Lamya Kaddor berichtete im Remagener Jugendbahnhof über Salafismus und seine Folgen
Gesellschaft und islamische Gemeinschaften müssen jetzt handeln
Remagen. Salafistische Extremisten innerhalb des Islam sind auf dem Vormarsch, auch in Deutschland.
Besserer Unterricht gefordert
Wer nicht in das Weltbild dieses extremistischen Religionsbildes passt, das ein Leben wie zu Zeiten des islamischen Propheten Muhammad zu Anfang des 7. Jahrhunderts fordert, wird als Feind betrachtet. Mehr noch als Christen oder Juden werden die eigenen Religionsbrüder und -schwestern angegriffen, die sich diesem „steinzeitlichen“ Islambild nicht unterwerfen wollen. Extremste Form des Salafismus ist der Dschihadismus, der den Krieg gegen alle Menschen propagiert, die sich dem eigenen Islambild der Salafisten nicht anschließen wollen. Einige Hundert Salafisten aus Deutschland kämpfen bereits in Syrien oder dem Irak, darunter sogar eine Reihe Jugendlicher. Gegen Salafisten und ihre Propaganda müsse der islamische Religionsunterricht in der Schule für muslimische Kinder ausgeweitet werden. Ebenso sei ein deutlich verbesserter Unterricht in religiösen Fragen innerhalb der islamischen Gemeinden in Deutschland notwendig, so die zentralen Forderungen von Lamya Kaddor. Die bekannte Islamwissenschaftlerin und Religionslehrerin forderte in ihrem Vortrag im Remagener Jugendbahnhof aber auch mit Blick auf den deutschen Staat und die Gesellschaft wie innerhalb der Familien selbst mehr Engagement gegen die salafistischen Kreise.
Frust in der Schule und fehlende Geborgenheit
Bei dem engagierten Vortrag wie auch in ihrem Buch: „Zum Töten bereit. Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen“, im Jugendbahnhof ging es zentral um die Frage, warum gerade auch Jugendliche aus Deutschland in den Dschihad, den „Heiligen Krieg“ ziehen und dabei sogar zu wahllosem Töten andersdenkender Menschen bereit sind. Sogar aus ihrem Umfeld, so die Referentin, seien einige Jugendliche in den Krieg gezogen. Entsprechend beschäftigte sich Lamya Kaddor mit den Ursachen für das Abdriften von Jugendlichen in den islamischen Terrorismus. Frustration in Schule oder fehlende Geborgenheit in der Familie kann einerseits zu Aggression gegenüber den Mitmenschen, zu Drogenmissbrauch oder Kriminalität wie Diebstahl, Raubüberfall oder Körperverletzung führen. Treffen diese Kinder oder Jugendliche auf einen geschickt vorgehenden Salafisten, kann ein vermeintlicher „Retter“effekt eintreten. Die Jugendlichen würden scheinbar verständnisvoll umgarnt und langsam, aber sicher von ihrer Umwelt isoliert. Am Ende würden sie, ähnlich wie in anderen religiösen Sekten, ihre Umwelt als Feind betrachten und auf Anordnung ihrer Verführer bereit sein, diese scheinbar böse Umwelt zu vernichten, sprich Menschen zu enthaupten oder sogar als Selbstmordattentäter Menschen massenweise wahllos umzubringen.
Das Gespräch mit den Betroffenen suchen
Wichtig sei daher, so Lamya Kaddor, frühzeitig in Familie und aus dem sozialen Umfeld darauf zu reagieren, wenn sich Jugendliche auf einmal von ihren bisherigen Freunden und Verwandten absonderten und in Kreisen der Salafisten landeten. Wichtig sei es in einem solchen Fall, mit den betroffenen Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Hierfür böten inzwischen eine Reihe von Organisationen ihre Unterstützung an, so der „Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe - Migrationsarbeit“ in Bochum oder die „Beratungsstelle KOMPASS - Toleranz statt Extremismus“ oder das „Violence Prevention Network e. V.“ in Berlin.
Anlaufstelle für Betroffene
Eine wichtige Kontaktadresse ist auch die „Beratungsstelle Radikalisierung“, die seit 2012 im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eingerichtet ist. Sie ist eine erste Anlaufstelle, um Angehörigen und Freunden von sich radikalisierenden Jugendlichen Fragen zum Thema Islamismus und Radikalisierung zu beantworten. Von dort werden bei Bedarf konkrete Beratungsangebote vor Ort vermittelt und eine individuelle persönliche Unterstützung durch zivilgesellschaftliche Experten angeboten. Im Namen des Publikums dankte Jugendbahnhof-Leiterin Britta Jelken der Referentin für ihre informativen und engagierten Ausführungen. Das Interesse an dem Thema ist auch ausgedrückt durch die Vielzahl der Veranstalter, zu denen neben dem Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung, Remagen, auch die Kulturförderung des Kreises Ahrweiler, die Jugendarbeit der Stadt Remagen sowie der Politische Arbeitskreis Schulen (PAS) in Bonn gehörten.
Pressemitteilung
Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung e.V. Remagen
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