Politik | 21.01.2020

Grafschafter Sozialausschuss lehnt ab

Kein Kolumbarium in der Pfarrkirche Karweiler wegen zu hoher Kosten

Pro Grabkammer würden 2000 bis 4000 Euro Nutzungsgebühr fällig – Obstwiesen- und Rebstock-Bestattung sollen geprüft werden

Grafschaft. In der 1924 erbauten Pfarrkirche Sk.t Katharina in Karweiler wird es wohl doch kein Kolumbarium (Urnenwand) geben. Der Sozialausschuss der Gemeinde Grafschaft sprach sich gegen eine derartige Nutzung des Gotteshauses aus.

Das hat auch der Ortsbeirat bereits abgelehnt.

Der Gemeinderat sprach sich im vergangenen Mai für den Erwerb der Kirche und des Pfarrhauses in Karweiler aus. Das Architekturbüro Dünker hatte mittlerweile einen ersten Vorentwurf mit Kostenschätzung zu den notwendigen Baumaßnahmen – etwa einem behindertengerechten Zugang und der Errichtung einer Toilettenanlage – vorgelegt. Demnach beläuft sich das Gesamtinvestitionsvolumen auf rund 205.000 Euro brutto. Hinzu kommen die Investitionskosten für die Umgestaltung des Innenraums, grob geschätzt zwischen 200.000 und 300.000 Euro. Außerdem liegen die laufenden Kosten für die Kirche nach Auskunft der Rendantur bei jährlich etwa 5000 Euro.

Geschätzte Jahreskosten von 40.000 Euro

Zu den neun bestehenden Grafschafter Friedhöfen würde mit einem Kolumbarium ein zusätzliches Angebot zur Urnenbeisetzung geschaffen, für das kein vergleichbares Angebot in der näheren Umgebung besteht. Dafür könnte mit bis zu 20 Beisetzungen im Jahr gerechnet werden, glaubt man bei der Gemeindeverwaltung. Doch die Einrichtung eines Kolumbariums wäre grundsätzlich kostendeckend zu betreiben, die Aufwendungen also durch die Gebühreneinnahmen zu decken. Bei geschätzten Jahreskosten von rund 40.000 Euro müssen diese durch die Gebühren für den Erwerb der Nutzungsrechte abgedeckt werden. Bei 20 Urnenbestattungen pro Jahr lägen die Kosten pro Grabkammer demnach bei 2000 Euro, bei nur zehn Urnenbestattungen pro Jahr müssten pro Grabkammer aber bereits 4000 Euro erhoben werden.

„Das ist ein Kostenrahmen, der nicht mehr darstellbar ist“, meinte nicht nur Richard Horn (FWG) im Sozialausschuss. Sehr wohl denkt man indes über alternative Bestattungsformen in der Grafschaft nach: Urnenstelen, Urnenerdröhren, anonyme Erdbestattungen, Grabdenkmäler, Erdurnengräber unter Friedhofs- oder Obstwiesenbäumen – vieles ist denkbar. Neue Flächen will man in der Gemeinde dafür jedoch nicht zur Verfügung stellen. „Wir haben auf den vorhandenen Friedhöfen ohnehin schon viel zu viel Fläche“, fasste Bürgermeister Achim Juchem (CDU) die Situation angesichts der starken Zunahme von Urnenbestattungen zusammen. Karweilers Ortsvorsteher Dieter Bornschlegl (SPD) ergänzte augenzwinkernd: „Auf dem Friedhof ist Platz für uns alle.“

Kein eigener Friedwald für die Grafschaft

Im Fünfjahresdurchschnitt fallen statistisch gesehen 63 Beerdigungen im Jahr in der Grafschaft an.

Mittlerweile liegt der Anteil der Urnenbestattungen bei fast 75 Prozent. Einen eigenen Friedwald will man in der Gemeinde dennoch nicht anlegen, obwohl Bornschlegl dafür warb: „Es ist doch viel schöner, den Opa im Wald zu besuchen als auf dem Friedhof.“ Vielmehr will man künftig Beerdigungen unter vorhandenen Friedhofsbäumen möglich machen. Auch ein Angebot von Rebstock- oder Obstwiesenbestattungen als für die Grafschaft typische Alternative sollen geprüft werden. Die benötigten Flächen sollen auf bereits bestehenden Friedhöfen umgewidmet werden. Ebenfalls soll eine Bereitstellung von Flächen für anonyme Erdbestattungen auf dem Friedhof in Gelsdorf geprüft werden.

JOST

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