Politik | 10.08.2021, 12:05 Uhr

Parents for Future sehen Silberstreifen am Horizont

Immerhin eine Partei will die Bürger beim Klimaschutz einbinden

Wachtberg. Zur Vorbereitung der Diskussion um einen „Runden Tisch: Klimaneutralität 2035“, wie er in anderen Städten und Gemeinden seit langem schon gang und gäbe ist, wandten sich Wachtberger Parents mit einem schlüssigen Konzept wiederholt an alle Fraktionen und den Bürgermeister. Die Ratskoalition aus traditionell abwartender CDU und auf konservatives Mittelmaß eingeschwenkten Grünen hat sich bisher trotz Erinnerung nicht dazu geäußert. Die Grünen verwahrten sich zudem vor Bürgereinmischungen und betonten in einer Einlassung auf ihrer Homepage lieber ganz ohne Bürger bleiben zu wollen, was in der Bevölkerung für einigermaßen Unverständnis sorgte. BLICK aktuell berichtete in einer seiner letzten Ausgabe darüber.

Haben die Grünen ein Monopol auf absolute Weisheit?

Ein Zitat aus der Grünen-Homepage lautet: „Eine groß angelegte Diskussionsrunde und die Etablierung von zusätzlichen Gremien bindet zu viel Energie und sie kostet vor allem Zeit. Wir wissen doch jetzt schon, welche Maßnahmen helfen.“ Für die Parents schwingt in solchen Äußerungen ein gewisser Hochmut gegenüber den Bürger*innen mit, die sich hinsichtlich des Klimaschutzes nachvollziehbare Sorgen machen. Die Flutkatastrophen im Ahrtal und anderswo sind eindeutige Zeichen, dass dringender Handlungsbedarf besteht. „Wer meint, als Alleinstellungsmerkmal ein Monopol auf die Weisheit zu haben, vertieft die Gräben zwischen sich und den Bürgern“ kommentieren die Wachtberger Parents derartige Einlassungen.

Sind die Zeiten vorbei, als die Grünen sich den Bürgern und Initiativen verbunden sahen? Unterliegen sie dem Machtstreben und vergessen ihre Wähler*innen und ihre ursprüngliche Basis? Wo ist der grüne „Stallgeruch“ der Wachtberger Fraktion? Wer weiter verkündet, bereits alle Maßnahmen zu kennen und andere Ideen und Vorgaben kategorisch ausschließt, sollte sich überlegen, ob das dem Wählervotum der letzten Kommunalwahl entspricht. Lediglich drei oder vier Bushaltestellen mit begrünten Dächern zu versehen, aber versiegelte Steinwüsten, wie den Vorplatz des Henseler Hofs bis zur letzten Sekunde zu verteidigen oder bestehende Schottergärten schulterzuckend hinzunehmen, ist nicht das, was sich die mittlerweile tief enttäuschten Grün-Wähler unter grüner Kommunalpolitik vorgestellt hatten. Heilt die Zeit die Wunden? Möglich: Ein Ratsmitglied hat bereits die Ratsfraktion der Grünen verlassen.

Auch der Koalitionspartner CDU, so ist der Eindruck, kümmert sich nicht um die zivilgesellschaftlichen Anregungen und Bedenken, die aus der Mitte der Bürgerschaft vorgetragen werden. Wortlos wird den Grünen das Feld für Eigendarstellungen überlassen.

Nur die Wachtberger SPD öffnet sich den Bürgern

Aber es gibt doch Hoffnung. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Wachtberger Rat antwortete jetzt als einziger Kommunalpolitiker, den Wunsch der Parents nach mehr Bürgerbeteiligung im Klimaschutz aufzugreifen. Ein sinnvoller Schritt wäre demnach eine Auftaktveranstaltung mit allen interessierten Parteien, um allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich umfänglich über Auswirkungen des Klimawandels in Wachtberg und notwendige Maßnahmen zu Erreichung der CO2-Neutralität bis 2035 zu informieren.

Die SPD weist aber auch darauf hin, dass die Unterstützung für einen von den Bürger*innen mitgetragenen Klimaschutz in der Wachtberger Politik gegen null tendiert und die Zivilgesellschaft leider –wohl anstelle der Politik - selbst aktiv werden muss. Dieser Aufgabe nehmen sich die Parents nun an: Noch in diesem Jahr werden sie die Vorbereitungen für einen „Runden Tisch klimaneutrales Wachtberg 2035“ beginnen , wozu alle interessierten Bürger*innen und Organisationen eingeladen werden. Nach der Sommerpause sollen die Eckpunkte der Veranstaltung konkretisiert werden. Die Parents für Future, die der weltweiten „For-Future-Bewegung“ aktiv angehören, bitten alle Bürger*innen, die am Klimaschutz interessiert sind, sich über die E-Mail info@parents-wachtberg.de an die Wachtberger Zentrale zu wenden.

Wenn es nicht so unendlich traurig wäre, würde sich der Vergleich aufdrängen: Tausende Helfer aus der Bevölkerung nehme es im Ahrtal selber in die Hand, packen an, die Klamotten voller Dreck, die Stiefel schlammverschmiert und am Ende ihre Kräfte: Aber es geht weiter, sie sind da und helfen, das Geschehene zu verstehen und die Zukunft im Sinne der Natur wieder aufzubauen.

Und warum?

Weil ihnen klar ist, dass die Gesellschaft nur zusammen das Ziel erreichen kann.

Politiker in sauberem Schuhwerk in abgedunkelten Limousinen und mit auswechselbaren Reden wirken dagegen eher deplatziert.

Und Wachtberg, quo vadis?

Pressemitteilung

Parents for Future Wachtberg

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