Politik | 04.02.2020

Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“ beklagt Abriss zweier Häuser

Kreisverwaltung verpasst Chance

Die Nummern 32 und 34 auf der Wilhelmstraße mussten der Erweiterung weichen

Die beiden Häuser in der Wilhelmstr. 32 und 34.Foto: privat

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Kaum von der Öffentlichkeit kommentiert fielen in diesen Tagen einmal mehr zwei schmucke Häuser an der Wilhelmstraße zugunsten einer Erweiterung der Kreisverwaltung. Hier hätte die Kreisbaubehörde gut ein Exempel zugunsten einer geschichtsbewussten Stadtgestaltung statuieren können, meint die Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“.

Die Nummern 32 und 34 auf der Wilhelmstraße waren schon seit einigen Jahren unbewohnt. Die Kreisverwaltung hat bereits vor Jahren die Anwesen aufgekauft. Es hat den Anschein, als seien sie bewusst nicht gepflegt worden. Heute sollen hier nun Erweiterungsbauten entstehen.

Für eine behutsame Stadtentwicklung

Die Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“, die sich für eine behutsame Stadtentwicklung einsetzt, sieht dies mit großem Unverständnis: Der obersten Baugenehmigungsbehörde, die auf Kreisebene angesiedelt ist, hätte eine andere Vorgehensweise gut angestanden.

Wem, wenn nicht ihr, muss bekannt sein, wie derzeit historische und erhaltungswürdige Bauten in ungebremster „Baugoldgräberstimmung“ komme was wolle aufgekauft und abgerissen wurden, um architektonisch banalen und überdimensionierten Wohnblocks Platz zu machen.

Sie müsste selbst mit Argwohn erkennen, wie in Bad Neuenahr und längst auch schon in Ahrweiler ehedem geschlossene Zeilen historischer Bausubstanz für seniorengerechte Investorenhäuser ausradiert werden. Vielleicht müsste sie selbst auch ein wenig ein schlechtes Gewissen haben, fielen doch der Verwaltung der Sechziger selbst zwei beeindruckend prächtige Villen zum Opfer.

Hier nun hätte sie vor der eigenen Haustüre und als Bauherrin zeigen können: es geht auch anders. Sie hätte einen architektonisch pfiffigen Erweiterungsbau unter Erhalt der beiden historischen Häuser kreieren können. Ein „Leuchtturmprojekt“ gewissermaßen, das wegweisend für den Kreis hätte sein können.

Die nötige Kompetenz wäre vorhanden

Dass die Kreisverwaltung hierfür über die nötige Kompetenz verfügt, ist kein Geheimnis. Ist sie doch selbst Herausgeberin von wunderbaren Baulektüren, die sich für regionale Baukultur einsetzen, ortstypische Bauweisen und Materialien befürworten und den Erhalt historischer Bausubstanz predigen.

Eigens für den Bereich „Dorferneuerung“ beschäftigt sie eine kompetente Fachfrau und auch die untere Denkmalbehörde sitzt im gleichen Haus.

Umso unverständlicher sind die aktuellen Baupläne. Die Chance, hier innovativ aufzuzeigen, wie alt und neu zukunftsweisend miteinander verbunden werden könnten, ist vertan.

Wieder fühlen sich die, die Bauprojekte auch mit der Grundhaltung „aaler Driss, fott domet!“ und „nur neu ist gut“ gestalten, bestärkt. Traurig. Das Ergebnis wird wohl weit hinter dem zurückliegen, was real möglich gewesen wäre.

Ende des 19. Jahrhunderts entstanden

Die geopferten Häuser hat Karl Heinen für den Heimatverein Alt-Ahrweiler (Stadtzeitung 40/19) ausführlich beschrieben. Beide Häuser entstanden Ende des 19. Jahrhunderts als Wohnhäuser. Auffällig ist die Fassadengestaltung mit Ziegeln. Sie gehörten sicherlich nicht zu den aufwendigsten Bauten entlang dieser sich neu entwickelnden Villenstraße der Kreisstadt, fügten sich aber harmonisch in ihren Flair des Repräsentativen und Gutbürgerlichen. Fotos zu den Häusern gibt es unter „Gebäude in Not – verloren“ auf der Homepage der Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“ www.lebenswertestadt.jimdo.de. Dort listet sie Bauten der Stadt auf, die bereits abgerissen sind, oder deren Abriss bevorsteht. Ziel der Bürgerinitiative ist es, mit Rücksicht und Wertschätzung der Geschichte eine Stadt zu gestalten und für den Reichtum der hiesigen Baukultur zu sensibilisieren. Der Erhalt wertvoller Häuser und Fassaden sollte dabei Vorrang haben – so wie es andere Städte bereits vormachen. Pressemitteilung

Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“

Die beiden Häuser in der Wilhelmstr. 32 und 34.Foto: privat

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