Politik | 28.01.2020

Leserbrief zum Thema „Urnenbestattungen auf dem Vormarsch“

„Ist die unsere Gesellschaft noch zu retten?“

Eine Stunde Grabpflege im Monat ist auch eine sinnvolle sportliche Betätigung

Wenn mittlerweile der Anteil der Urnenbestattungen im Kreis Ahrweiler schon bei 73 Prozent liegt; wenn die Urnenbeisetzungen in Ruhewäldern stetig zunehmen, nur um die lästige Grabpflege zu vermeiden; wenn man auf Grabsteine, Grablichter, Blumenschmuck verzichtet oder – wie bei Beisetzungen üblich – nicht einmal Blumen ins Grab werfen kann, weil die Friedhofssatzung dies in Wäldern verbietet, muss man sich schon fragen: Wo bleibt der Respekt gegenüber dem Verstorbenen?

Wenn Grabsteine detailgetreu aussehen wie Handys mit verblüffend ähnlich aussehenden Funktionstasten und im angedeuteten Display der Name des Verstorbenen „eingemeißelt“ ist oder eine E-Gitarre (die im Schallloch ein Emaille-Bild des Verstorbenen zeigt) und die Friedhofssatzung eines Ortes dies als moderne Grabgestaltung ansieht; wenn man einem Zeitungsartikel entnimmt „Ein Grab darf heute keine Arbeit mehr machen“, muss man sich schon fragen: Wie viel Freizeit brauchen wir eigentlich noch?

Den gesamten Tag über joggen, fernsehen oder im Café sitzen? Mein ehrlich gemeinter Vorschlag ist: Eine Stunde Grabpflege im Monat ist auch eine sinnvolle sportliche Betätigung; wenn für zukünftige Urnengrabstellen zwei Meter lange Kanalrohre wie in der Grafschaft oder im Kreis Kusel einfach unter einer Rasenfläche verbuddelt werden sollen, in denen dann fünf Urnen übereinander Platz finden und die „Toten“ nunmehr in Kanalrohren ruhen sollen, bitte schön: Wo ist da noch die würdige Bestattung oder der Respekt vor Toten?

Wenn es sogar Urnenmodelle gibt, die den speziellen Wünschen eines Fußballfans entsprechen (größere Bestattungsunternehmen führen bereits solche Modelle in Form eines Fußballs oder es stehen Modelle mit dem detailgetreuen Emblem des 1. FC Köln zur Verfügung) oder Urnenmodelle (weiße Schmuckurne mit goldenem Namen des Verstorbenen); wenn diese oder andere Urnen auch noch im Altarraum einer Kirche aufgestellt werden, wo sie nicht hin gehören, ausgerechnet bei Personen, die vielleicht nie mit der Kirche in Verbindung standen; wenn Bestattungsunternehmen sich als Initiator der Weinbergsbestattung loben oder wie geplant als weitere Bestattungsmöglichkeit unter einer Obstbaumwiese vorgesehen ist, muss sich selbst ein ungläubiger Mensch fragen: Was soll dieser Unfug?

Wenn ein Bestattungsunternehmen eine Führung in einem Krematorium organisiert (Einladung am Samstag, 9. September 2017, von 11 Uhr bis…) und die Fahrtkosten für Interessenten auch noch übernimmt, kommt man zwangsweise zu dem Ergebnis, dass dies nur der Umsatzsteigerung des betreffenden Unternehmens und weniger einer würde-vollen Bestattung dient, höchstens um für die Feuerbestattung zu werben; wenn in Ahrweiler oder anderen Gemeinden die Begleitung eines Geistlichen immer weniger in Frage kommt und man lieber einen Trauerredner engagiert und auf Trauergottesdienste keinen Wert mehr legt, stattdessen im Hintergrund der Friedhofshalle lieber die Lieblingsmelodie des Verstorbenen erklingen soll oder Kinder Fußballfähnchen schwenken (alles schon im Fernsehen gezeigt); wenn man Urnen einem Sarg vorzieht, nur um Sarggesteck, Träger, Grabsteinabbau für den Erdaushub oder die Pflege eines Einzel- oder gar Doppelgrabes für eine Zumutung hält, muss man sich fragen: Hat der Verstorbene nicht ohne Wenn und Aber eine 20- bis 25-jährige Grabpflege verdient, egal ob die billige Ausrede oft zu hören ist, die Angehörigen wohnten in weiter Ferne und könnten das Grab nicht pflegen? Wäre es zu viel verlangt, ein Vertragsunternehmen (zum Beispiel Friedhofsgärtnerei) mit der Grabpflege zu beauftragen?

