Politik | 30.03.2021, 10:50 Uhr

Fraktion Unser Wachtberg

Im Zickzackkurs vom Wege abgekommen

Radwegeplanung und „Wald“-Rodung werfen Fragen an die Verwaltung auf

Gemeinde Wachtberg. Der Ablauf der im verwirrenden Zickzack verlaufenden Planungen zum Radweg hinter Gut Holzem weist nach dem Eindruck der Wählergemeinschaft Unser Wachtberg auf eine beeindruckende, aber zugleich drängende Fragen aufwerfende Wendigkeit hin.

„So sehr wir die Bereitschaft und Fähigkeit der Verwaltung schätzen, neue Erkenntnisse in neue Überlegungen umzusetzen, so verblüffend sind die einzelnen Kehrtwendungen, die uns innerhalb kurzer Zeit zu diesem in der Sache begrüßenswerten Vorhaben präsentiert wurden“, so der Fraktionsvorsitzende der Wählergemeinschaft Unser Wachtberg, Ulrich Feyerabend. Ob sich dahinter Verwaltungshandeln nach dem Motto „Fahren auf Sicht“ oder eine veritable Salamitaktik verberge, sei derzeit nicht abzusehen. Zu überraschend und in sich absolut widersprüchlich seien die Feststellungen der Verwaltung in den vergangenen Wochen zu den umweltrechtlich und baulich zu beachtenden Aspekten ebenso wie zur künftigen Nutzung des bisherigen Fußweges gewesen, so Feyerabend.

„Was auf Nachfrage gestern noch als reiner Radweg mit 2,50 Meter Breite proklamiert wurde, entpuppt sich neuerdings in einer Vorlage für den Infrastrukturausschuss als von der „Landwirtschaft“ inspirierter Neubau eines Wirtschaftsweges mit 3 Meter Breite auf einem entsprechend tragfähigen, 80 Zentimeter tiefen Unterbau. Damit solle die Anbindung der landwirtschaftlich genutzten Grundstücke entlang des gesamten Wegeabschnitts ermöglicht werden, so der Wortlaut der Vorlage, die offenlässt, wann es zu diesem Vorschlag der Landwirtschaft erstmalig gekommen ist.

Natürlich begrüßt Unser Wachtberg sinnvolle Synergien, aber es mutet schon seltsam an, wenn auf einen notwendigen Radweg urplötzlich ein offensichtlich seit Generationen nicht notwendiger landwirtschaftlicher Weg aufgesattelt wird. So scheinbar überraschend dieser Gedankenblitz bei den gemeindlichen Infrastruktur- und Wegeplanern offensichtlich eingeschlagen ist, so seltsam mutet unter diesen Vorzeichen der Wechsel von einer ursprünglich als alternativlos dargestellten Asphaltdecke für den Weg auf eine nun wassergebundene Oberschicht an. Diese Lösung war von Unser Wachtberg schon früh in offensichtlicher Übereinstimmung mit den von der Gemeinde jetzt nachträglich bei der Befragung der amtlichen Natur- und Umweltschützer zur Schonung des benachbarten Wäldchens gefordert worden – allerdings auf einem leichteren Unterbau bei einer schmaleren Ausführung, so wie sie für einen Radweg ausreichen.

Neben der grundlegenden Frage der Eignung der Wachtberger Feldwege für die immer größer, breiter und schwerer werden landwirtschaftlichen Fahrzeuge, was längst als eigenes Thema zu behandeln wäre, stellen sich nach Ansicht von Unser Wachtberg aber auch drängende Fragen hinsichtlich der mit dem Radwegebau erfolgten Abholzung eines kompletten Wäldchens mit 143 Pappeln. So selbstverständlich es ist, den neuen Radweg für die Benutzer verkehrssicher zu machen, so überrascht die Fällung des gesamten Baumbestandes, die eher an eine Holzernte erinnert als an eine zielführende Verkehrssicherung.

War zunächst im Januar noch davon die Rede, es müssten nur einzelne Bäume „entnommen“ werden, ging es Anfang Februar nur noch um die Rodung des gesamten Baumbestands. Die komplette Rodung des „Wäldchens“ erscheint weder erforderlich noch angemessen, so Unser Wachtberg, zumal ein von der Verwaltung bestellter Gutachter noch im Mai 2020 zu dem Schluss kam, bei 53 Bäumen mit Stammumfängen bis zu 240 Zentimeter verlaufe der Radweg weder im Bereich der Kronen noch würde durch die Bauarbeiten Wurzelwerk geschädigt.

Merkwürdig auch die angekündigte Übernahme der Kosten von rund 30.000 Euro für die Fällaktion sowie weiterer Kosten für die ausgleichende Nachpflanzung durch die Gemeinde, sollte dies von der Gemeinde weiter verfolgt werden. Denn die Verantwortung für die Sicherheit der Bäume trifft den Eigentümer des Grundstücks, dies auch mit Blick auf den auch schon jetzt vorhandenen öffentlichen Weg. Die wohl erst im Zuge der Radwegeplanung aufgefallenen Gefahrensituation hätte dieser möglicherweise schon früher beseitigen müssen, in jedem Fall aber mit dem Ausbau des Radweges.

Angesichts der vielen offenen Fragen, zu denen auch die noch ausstehende Genehmigung des Amtes für Umweltschutz und Naturschutzes gehört, erscheint es Unser Wachtberg geboten, vor weiteren Beschlüssen alle offenen Fragen umfassend zu klären.

Pressemitteilung der

Fraktion Unser Wachtberg

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