Die flutbetroffenen Ortsteile der Kreisstadt bestimmen die Berichterstattung in den Medien - doch wie ist es in der letzten Jahren den anderen Ortsteilen ergangen?
In Gimmigen stimmt der Zusammenhalt
Gimmigen. Mehr als zweieinhalb Jahre ist es her, dass der Kreis Ahrweiler von einer Katastrophe bisher nicht gekannten Ausmaßes heimgesucht wurde. Die Flut sorgte für ein großes Medieninteresse, regional, aber auch national und international. Bad Neuenahr-Ahrweiler steht dabei häufig im Mittelpunkt der Berichterstattung, das gilt für die Kernstadt, aber auch für die vom Hochwasser betroffenen Stadtteile. Auch der kommunalpolitische Alltag ist seit dem 15. Juli 2021 vom Wiederaufbau geprägt. Doch wie sieht es in den vom Hochwasser verschonten Ortsteilen aus? Ist dort die Zeit stehen geblieben? Stephan Hübinger kann diese Frage verneinen. Stephan Hübinger ist Ortsvorsteher von Gimmigen und sagt: „Die Stadt hat sich auch nach der Flut für die Belange von Gimmigen eingesetzt“. Viele geplante Projekte wurden umgesetzt. Ein Beispiel ist die Verlegung von Glasfaserkabeln. Inzwischen habe jeder, der es wolle, schnelles Internet bis vor die Haustür, sagt der CDU-Ortsvorsteher.
Solidarität mit der Kreisstadt
Natürlich mussten einige Projekte wegen der Flut verschoben werden. Ein Beispiel ist der geplante Lückenschluss des Radweges zwischen dem Ende des Radweges in Gimmigen und Kirchdaun. Diese Maßnahme ist jedoch Bestandteil des Radwegekonzeptes für die Kreisstadt, so dass das Projekt in Zukunft umgesetzt wird. „Aus Solidarität wollten wir in der Zeit nach der Flut auch keine weiteren Projekte anschieben“, erklärt Stephan Hübinger. Ideen gäbe es aber allemal. Aktuell sei die Idee im Gespräch, auf dem Bolzplatz auch eine Boulebahn zu errichten. Und auch beim Thema Hochwasserschutz gäbe es noch Verbesserungsbedarf. „Wenn es in der Grafschaft und in Wachtberg viel regnet, bekommen wir das zu spüren“, weiß Hübinger. Zuletzt war im Juni 2016 der Gimmiger Bach nach einem Starkregenereignis in der Grafschaft über die Ufer getreten und hatte Schäden im Ort hinterlassen.
Hohe Lebensqualität im Ort
Grundsätzlich attestiert Stephan Hübinger Gimmigen als Wohnort eine hohe Lebensqualität. Insgesamt leben hier 765 Menschen und die Einwohnerstatistik ist weiterhin steigend. Gerade die Menschen vor Ort machen Gimmigen so lebenswert, so Stephan Hübinger. Der Zusammenhalt im Dorf sei groß. „Vor kurzem haben wir einen Seniorentag organisiert, für den wir Helfer gebraucht haben“, erzählt der Ortsvorsteher. „Innerhalb kürzester Zeit war der Dienstplan für die Helfer voll“, freut sich Stephan Hübinger. Zum Anpacken muss er gar nicht motivieren, denn die Gimmiger helfen einander wie selbstverständlich. Auch beim Dreck-Weg-Tag, an dem gemeinsam das Dorf und die umliegenden Flächen von Unrat befreit werden, ist die Resonanz immer riesig.
Großer Gemeinschaftssinn
Ein besonders vitaler Motor des Zusammenhalts in Gimmigen ist die Bürgergesellschaft, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Das Jubiläum soll mit einer großen Veranstaltung gefeiert werden, die Planungen laufen bereits, wie Stephan Hübinger, der auch Vorsitzender des Bürgervereins ist, verrät. Der Verein findet in der Bevölkerung großen Zuspruch und zählt knapp 300 Mitglieder. Auch jüngere Menschen engagieren sich hier. Die Bürgergesellschaft betreibt auch das Bürgerhaus in der Kapellenstraße, das dank der ehrenamtlich bewirtschafteten Kneipe ein wichtiger sozialer Treffpunkt ist. „Hier spielt sich das Leben ab“, betont der Ortsvorsteher. Ohnehin sei die Resonanz immer riesig, wenn in Gimmigen gefeiert werde. Ein Beispiel ist „Glühwein am Baum“, das in der Vorweihnachtszeit zum zweiten Mal am alten Spritzenhaus stattfand. „Das kam richtig gut an“, freut sich Stephan Hübinger. „Hier kamen Himmel und Menschen zusammen.“ ROB
Stephan Hübinger. Foto: privat