Wenn wie in der Grafschaft geplant, die Karweiler Kirche derart zweckentfremdet wird, weil sie zukünftig als Kolumbarium (Aufbewahrungsort von Urnen) herhalten soll, vielleicht von Personen, denen sonst die Kirche nichts bedeutet; wenn man selbst mit der Aufbahrung in der Friedhofshalle nicht mehr klarkommt und aus Kostengründen lieber die Beisetzung direkt am Grab – wie in Remagen – vorzieht, fragt man sich: Wann wird es möglich sein, die Urne (wie in Bremen) zu Hause auf dem Wohnzimmerschrank dauerhaft aufzubewahren oder – woran noch niemand gedacht hat – gleich die Urne im Fußballfeld eines Sportplatzes beizusetzen. Wäre doch auch für den Verstorbenen etwas Beglückendes – Interessenten finden sich bestimmt genug, weil hier der Verstorbene bei jedem Fußballspiel dabei wäre.

Wenn Mönche aus Maria Laach bei einer dortigen Bestattungsmesse ihre im Kloster selbst gefertigten Urnenmodelle anbieten, zwecks ihrer Gewinnerhöhung; wenn es Geistlichen gestattet ist, vonseiten des Bistums eine Trauerzeremonie im Friedwald zu begleiten, obwohl der Anteil der aktuell sonntäglichen Gottesdienstbesucher gerade einmal fünf bis acht Prozent beträgt; wenn Eltern ihre Kinder zur Erstkommunion anmelden, nur um der Geschenke wegen dabei zu sein und ein „schönes Fest“ organisieren, fragt man sich: Ist die unsere Gesellschaft noch zu retten – selbst wenn für eine Diamantbestattung als bleibende Erinnerung an den Verstorbenen von Bestattern geworben wird oder anderen abenteuerlichen Bestattungsformen, aber über allem der Hintergedanke steht – wozu brauchen wir noch Gott, den Glauben oder eine würdige Beisetzung, wenn wir selbst uns schon als Herrscher über Leben und Tod sehen?

Ich muss abschließend feststellen: Unsere Bestattungskultur ist auf dem tiefsten Punkt angelangt, weil der Respekt gegenüber Toten gänzlich verloren gegangen ist, weil der Tod keinen Platz in unserer modernen, schnelllebigen Gesellschaft mehr hat. Wenn es Kindern verwehrt wird, unmittelbar nach Eintritt des Todes den verstorbenen Angehörigen noch einmal sehen zu können, in der irrigen Meinung, es würde dem Kind schaden, sich vom toten Vater zu verabschieden, was psychologisch äußerst kritisch gesehen wird; wenn es längst üblich geworden ist, dass der Verstorbene möglichst schnell zu Hause abgeholt und ins nächste Krematorium verbracht und nach der gesetzlichen Leichenschau auch noch unbekleidet eingeäschert wird, weil es nicht Aufgabe des Krematoriumsmitarbeiters (Ofenwartes) oder des Amtsarztes ist, den Toten vor der Einäscherung wenigstens wieder zu bekleiden, nach der Devise: Nach der Einäscherung fragt keiner mehr, ob die Leiche bekleidet war, anstatt ihn hier wenigstens würdig dem Feuer zu übergeben; wenn man darauf verzichtet, dass sich weitere Angehörige in aller Ruhe vom Verstorbenen in der Friedhofshalle am gleichen Tag des Todes oder wenige Tage vor der Beisetzung in der Friedhofshalle zu verabschieden, so kommt man zu dem Entschluss, dass die Feuerbestattung nur eine kostengünstige, schnelle und bequeme Entsorgungsform des Menschen ist und sonst nichts! Ruhet sanft in der „ewigen Ruhestätte“ (ewig = nur 99 Jahre???), hoch über dem..., über allen Wipfeln ist...

Günter Bader, Dernau

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