Lob für Neuwied vom Leiter des Instituts für Sozialpädagogische Forschung Mainz
Gute Noten für das Jugendamt des Kreises
Landrat Achim Hallerbach betont präventiven Ansatz
Kreis Neuwied. Viel Präventionsarbeit und keine Ausreißer bei den Zahlen: Heinz Müller, Geschäftsführer des Instituts für Sozialpädagogische Forschung (ISM) in Mainz, sieht das Jugendamt des Kreises Neuwied auf gutem Weg. Das machte er in seinem Vortrag bei jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses deutlich. Landrat Achim Hallerbach lobte die engagierte und qualitative Arbeit des Kreisjugendamtes und dankte insbesondere dem Leitungsteam von Jugendamtsleiter Jürgen Ulrich und seinem Stellvertreter Uwe Kukla. „Jeder neue Tag bedeutet im Jugendamt auch neue Herausforderungen inhaltlicher Art, aber auch personeller“, sagte er. Bestätigt sieht sich der Landrat bei der vor gut zehn Jahren eingeführten Strategie: „Prävention, Intervention und Kommunikation“. Hierdurch könne man Kindern, Jugendlichen und Familien sehr frühzeitig mit niederschwelligen Angeboten helfen. „Je früher wir den Familien Unterstützung anbieten, desto seltener müssen wir aufwendigere Verfahren einleiten,“ betont Landrat Achim Hallerbach.
Das Kreisjugendamt nimmt seit Jahren an dem landesweiten Projekt „Qualitätsentwicklung durch Berichtswesen“ teil. In dessen Rahmen werden landesweit die aktuellen Entwicklungen bei den Leistungen der Jugendhilfe untersucht. In seinem Bericht führte Heinz Müller zunächst aus, dass die Jugendämter zurzeit mit einer Vielzahl von Baustellen konfrontiert sind. Dazu gehören insbesondere die Umsetzung des Kita-Zukunftsgesetzes, die Reformen des Kinder- und Jugendhilferechts, des Vormundschaftsrechts, des Adoptionsrechts sowie die bevorstehende Umsetzung einer Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Eine besondere Belastung stellt dabei der Fachkräftemangel dar, der sich auch in den Jugendämtern immer stärker bemerkbar macht.
Erstmals seit 2015 ist landesweit ein Rückgang der Fallzahlen bei den Hilfen zur Erziehung zu beobachten. Dies entspricht auch der Entwicklung im Landkreis Neuwied. 892 laufende Hilfen sind etwas weniger als zuvor erfasst. Bei den gewährten Hilfen liegt das Kreisjugendamt Neuwied leicht über dem Mittel, bei den ambulanten Hilfen im Durchschnitt der Landkreise. Landrat Achim Hallerbach wies darauf hin, dass der Kreis Neuwied traditionell einen starken Fokus auf die präventive Arbeit legt und versucht, die Kinder frühzeitig in ihren Familien zu unterstützen. Daher ist der Anteil der ambulanten Hilfen beim Kreisjugendamt Neuwied deutlich höher als der der stationären Heimunterbringungen. Noch Nachholbedarf sah Heinz Müller bei der Unterbringung von Kindern in Pflegefamilien. Hier wies Jürgen Ulrich als Leiter des Kreis-Jugendamtes darauf hin, dass in seinem Bezirk aktuell überproportional viele Kinder von anderen Jugendämter in Pflegestellen untergebracht sind. Das mache es zunehmend schwieriger, geeignete Pflegefamilien zu finden.
Landesweit sind die Aufwendungen für Hilfen zur Erziehung seit 2005 konstant gestiegen auf mittlerweile 501 Millionen Euro im Jahre 2020. Der Landkreis Neuwied liegt dabei bei den Pro-Kopf-Ausgaben der Hilfen zur Erziehung noch unter dem Mittel der Jugendämter in Rheinland-Pfalz. Ebenfalls ist landesweit ein starker Anstieg an den Hilfen für behinderte junge Menschen (Eingliederungshilfe) zu verzeichnen. Bei den Bruttoausgaben für die Eingliederungshilfe für seelisch behinderter Minderjährige liegt dabei das Kreisjugendamt noch unter dem Mittel der Landkreise in Rheinland-Pfalz.
Ein besonderes Augenmerk gilt regelmäßig den Fallzahlen im Kinderschutz. Bei den Meldungen von Kindeswohlgefährdungen sind die Zahlen konstant, der Kreisjugendamtsbezirk liegt aber weiterhin deutlich über dem Schnitt der rheinland-pfälzischen Landkreise. 2020 überprüften die Mitarbeiter in den sieben Verbandsgemeinden ähnlich viele Hinweise auf Kindeswohlgefährdung wie 2019. „Das macht deutlich, dass das Jugendamt des Kreises auch während der Coronapandemie uneingeschränkt seinen Aufgaben nachgekommen ist“, machte Müller deutlich. Er wies außerdem darauf hin, dass entgegen landläufiger Annahmen die meisten Hinweise nicht aus der Schule oder Kita, sondern von den Strafverfolgungsbehörden (Justiz, Polizei), Nachbarn oder anonymen Meldern kommen. Befürchtungen, dass die Zahlen wegen der Corona-Schließungen verfälscht und in Wirklichkeit noch viel höher sein könnten, dürften folglich unbegründet sein.
Wichtig erschien Heinz Müller auch noch einmal der Zusammenhang zwischen der Inanspruchnahme von Leistungen der Jugendhilfe und vorangegangenen Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung. „In rund zwei Dritteln der Fälle sind Hinweise auf Kindeswohlgefährdung zunächst einmal Hinweise auf eine Bedarfslage in den jeweiligen Familien, die zur Einleitung entsprechender Hilfen für die betroffenen Kinder und Familien führen“, machte auch Landrat Achim Hallerbach deutlich.
Mit einem abschließenden Blick auf die Zukunft wies Heinz Müller auf viele Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung der Jugendhilfe hin. Dazu gehören unter anderem die Entwicklung neuer Konzepte für Kitas und eine schulbezogene Kinder- und Jugendhilfe, aber auch spezifische Ansätze für bestimmte Zielgruppen. Das Kreisjugendamt nimmt beispielsweise an einem Modellprojekt für die Unterstützung von Kindern psychisch kranker Eltern teil. „Aus der Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes ergeben sich viele umfangreiche Handlungsbedarfe, die durch die Jugendämter in den nächsten Jahren zu schultern sind. Das Kreisjugendamt Neuwied ist hierfür aber gut aufgestellt“, bilanzierte Müller.
Pressemitteilung
Kreisverwaltung Neuwied
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