Politik | 27.06.2017

AG 60plus des SPD-Ortsvereins Bad Breisig/Brohl-Lützing

Kein Jahnhallen-Abriss ohne entsprechenden Ersatz

Waldi Fabritius zur Geschichte des Breisiger „Kulturschuppens“ beim Juni-Treff der SPD-Senioren

Walter „Waldi“ Fabritius (Mitte) ist der wohl profundeste Kenner der Jahnhalle. privat

Bad Breisig. Einig war man sich schnell: Die Jahnhalle muss bleiben, bis in Bad Breisig eine entsprechend große andere Veranstaltungshalle zur Verfügung steht. Dieses Resumée der trotz tropischer Hitze erschienenen rund 20 Besucher beim Juni-Treff der AG 60plus im Restaurant „Pomm & Pasta“ war eindeutig. Nach den hoch interessanten Ausführungen von Gastredner Waldi Fabritius über die Geschichte des Breisiger „Kulturschuppens“ Jahnhalle war auch eine andere Resonanz kaum vorstellbar. Die AG 60plus, die Senioren-Arbeitsgemeinschaft (AG) des SPD-Ortsvereins Bad Breisig/Brohl-Lützing um die beiden Co-Vorsitzenden Mona Henzgen und Gerd Kaiser, hatte mit dem langjährigen Vorsitzenden der Bad Breisiger Karnevalsgesellschaft „Mir losse ohs net bang maache“ von 1892 e.V., Walter „Waldi“ Fabritius, den wohl profundesten Kenner der Jahnhalle, für diesen Abend gewinnen können.

Halle stand ursprünglich in Remagen

Mit viel Esprit und Mutterwitz schilderte Waldi den neugierigen Anwesenden die Übernahme der Halle vom Terrain der Waldburg in Remagen nach Bad Breisig auf das Gelände der früheren Villa Wente im Jahre 1963. Nutzer dieser „Mehrzweckhalle“ wurden nicht nur die Sport treibenden Vereine, allen voran der Turnverein mit seiner damals bedeutenden Fechtabteilung, sondern auch die Breisiger Kulturschaffenden. Das von Waldis Vater wenige Jahre zuvor ins Leben gerufene Folklorefest fand hier ebenso ein überdachtes Zuhause. Im Laufe der Jahre wurde die Jahnhalle zur Hauptbühne der Breisiger Karnevalisten.

Höchst amüsant war an diesem Abend dann auch ein alter Büttenvortrag von Waldi Fabritius selbst aus der damaligen Zeit, der sich mit der Fertigstellung der Halle auf Breisiger Boden und den immer neu hinzukommenden Notwendigkeiten an Räumen und Innenausstattung befasste, die letztendlich die 20.000 DM Erwerbskosten der Halle um das Vielfache überstiegen.

Renovierung nach „Grobschnitt“-Konzert

In Erinnerung brachte Waldi Fabritius natürlich die Komplettsanierung der Halle nach deren Schließung aus bau- und feuerpolizeilichen Gründen als Folge eines überfüllten Rockkonzertes der Gruppe „Grobschnitt“ im Jahre 1979. Er selbst fungierte daraufhin als Orga-Leiter. Materialien wurden entweder gespendet oder deren Kosten aus dem Stadthaushalt bestritten. Schon damals war die Stadt Bad Breisig in argen Geldnöten. Mitglieder der Karnevalsgesellschaft, des MGV Liedertafel und der Juso-AG (Jugendorganisation der SPD) rissen Holzwände heraus, mauerten, zimmerten, schraubten und verputzten, bis im Herbst 1980 die Halle in ihrem heutigen Aussehen wieder geöffnet werden konnte. In Folge eines Rheinhochwassers 1992 musste der komplette Holzfußboden herausgerissen werden. Innerhalb von 14 Tagen zwischen Weihnachten und der schon plakatierten Prinzenproklamation gelang dies. Alle verwendeten Materialen waren gespendet. Im Laufe der Jahnhallen-Jahre traten viele Künstler, Musikgruppen, Kabarettisten und Orchester dort auf, so unter anderem „De Höhner“, „Die Räuber“, „De Bläck Fööss“, das „Colonia-Duett“ mit Hans Süper, Jürgen Becker, Herbert Knebel, Atze Schröder, der unvergessene Hans-Dieter Hüsch oder Konrad Beikircher, der bereits 14 mal die Bühnenbretter der Jahnhalle betrat.

Mekka für Rockmusik-Fans

Über fast 15 Jahre hinweg war die Jahnhalle auch ein Mekka für die Fans deutscher und europäischer Rockmusik, ob Klaus Doldinger oder „Dr. Feelgood“, ob „Colosseum II“ mit Jon Hiseman und Weltstar Gary Moore oder „Extrabreit“. Für die beste Rockpalast-Liveband „Grobschnitt“ gab es in der Jahnhalle sieben mal ein Heimspiel – immer ausverkauft.

Nach Fabritius‘ Feststellungen wird die Halle derzeit zwar vorwiegend von der Breisiger Karnevalsgesellschaft genutzt, aber ab der zweiten Jahreshälfte bis Karneval fast täglich. Ohne die Jahnhalle oder entsprechenden Hallen-Ersatz würden die KG und ihre dort trainierenden Korps radikal in ihren Aktivitäten eingeschränkt – ein Umstand, der unbedingt verhindert werden müsse.

Die Jahnhalle hat in vergangenen Jahrzehnten Vieles gesehen und viele Besucher nach Bad Breisig gelockt. Sie schrieb Breisiger (Kultur-) Geschichte. Bis eine neue Veranstaltungshalle steht, soll dieser „Kulturschuppen“ dies auch weiterhin tun.

Bereicherung für das Kulturangebot

Gerd Kaiser fasste abschließend zusammen: „Durch notwendige Renovierungen (Heizung, Künstlergarderobe und Dämmung) könnte die Jahnhalle noch jahrelang und günstiger bei den Unterhaltungskosten genutzt werden. Auch zusätzliche Veranstaltungen, zum Beispiel privat oder durch Vereine organisiert, könnten dann hier wieder stattfinden und das Kulturangebot der Quellenstadt bereichern. Wer die Hand an die Jahnhalle legt, bevor ein adäquater Ersatz geschaffen ist, muss mit entschiedenem Widerstand großer Teile der Bevölkerung rechnen.“ Zum Abschluss dankte er Waldi Fabritius für seine interessanten Ausführungen. Mona Henzgen überreichte dem Gastredner dafür eine Flasche 2015er Elzenberger-Spätburgunder der Bad Breisiger Weinbaubruderschaft. Weitere Infos oder Kontakt zur AG 60plus im SPD-Ortsverein Bad Breisig/Brohl-Lützing unter Tel. (0 26 33) 47 02 83 (Mona Henzgen), Email breisig60plus@t-online.de oder im Internet www.spd-bad-breisig.de (dort Navigationsbutton „60plus“).

Pressemitteilung

AG 60plus

Walter „Waldi“ Fabritius (Mitte) ist der wohl profundeste Kenner der Jahnhalle. Foto: privat

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