Politik | 22.02.2022, 08:36 Uhr

Gemeinderat Wachtberg gibt die Pläne nicht auf

Geplante Seniorenpflegeeinrichtung auf der Wiesenau bekommt noch einmal eine Chance

Ein Workshop der Kommunalpolitik mit dem Investor Wilfried Hack soll eine für alle Seiten akzeptable Lösung finden - Planungsausschuss hatte das Bauwerk als zu massiv und mit zu wenig Aufenthaltsqualität abgelehnt

Wachtberg. Hat die geplante Seniorenpflegeeinrichtung auf dem Gelände des ehemaligen Hotels und Gasthofs „Wiesenau“ bei Pech noch eine Zukunft? Nachdem der Wachtberger Planungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung noch den Daumen gesenkt hatte, gab der Gemeinderat jetzt dem Projekt doch noch eine Chance zur Verwirklichung. Ein Workshop der Kommunalpolitik mit dem Investor Wilfried Hack von der Firma „Projekta“ aus Prüm soll eine für alle Seiten akzeptable Lösung finden, bis dahin wird das Vorhaben auf Eis gelegt. Dennoch soll die Entwicklung der Fläche als Sondergebiet für Senioren-Wohnen und Pflegeeinrichtungen weiterverfolgt werden, nur eben nicht mit der bisherigen Planung.

Auf dem Gelände des ehemaligen Hotel-Restaurants „Wiesenau“ sollte laut letztem Planungsstand für 15,5 Millionen Euro eine ganzheitliche Seniorenpflegeeinrichtungen entstehen. Dabei sollten 80 stationäre Pflegeplätze, 16 Tagespflegeplätze und 22 Betreute Servicewohnungen mit einer Größe von jeweils 50 bis 80 Quadratmetern entstehen, das ganze in einem einzigen, 85 Meter langen und abgewinkelten Hauptgebäude mit vier Vollgeschossen. Die maximal mögliche Gebäudehöhe sollte 13 Meter betragen. Die Seniorenwohnanlage sollte die gesamte Infrastruktur einer stationären Einrichtung besitzen, alle Bewohnerzimmer als Einzelzimmer mit eigener Nasszelle ausgebildet werden. Zudem plante man mit einer eigenen Großküche samt Cafeteria, die den Hausgästen wie auch externen Besuchern zugänglich sein sollte. Insgesamt wären rund 40 neue Vollzeit- und nochmals etwa 30 bis 40 Teilzeitarbeitsplätze entstanden.

Projekt ist wichtig für die Gemeinde Wachtberg

Doch der Planungsausschuss störte sich vor allem an der Massivität des Gebäudes und an der mangelnden Aufenthaltsqualität im Außenbereich. Daraufhin trafen sich die Fraktionsvorsitzenden mit dem Investor, um zu überlegen, wie es weitergeht. Nun soll gemeinsam in einem Workshop nach einer Lösung gesucht werden, denn das Projekt an sich sei durchaus wichtig für die Gemeinde Wachtberg, waren sich die Fraktionen einig. Schließlich bestehe ein immenser Mangel an Pflegeplätzen, denn langfristig geht man von einem zusätzlichen Bedarf von 219 vollstationären Pflegeplätzen in der Gemeinde Wachtberg bis zum Jahr 2040 aus.

Bürgermeister Jörg Schmidt (CDU) hatte auch schon eine Idee, wie die Kuh vom Eis gebracht werden könnte: Die Freifläche vor dem Hotel Richtung Bad Godesberg könnte in die Planung mit einbezogen werden. Sie gehört bereits dem Investor, war aber bislang für die vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen. Diese müssten dann an einer anderen Stelle realisiert werden. Mit der Hinzunahme der Parzelle 605 gebe es die Möglichkeit, den Baukörper großzügiger und lockerer zu gestalten, hofft man. Allerdings ist dafür das „O.k.“ der Bezirksregierung notwendig, an die daher eine landesplanerische Anfrage gestellt werden muss.

UWG: Heimgesetz sieht Riegelbebauung vor

Gar nicht erst zur Abstimmung kam der Antrag der UWG, die Nutzung des Grundstücks „auf Senioren und nicht auf Pflege“ zu beschränken. „Die Überplanung der Fläche befürworten wir, aber wir würden ein Heim ausschließen wollen“, begründete Angelika Schmidt den Antrag. Das Heimgesetz sehe nämlich ausschließlich eine Riegelbebauung vor, bei betreutem Wohnen hingegen könne man nach ihrer Ansicht kleinteiliger planen. Was im Heimgesetz beschrieben sei, lasse nur einen Bau zu, der mit einem Krankenhaus verglichen werden müsse. Deshalb lehnte ihre Fraktion die Fortführung des Projektes insgesamt ab.

Oliver Henkel (Grüne) hielt entgegen, der Vorschlag der UWG lasse sich nicht verwirklichen. Dieser Investor baue nur Heime, das sei sein Geschäftsmodell. „Wenn wir ein Heim an dieser Stelle ausschließen, wissen wir auf Jahre nicht, was dort hinkommt.“ Ulrich Feyerabend (Unser Wachtberg) erinnerte ebenfalls daran, dass eine Bebauung mit Blockcharakter von der Mehrheit abgelehnt worden sei, wolle aber „die Kuh vom Eis“ haben und jetzt auf einen Konsens im Workshop. Dort könnten die Kommunalpolitiker ihre Wünsche vorbringen, und der Investor müsse dann entscheiden, wie weit er dies verwirklichen wolle.

