Bürgermeister Herbert Georgi besucht „Sommerschule“
Gestochen scharfe Bilder aus dem All
Radarwissenschaftler des Fraunhofer-Instituts informieren Experten aus aller Welt
Remagen-Rolandseck. Radar, das sind die rotierenden Geräte an Flughäfen und auf Schiffen. Das stimmt. Aber Radar ist so viel mehr. Mit dieser Technik lassen sich aus dem Weltall gestochen scharfe Bilder der Erdoberfläche machen, selbst Aufnahmen von Wasserflüssen unter der Oberfläche sind möglich, Radar und verwandte Hochfrequenzsysteme werden bei Lebensmittelkontrollen eingesetzt ebenso wie bei kompliziertesten Weltraumunternehmungen, bei Schaltungen im Millimeter- und Mikrowellenbereich sind diese Techniken unersetzbar, die Liste ließe sich beliebig erweitern. In vielen alltäglichen Funktionen und Abläufen arbeiten die Radargeräte für die meisten Bürger unsichtbar und helfen im Alltag. Das erfuhren am Montagnachmittag Remagens Bürgermeister Herbert Georgi und Wirtschaftsförderer Marc Bors bei einem Besuch der „Sommerschule“ zur Radarwissenschaft im Haus Humboldstein. Nun schon zum fünften Mal führte dort das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR) dieses Symposion für ausgesuchte Wissenschaftler aus allen Kontinenten durch. Genauso kompliziert, wie der Institutsname ist für den Laien der Stoff dieser „Sommerschule“. Für die „Schüler“, ausschließlich Fachleute, in der Regel Doktoranden, sind die Themen tägliches Brot. Ebenso für die Referenten, Professor Dr.-Ing. Joachim Ender vom Institut wirkte da ebenso wie Peter Rosen (NASA/USA), Pierfrancesco Lombardo (Uni Rom), Prof. Alexander Yarovoy (Delft Technik University/Niederlande), Dr. Christoph Gierull (DRCD/Kanada), Dr. G. Fornaro (IREA/Italien), Prof. M. Lesturgie (ONERA/Frankreich), Prof. Dirk Heberling (RWTH/Aachen) und Dr. Matthias Weiß (Frauenhofer FHR). Außerdem wirkten mit Professor Jens Bongartz und Dipl.-Volkswirt Jens Fiege. Eine Kurzfassung der Ziele der „Sommerschule“ skizzierte Professor Ender dem Bürgermeister und seinem Wirtschaftsförderer. Dass man Remagen-Rolandseck für die internationale Konferenz ausgesucht habe, sei auch der wunderschönen Landschaft geschuldet, der optimalen Lage und Ausstattung des Hauses Humboldstein, der hervorragenden Anbindung der Örtlichkeit.
Aber die Hauptursache sei natürlich, dass das Fraunhofer-Institut als eines der größten Radarforschungsinstitute seinen Sitz in Wachtberg habe und sein Anwendungszentrum im Rhein-Ahr-Campus in Remagen. Bisher nur mit wenigen Mitarbeitern, aber das könne ausgeweitet werden, meinten Ender und Bongartz. Georgi und Bors hörten es gerne. Das FHR bringe Arbeitsplätze, sei aber schon wichtig als Imageträger und internationaler Werbefaktor für die Stadt. „Wenn die Wissenschaftler zu Hause sind, erzählen sie von Remagen, vom Rheintal, von den Schönheiten der Region. Vielleicht kommen sie dann irgendwann wieder, ermuntern auch andere“, hoffte der Bürgermeister. Institutsleiter Ender betonte, einige „Schüler“ seien inzwischen auch als Mitarbeiter zurückgekehrt, in den Seminaren sei die Lehre auch keine Einbahnstraße: „Wir bilden aus und lernen ebenso von den hoch qualifizierten Teilnehmern.“ Damit es nicht nur wissenschaftlich zugeht, sondern die Gäste aus aller Welt auch etwas mehr sehen als Schulungsräume und den herrlichen Blick weit über den Rhein, hat das Institut für diese Woche ein umfangreiches Programm zusammengestellt mit Besuchen in Bonn und Köln, mit Radtour am Rhein, Weinprobe und kulinarischem Ausflug zum Rolandsbogen. Ansonsten wird intensiv „gepaukt“. Und einige der 47 Teilnehmer (mehr als 100 hatten sich beworben) berichteten von Anwendungen der Radartechnik, die sich ein Laie gar nicht vorstellen kann. So lebt eine Deutsche in Brasilien, reitet mit dem Pferd zu den Forschungsstellen in unwegsamem Gelände, wo Höhenuntersuchungen laufen. Von Satelliten wird der Feuchtigkeitsgehalt der Erde gemessen, ein finnischer Wissenschaftler lebt nördlich des Polarkreises; so hat er in wochenlanger Dunkelheit viel Zeit für sein Fach, er forscht über den Schnee, seine Dichte und Höhe. Natürlich per Radar. Ein Schlagwort seiner „Zunft“ nannte Professor Ender am Ende seiner Ausführungen: „Alle reden von Regenwäldern - wir stellen sie dar.“
Das Fraunhofer-Institut in Wachtberg ist von weit her durch die Kugel zu sehen, von hier erforschen Wissenschaftler das Weltall.
