Politik | 04.03.2016

Verbandsgemeinde Weißenthurm führt die Ehrenamtskarte ein

Kleine „Zuckerstückchen“ als Wertschätzung für Ehrenamtler

Bürgermeister Georg Hollmann (r.). und Staatssekretär Clemens Hoch unterschrieben einen Kooperationsvertrag. HEP

VG Weißenthurm. „Ehrenamtlich ist eine Tätigkeit, die freiwillig, gemeinwohlorientiert und unentgeltlich erfolgt“, erklärt das Lexikon den Begriff. Dass der Ehrenamtler überhaupt nichts dafür bekommt, ist Vergangenheit, denn nun gibt es Rabatte als kleine „Zuckerstückchen“.

Bürgermeister Georg Hollmann hat für die Verbandsgemeinde Weißenthurm mit dem Leiter der Mainzer Staatskanzlei, Staatssekretär Clemens Hoch (Andernach), eine Kooperationsvereinbarung für die Einführung der Ehrenamtskarte unterschrieben. Wer die Karte vorzeigt, bekommt in ganz Rheinland-Pfalz bei verschiedenen Institutionen einen Rabatt. In der VG Weißenthurm sind das zehn Prozent bei der Volkshochschule (ausgenommen Vorträge und Reisen) sowie auf die Benutzungsgebühren des Kettiger Bürgerhauses und des Eulenturms der Stadt Weißenthurm.

Die VG Weißenthurm ist die 53. Kommune im Land, die die Ehrenamtskarte einführt, aber die letzte im Kreis Mayen-Koblenz, der damit nach dem Westerwaldkreis der zweite in Rheinland-Pfalz ist, in dem alle Städte und VGs die Ehrenamtskarte eingeführt haben. Der Westerwaldkreis war so schnell, weil er etwas Ähnliches bereits in eigener Regie eingeführt hatte, und in der Verbandsgemeinde musste man sich erst einmal über die Angebote und mit den Ortschefs klar werden. Denn die VG Weißenthurm selbst hat für die Ehrenamtskarte nur die VHS, alles andere liegt bei den Städten, Gemeinden, Vereinen und privaten Betreibern, wo es in einigen Kommunen schon positive Beispiele gibt. Hollmann ist überzeugt, dass in der VG das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist, im Gegenteil, man sei erst am Anfang.

„Unsere Gesellschaft lebt davon, dass sich Menschen freiwillig engagieren. Das sehen wir gerade aktuell bei dem großartigen ehrenamtlichen Engagement in der Flüchtlingshilfe. Wir können es nicht hoch genug schätzen, dass sich in Rheinland-Pfalz so viele Menschen ehrenamtlich engagieren und Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen“, sagte der Chef der Staatskanzlei. Mit der Ehrenamtskarte will das Land gemeinsam mit den teilnehmenden Kommunen den Ehrenamtlichen für ihr Engagement danken und ihnen die verdiente Anerkennung zukommen lassen, führte Clemens Hoch aus, und weiter: „Je mehr Städte und Gemeinden die Ehrenamtskarte einführen, desto mehr Vergünstigungen können landesweit angeboten werden.“

Bürgermeister Georg Hollmann begründete die Einführung der Ehrenamtskarte so: „Das Ehrenamt ist eine wichtige Stütze unserer Gesellschaft, auf welche wir nicht verzichten können. Deshalb ist es für die Verbandsgemeinde Weißenthurm selbstverständlich, den Ehrenamtlichen mit der Einführung dieser Karte zu danken und ihnen Wertschätzung entgegenzubringen.“

Die Ehrenamtskarte kann erhalten, wer mindestens 16 Jahre alt ist und sich in einer der teilnehmenden Kommunen durchschnittlich mindestens fünf Stunden pro Woche - beziehungsweise 250 Stunden jährlich - ehrenamtlich engagiert und dafür keine pauschale finanzielle Entschädigung bekommt. Vereine, Verbände und Institutionen teilen der Staatskanzlei mit, wer die notwendige Stundenzahl ehrenamtlich geleistet hat. Die Karte, die auf zwei Jahre befristet ist, wird dann von der Staatskanzlei ausgestellt und von der Kreisverwaltung verteilt. Falsche Angaben oder ein Missbrauch sei hier nicht zu befürchten, denn: „Die Vereine und Institutionen nehmen das schon sehr genau“, meinte Hollmann und „solche Menschen wollen nichts für ihren Einsatz, denn sie machen es ja wirklich ehrenamtlich“, erklärte der Bürgermeister dazu und verwies darauf, dass die Gesellschaft ohne die Ehrenamtler wie zum Beispiel Feuerwehrleute, Jugend-, Senioren- oder Flüchtlingsbetreuer so gar nicht existieren könnte.

Und wie viel müssen die Kommunen finanziell für die Ehrenamtskarte aufwenden? „Fast nichts“, antwortete Georg Hollmann, „ein marginaler Betrag im Haushalt.

Es ist eine falsche Herangehensweise, wenn wir sagen, wir haben weniger Einnahmen, das wäre kleinlich und der Sache nicht angemessen. Und wenn jemand mehr in einem VHS-Kurs sitzt, verursacht der keine Kosten, und wenn ein Ehrenamtler beispielsweise ins Schwimmbad geht oder in Andernach mit dem Geysir-Schiff fährt, ist er selten allein unterwegs, sodass sich der Rabatt quasi ausgleicht. Wir wollen ja keine Monetarisierung des Ehrenamts, denn diese Menschen machen das ja nicht, weil sie Geld dafür bekommen. Hier steht also mehr die Symbolik im Vordergrund.“

Weitere Informationen zur Ehrenamtskarte gibt es im Internet unter www.wir-tun-was.de.

Bürgermeister Georg Hollmann (r.). und Staatssekretär Clemens Hoch unterschrieben einen Kooperationsvertrag. Foto: HEP

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