Bessere Verkehrsanbindung und mehr Klimaschutz

Roswitha Schönwitz (SPD) fand es erfreulich, dass nun doch ein Weg gefunden worden sei, die Wünsche der Kommunalpolitik in die Planungen einzubeziehen. Sie halte ein Heim an gleicher Stelle in Pech mit bezahlbaren Plätzen für die beste Variante, machte aber auch klar, dass die SPD sich Verbesserungen bei der Aufenthaltsqualität, der Verkehrsanbindung und beim Klimaschutz als unabdingbar ansieht. Zudem dürfe der bestehende Reitbetrieb nebenan mit seiner „etablierten Nutzung“ nicht „weggewischt“ werden. Christoph Fiévet (CDU) jedenfalls zeigte sich zuversichtlich, weil man nun ergebnisoffen in neue Beratungen mit neuem Spielraum gehe: „Wir sollten nicht den gleichen Fehler wie vielleicht vor zwei Jahren machen, und uns jetzt schon auf eine Pflegeform festlegen.“

JOST

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Die Ahrtal-Werke legten dem Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler für 2025 eine Jahresbilanz von 85,4 Millionen Euro vor.  Foto: GS
93

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Ahrtal-Werke um die Geschäftsführung mit Dominik Neswadba und Thomas Hoppenz sind weiter auf gutem Kurs. Daher folgte der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler am Montagabend dem Aufsichtsrat des kommunalen Energieversorgers und stimmte dem vorgelegten Jahresabschluss 2025 einstimmig zu. Das Gremium beauftragte Bürgermeister Pascal Rowald, in der Gesellschafterversammlung dem Jahresabschluss der Ahrtal-Werke für das 2025 zuzustimmen und den Aufsichtsrat zu entlasten.

Weiterlesen

Die Einrichtung einer IGS an der Regionalen Schule Brohltal wurde bereits im März vom Kreistag abgelehnt. Jetzt scheiterte auch ein FWG-Antrag auf eine neue neutrale Untersuchung der Schülerzahlen im Kreis Ahrweiler.  Foto: GS
91

Kreis Ahrweiler. Im März hat der Kreistag von Ahrweiler den Antrag der Freien Wähler auf Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) an der Regionalen Schule Brohltal in Niederzissen abgelehnt. Dies unter anderem mit der Begründung des beratenden „biRegio“-Planungsbüros in schulpolitischen Entscheidungen, dass „eine „IGS Niederzissen die IGS Remagen empfindlich tangieren würde“.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Dauerauftrag
Bestellung Nr.: 4300003040-W100-606  / Kampagne Rheinschiene, KW 30-51
Imageanzeige
Martinsmarkt Adenau
Sessionseröffnung der KG Ringener Wendböggele, 14.11.26
Kleiderstube
Traueranzeige Wolfgang Kruft
Zählerablesung 50% Rabatt
Weitere Artikel
Symbolbild.
1498

Astrologische Vorschau für die KW 46: Gesundheit, Liebe und Erfolg im Fokus bei den Sternzeichen

Sterne im Blick: Horoskop für die Woche 9. bis 15. November 2026 - Zwischen neuen Chancen und unerwarteten Herausforderungen

Die zweite Novemberwoche bringt Bewegung in den Alltag der zwölf Sternzeichen. Während sich in manchen Lebensbereichen neue Möglichkeiten eröffnen, können an anderer Stelle Spannungen und kleine Rückschläge für Unruhe sorgen. Besonders in der Liebe sind Offenheit und Geduld gefragt. Auch beruflich gilt es, Chancen zu erkennen, ohne vorschnell Entscheidungen zu treffen. Gesundheitlich rückt die Balance zwischen Aktivität und Erholung stärker in den Mittelpunkt.

Weiterlesen

Symbolbild
18012

A61 ab November mit Einschränkungen

Ab dem 09.11.: Einspurige A61 - Fahrzeit einplanen

Sinzig. Die Niederlassung West der Autobahn GmbH des Bundes plant umfangreiche Gehölzpflegearbeiten auf der A61 zwischen dem Autobahndreieck Sinzig und der Anschlussstelle Niederzissen in Richtung Koblenz/Ludwigshafen.

Weiterlesen

Symbolbild.
845

Der Hinweis eines Energieversorgers führte die Ermittler zur Cannabisplantage

Bad Breisig: Illegaler Cannabisanbau in ehemaliger Glasfabrik

Bad Breisig. In einem leerstehenden Industriegebäude im Bad Breisiger Gewerbegebiet „Goldene Meile“, der ehemaligen Glasfabrik, haben Ermittler eine professionell betriebene Cannabisplantage entdeckt. Die Kriminalinspektion Mayen führte die Durchsuchung am Mittwoch, 28. Oktober, durch. Das Polizeipräsidium Koblenz bestätigte den Einsatz.

Weiterlesen