stündigen Verhandlungsmarathon einen Durchbruch erzielt. Damit wurde eine Eskalation des Tarifkonflikts kurz vor dem Pfingstwochenende abgewendet. Die IG Metall hatte schon vor Tagen eine Ausweitung des Arbeitskampfes in der kommenden Woche angekündigt, einschließlich der neuartigen Tagesstreiks, falls es bei den Verhandlungen in Köln zu keiner Annäherung kommen sollte. Die Gewerkschaft hatte fünf Prozent mehr Geld innerhalb einer einjährigen Laufzeit gefordert. Die Arbeitgeber hatten für 24 Monate Entgelterhöhungen in zwei Stufen angeboten, die sich auf 2,1 Prozent summieren sollen - plus eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent.
WAM
Lautstark und einheitlich demonstrierten die Arbeitnehmer für eine Lohnerhöhung.
Vertreter der Betriebe und der IG Metall unterstrichen in ihren Redebeiträgen die Forderungen.
