Politik | 10.07.2023, 08:55 Uhr

Leserbrief zu „BLICKwinkel – Pro und Contra im Fokus: Ausgangssperre für Katzen: Vogelschutz oder Tierquälerei?“ in BLICK aktuell 26/23

Katzen einzusperren ist ohne Sinn

Die Mär von der Hauskatze als „Vogelkillerin“ hält sich hartnäckig. Eine vereinfachende, einseitige Sichtweise nützt aber weder Mensch noch Tier. Die Hauskatze lebt in unseren Breiten seit mehr als 2.000 Jahren als Teil der Tierwelt und unserer Natur. Inzwischen haben mehr als 40 weltweite wissenschaftliche Studien bewiesen, dass sie nicht für den Artenrückgang der Vogelwelt verantwortlich ist. Ausnahmen bilden Inseln wie Australien, wo eine vor kurzem eingeschleppte Hauskatze auf eine seit Urzeiten isolierte, schutzlose Tierwelt trifft wie flugunfähige Vögel etc.

Die häufigsten und effizientesten Nesträuber bei kleinen Wildvögeln sind übrigens Marder, Eichhörnchen und größere Vögel wie Elstern und Raben! Jeder kann beobachten, dass die heimische Vogelwelt mit der Katze ebenso wie mit anderen tierischen Feinden auf natürliche Weise umgehen kann. Vögel sind sehr wachsam, warnen einander durch bestimmte Rufe zu rechtzeitiger Flucht oder vertreiben Feinde sogar erfolgreich – durch lautes Schreien, heftiges Flattern oder (gemeinschaftliches) aggressives Anfliegen.

Die Hauskatze dagegen ist von Körperbau und Körperfunktionen her klar auf ihr spezielles Beutetier Maus hin „konstruiert“. Dass eine Katze einen Vogel erbeutet, passiert nebenbei, es handelt sich im Allgemeinen um kranke oder schwache Exemplare, die nicht (mehr) gut genug vom Boden wegkommen. Im Falle von Verletzungen durch Katzen (oder Hunde!) kann eine Wildvogelpflegestation helfen, wenn Mensch das gefiederte Zufallsopfer dort (möglichst gegen eine Spende) abgibt.

Nicht alle Hauskatzen genießen freien Ausgang, und nicht alle Freigänger sind am Jagen interessiert oder zu jagen im Stande. Die Statistiken über „Vogelmord durch Katzen“ beruhen dagegen auf groben Schätzungen und Hochrechnungen. Die Hauskatze ist zwar mit ca. 16 Mio. Exemplaren in Deutschland das beliebteste Haustier, der Trend geht aber eindeutig zur (durch Zucht oder von Anfang an auf das Leben im Haus sozialisierten) „Wohnungskatze“. Hauskatzen werden durch die Tiermedizin heute durchschnittlich 15 bis 16 Jahre alt – was einem Menschenalter als 80-jähriger Senior entspricht. Eine Seniorkatze mit Alterskrankheiten oder ein behindertes Tier fängt sicher keinen Vogel! Eine aktuelle wissenschaftliche Studie hat darüber hinaus nachgewiesen, dass das instinktbasierte natürliche Jagdverhalten der Katze um ein Drittel reduziert werden kann, wenn Mensch sie mit hochproteinreichem Premiumfutter ernährt und konsequent mehrmals täglich Jagdspiele mit ihr spielt.

Freiheitsliebende Katzen zwangsweise einzusperren und dadurch bei manchen Tieren Leiden und Verhaltensstörungen zu verursachen (und ihren HalterInnen – vielen Kindern! - vielleicht das geliebte Haustier zu nehmen) ist ohne Sinn und kann aus Tierschutzgründen nicht die Lösung für Artenschutzprobleme sein.

Dr. Birgit Buchholz,

Koblenzer Katzenhilfe e.V.

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