Politik | 05.03.2021, 12:37 Uhr

Kreisverwaltung Neuwied: Software und Apps alleine reichen nicht

Intensivierung des Impfens muss oberstes Ziel bleiben

Kreis Neuwied. Auch wenn inzwischen die Verträge zur Einführung der neuen Software Sormas – sie soll genau wie bisherige Systeme der Nachverfolgung von Coronakontakten dienen - geschlossen seien, betrachtet die Kreisverwaltung Neuwied die Intensivierung der Impfungen als oberstes Ziel. Die Verwaltung reagiert damit auf häufig geforderte Intensivierung nach Software für die Ämter und Apps für Endnutzer.

„Mit Apps oder neuer Rückverfolgungssoftware alleine ist es nicht getan. Und die Arbeit erledigt sich davon auch nicht von selbst. Viel wichtiger wäre es, uns mehr und schneller Impfstoff bereitzustellen. Denn unsere Impfzentren sind gut vorbereitet und noch lange nicht an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Bevor man also nach neuen Systemen ruft, sollte man viel intensiver die direkte Bekämpfung der Pandemie vorantreiben“, fordert Gesundheitsamtsleiterin Dr. Corinna Trapp.

Anstatt weitere Apps zu propagieren, müsse zunächst geklärt sein, wie diese vernünftig nutzbar gemacht und in die Arbeit einzubinden wären. So habe man seitens des Gesundheitsamtes bislang vergeblich versucht, zu der viel zitierten App „Luca“ Kontakt aufzunehmen. Immer wieder sei die Rückmeldung gekommen, man sei überlastet und könne nicht alle Anfragen bearbeiten. „Das ist für die Nutzer verwirrend und nicht wirklich zielführend“, teilt Dr. Trapp weiter mit.

„Bislang gab es auch keine Veranlassung, auf eine andere Software zu wechseln“, ergänzt sie. Man sei sehr gut mit den etablierten Systemen gefahren, welche beim Gesundheitsamt Neuwied im Einsatz sind: „Darüber hinaus existieren nach wie vor nicht die passenden Schnittstellen. Die notwendigen Schnittstellen zu anderen dringenden Anwendungen sind nicht vorhanden. Wegen der „justiziablen Dokumentation“ muss in einer anderen Fachsoftware (Äskulab) gearbeitet werden, die Meldungen über Survnet, die Befundmeldungen in einer dritten Software. Probleme bei der Historie und fehlende Rückwärts-Schnittstellen erhöhen den Aufwand des Handlings. Wir werden die Fälle in drei Systemen anlegen müssen. Ob wir wirklich damit schneller werden, wird sich noch beweisen müssen.“

Dr. Trapp, erklärte ferner: „Jedes Computerprogramm muss von Menschen bedient werden. Wir sind derzeit gut eingespielt und optimiert. Durch die notwendige Einarbeitung und vor allem die doppelte bzw. dreifache Dokumentation werden zusätzliche Kapazitäten gebunden: Es wird zwangsläufig zu Zeitverzug in der Anfangsphase kommen.“

Zur Kontaktverfolgung in der Bekämpfung der Coronapandemie greifen viele Gesundheitsbehörden derzeit noch auf regional unterschiedliche Softwareanwendungen zurück, die sie im Laufe der Jahre lokal eingeführt haben. Immer wieder werden Forderungen erhoben, einheitliche Softwarelösungen anzuwenden.

Der Kreis begrüße zwar eine generelle Lösung für alle Gesundheitsämter in Deutschland. So könne beispielsweise bei regionalen Krisen ein Personalaustausch unter den Ämtern erfolgen, bei dem es nicht zu Zeitverlust in der Einarbeitung des Personals mit unterschiedlicher Software kommt. „Bislang hat es jedoch keine Veranlassung gegeben, auf eine andere Software zu wechseln, und schon gar nicht mitten in der Pandemie – so zusagen in voller Fahrt“, hält Dr. Trapp abschließend fest.

Pressemitteilung

Kreisverwaltung Neuwied

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