Sperrung der Straße am Kripper Wasserturm sorgt für Verärgerung
Herabfallende Teile stellen Gefahr dar
Remagener Ordnungsamt ordnete Maßnahmen zur Sicherung des umliegenden Geländes an
Kripp. Verärgert sind derzeit Anwohner der Weinbergstraße in Kripp. Vom Kripper Wahrzeichen, dem Wasserturm, der auf einem rund 350 Quadratmeter großen Grundstück steht, fielen vor gut 14 Tagen Betonteile herab. Wie Bauamtsleiter Gisbert Bachem mitteilte, wurden das Ordnungsamt und die Feuerwehr sofort tätig und sperrten das Gelände wegen der Gefahr durch herabfallende Teile großflächig ab. Sehr zum Unmut der Anwohner der Weinbergstraße, die ihre Häuser nun nur über einen Feldweg (hinter der Weinbergstraße in Richtung Sinzig) erreichen können. Besonders ärgerlich für die Anwohner ist natürlich auch, dass sie sich auf ihrem Umweg auch nochh von Radfahrern und Fußgängern beschimpfen lassen müssen.
Wie Gisbert Bachem auf Anfrage weiter mitteilte, ist die Kreisverwaltung als Bauaufsichtsbehörde inzwischen ebenfalls tätig geworden und hat dem Eigentümer eine Verfügung zukommen lassen. Im Moment bleibe abzuwarten, ob der Eigentümer tätig werde. Werde er das nicht, werde die Kreisbaubehörde eine Ersatzvornahme betreiben. „Vermutlich würde dann der obere Betonring, von dem die Steine herabfallen, komplett abgetragen. Die Kosten müssen dann vom Eigentümer getragen werden“, so Bachem. Wie lange die Sperrung noch andauern muss, bleibt also abzuwarten.
Ein Bauwerk mit Geschichte
Die Geburtsstunde des Kripper Wasserturms schlug, als die Kripper um die Jahrhundertwende beschlossen, ihre hygienisch nicht immer einwandfreien Dorfbrunnen durch eine zentrale kommunale Trinkwasserversorgung zu ersetzen. Nachdem strenge Bestimmungen zur Verbesserung von Hygiene und Versorgungssicherheit erlassen worden waren, beschäftigten sich die zuständigen Behörden ab etwa 1900 mit dem Gedanken, Kripp von einer zentralen Stelle aus über ein Netz aus Wasserleitungen zu versorgen. „Ein kombiniertes System aus Pumpanlage, Wasserwerk, Hochdruck-Reservoir und Leitungssystem sollte entstehen“, heißt es dazu in einem Beitrag, den Willy Weis, von April 1991 bis März 1999 Vorsitzender des Kripper Bürger- und Heimatvereins, und seine Lebensgefährtin Hildegard Funk für das 1995er Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler schrieben. Von 1904 an wurden diese Pläne in die Tat umgesetzt. In diesem Jahr wurde an der höchstgelegenen Stelle von Kripp, in der Weinbergstraße, der Wasserturm erbaut. Er hat einen äußeren Sockeldurchmesser von 7,50 Metern und verjüngt sich nach 20 Metern konisch zulaufend auf fünf Meter. Bis 1988 gab es noch eine Turmspitze aus einer Stahlkonstruktion mit seitlichen Lamellen.
Die musste aber wegen ihres schlechten Zustands aus Sicherheitsgründen im Wege einer Ersatzvornahme durch die Kreisverwaltung entfernt werden, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten. Die Spitze lag zunächst auf dem Gelände des städtischen Bauhofs in Remagen und rostete still vor sich hin, bis sie im April 1994 verschrottet wurde.
Ab 1907 übernahm die Stadt Remagen die Wasserförderung und -versorgung in Kripp. Nachdem der Turm fertiggestellt war, wurde die umliegende Gegend zum Wasserschutzgebiet erklärt. Der Wasserturm half 70 Jahre lang mittels eines dauerhart geregelten Wasserdrucks, das Wasser über die Verteilungsanlage in die Kripper Stuben zu transportieren. Von den Krippern zum Wahrzeichen ernannt, prägt er mit seinen annähernd 35 Metern, in unmittelbarer Nähe des Kirchturms stehend, die Dorfsilhouette. Längst ist er in vielen Kripper Wappen und Fahnen zu finden.
Das Dorfjuwel verlor Mitte der 70er-Jahre durch den Einsatz moderner Methoden seine eigentliche Funktion. Wegen stark gestiegenen Wasserverbrauchs konnte er den Bedarf nicht mehr decken und wurde durch die neue Pumpstation „Im Sand“ abgelöst. Von da an diente er der Freiwilligen Feuerwehr Kripp als Gerätehaus und dem RWE als Trafostation. Der Abriss wurde erwogen, als die Feuerwehr ein eigenes modernes Gerätehaus baute und das RWE in die neue Trafostation umzog. Aber Kripper Bürger liefen gegen das Abrissvorhaben Sturm - und konnten sich durchsetzen.
So wurde der Turm 1980 von der Stadt Remagen für 65.000 Mark an den Kölner Architektur-Professor Herbert Tabeling verkauft. Seit dem Eigentümer-Wechsel wurde der 1995 unter Denkmalschutz gestellte Turm mehrmals instand gesetzt. Tabelings Pläne, den Turmkopf als Wohnung auszubauen, scheiterten jedoch am Veto von Nachbarn, die aufgrund direkter Nähe zum Turm gefragt werden mussten. Dies bestätigte auch Bauamtsleiter Bachem. Die Arbeiten zum Abriss des Turmkopfs begannen im Januar 2003.
Von der maroden Turmspitze fielen in der jüngsten Zeit größere Betonteile herab.
