Herausforderer: Sven Lefkowitz enttäuscht – Conrad Luna zufrieden
Jan Einig ist Neuwieds alter und neuer Oberbürgermeister
Neuwied. Überraschend deutlich gewann Jan Einig (CDU) die Wahl zum Oberbürgermeister. „Mit so einem großen Vorsprung hatte ich nicht gerechnet“, kommentierte der Amtsinhaber die 54,96% (18.732 Stimmen) am Sonntagabend. Am besten schnitt er in seinem Wohnort und der CDU-Hochburg Heimbach-Weis mit 66% ab. Am schlechtesten in der Innenstadt und Heddesdorf mit rund 46%. Im 6. Stock des Neuwieder Rathaus traf Jan Einig auf seine Herausforderer. Sven Lefkowitz war mit seinen 27,1% (9.237 Stimmen) sichtlich unzufrieden. „Es war klar, dass es gegen den Amtsinhaber schwer wird aber zumindest eine drei vor dem Komma und eine Stichwahl hatte ich mir gewünscht“, so der Heddesdorfer. An Conrad Lunar hatte es nicht gelegen. Der Kandidat der Bürgerliste „Ich tu´s“ kam auf 17,94% (6.115 Stimmen). „2-stellig hatte ich mir erhofft, aber nah an die 20% und damit jeder 6. Wähler hat mich sehr überrascht“, sagte Conrad Lunar. Anders als die beiden anderen ist der Engerser nicht aktiv in der Politik involviert und hat momentan keine politischen Ambitionen. Stattdessen fokussiere er sich auf seine Passion des Römers ins Rüstung, anlässlich dem Großereignis in diesem Jahr, nämlich 20 Jahre Limes als Unesco Weltkulturerbe. „Natürlich haben mir 7 Jahre als Oberbürgermeister mit den unzähligen Begegnungen einen Amtsbonus eingebracht“, gestand Jan Einig ein. Andererseits habe die Zeit auch gezeigt, dass er jemand zum Anfassen sei und für Gespräche stets aufgeschlossen. Der Oberbürgermeister gab sich darüber hinaus überzeugt, dass er die Neuwieder mit einem klaren Programm inhaltlich überzeugen konnte. Auf die Social-Media Kampagne angesprochen, in der er aus Stadtteilen berichtete und Großvorhaben versprach, versicherte er: „Daran werde ich mich messen lassen“. Als eines der größten Probleme bezeichnete Jan Einig den Personalmangel in der Verwaltung. Jede zehnte Stelle sei unbesetzt und mit der freien Wirtschaft könne man nicht um Arbeitnehmer konkurrieren. Einzig mehr Digitalisierung, KI und Bürokratieabbau könne für Entlastung sorgen. Neben dem Gesamtergebnis hat Jan Einig am Wahlergebnis am meisten überrascht, selbst SPD-Hochburgen wie Segendorf und Heddesdorf deutlich gewonnen zu haben. Genau das schmerzte den Heddesdorfer Sven Lefkowitz umso mehr. Der Sozialdemokrat konnte in keinem einzigen Stadtteil eine Mehrheit für sich verbuchen. Natürlich hätte die Bundespolitik die OB-Wahl überlagert und sicher war der kurze Vorlauf zur OB-Wahl nicht optimal, um das Bekanntheitsdefizit wettzumachen. Eine genaue Analyse möchte er und sein Team in den nächsten Tagen vornehmen. Im Moment überwiege noch die Enttäuschung bei allen, die in den letzten Wochen so hart und engagiert gekämpft hatten.
„Alles richtig gemacht“
Erwartungsgemäß zufrieden zeigte sich CDU-Fraktionschef Martin Hahn mit dem Ergebnis. „Mit Jan Einig ist es gelungen, dass Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen. Dass politische Beschlüsse auch umgesetzt werden, war in der Vergangenheit nicht immer so“, sagte Martin Hahn. Er ist überzeugt, Neuwied gemeinsam voranzubringen. Innerhalb der Verwaltung stünde der Oberbürgermeister für ein gutes Arbeitsklima, in dem er sich als Teamplayer einbringt. Auch Regine Wilke, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen war vor Ort, um Jan Einig zu gratulieren. Er sei ein verlässlicher Garant dafür, dass die angefangenen Projekte fortgeführt werden. Gemeinsam mit der CDU und der FWG habe man in der letzten Legislaturperiode langfristige Vorhaben angestoßen, die nun sukzessive umgesetzt werden. Tobias Härtling, langjähriger Linker aber seit Juni 2024 Fraktionsvorsitzender der BSW-Fraktion im Stadtrat, sagt: „Wir begrüßen den Wahlsieg von Jan Einig. Dieses überzeugende Ergebnis stärkt auch unser Bündnis für Neuwied und unsere gemeinsame Arbeit. Die Menschen sehen die Erfolge der letzten Jahre und dass der Stadtvorstand auch als Team funktioniert. Das war in den Jahren davor nicht immer der Fall“. Kritischer äußerte sich Patrick Simmer von der Bürgerliste „Ich tu´s“. Natürlich sei das Ergebnis von Jan Einig gut. Es zeige aber eben auch, dass fast 50% der Wähler/innen mit dessen Arbeit nicht zufrieden sind. „Das starke Abschneiden von Conrad Lunar zeigt doch, dass wir auf die richtigen Themen gesetzt haben. Wir erwarten nun, dass der Stadtvorstand diese Themen aufgreift“, so der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste „Ich tu`s“. Was alle politischen Akteure am Sonntagabend freute, war die hohe Wahlbeteiligung in Neuwied. Die 72,66% seien ein klares Bekenntnis zur Demokratie.
FF
Zufrieden zeigten sich Conrad Luna und Patrick Simmer (Bürgerliste Ich tu´s) über das besser als erwartete Abschneiden.
Überraschend deutlich und enttäuscht über das verfehlte Wahlziel, unterlag Sven Lefkowitz (SPD) dem alten und neuen Amtsinhaber.
