Politik | 08.03.2014

Ackerbautagung der Raiffeisen Handelsgesellschaft

„Landwirtschaft in der Zukunft - was kommt, was geht?“

Dem Parlamentarischen Staatssekretär Peter Bleser ist die Verteufelung des Konventionellen ein Dorn im Auge

Bei der Ackerbautagung in Rheinbacher Waldhotel erläuterte der Parlamentarische Staatssekretär Peter Bleser die Ziele der Bundesregierung in der Agrarpolitik.JOST

Rheinbach. „Wir brauchen Führungskräfte, die in der Lage sind, Positionen zu vertreten, die nicht von vornherein eine Mehrheit in der Bevölkerung haben.“ Das wünschte sich der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser (CDU), bei der von der Raiffeisen Rhein-Ahr-Eifel Handelsgesellschaft mbH veranstalteten Ackerbautagung im Rheinbacher Waldhotel, die unter dem Motto stand: „Landwirtschaft in der Zukunft - was kommt, was geht?“ Insbesondere die Verteufelung der konventionellen Landwirtschaft in bestimmten politischen und gesellschaftlichen Kreisen war dem gelernten Landwirtschaftsmeister ein Dorn im Auge: „Wer das Ende des konventionellen Landbaus fordert, fordert zugleich den Hungertod eines Drittels der Weltbevölkerung“, führte er die Konsequenzen drastisch vor Augen. Ohnehin hatte er eine einseitige Wahrnehmung in der Bevölkerung ausgemacht, was die Landwirtschaft betreffe, „die kaum noch auszuhalten ist.“ Die Diskussion würde von einer großen Irrationalität beherrscht, die es schwer mache, gelassen zu bleiben. Doch er war überzeugt, dass die Marktbedingungen auf Dauer ihre Wirkung zeigten, denn die Menschen stimmten täglich mit dem Geldbeutel an der Supermarktkasse für Produkte aus der konventionellen Landwirtschaft ab. Dennoch wünschte er sich, dass die Agrarbranche endlich einen Schulterschluss hinbekomme, um mehr Schlagkraft zu entwickeln und ihren Gegnern die Stirn zu bieten.

Verknappung von Lebensmitteln vorhersehbar

Darüber hinaus sei eine Verknappung von Lebensmitteln angesichts einer steigenden Weltbevölkerung und immer kleiner werdenden Ackerflächen vorauszusehen. Das zeige sich nicht zuletzt daran, dass infolge des derzeitigen Krim-Konfliktes der Weltgetreidemarkt mit scharfen Preiserhöhungen reagiert habe - in der Befürchtung, die Ukraine werde ihre Getreideproduktion möglicherweise künftig nicht mehr in dem gewohnten Maße aufrechterhalten können. Und China sei bereits seit Längerem dabei, sich Ackerflächen in Afrika und mittlerweile sogar schon in Bulgarien für extrem hohe Pachtzahlungen zu sichern. „Deshalb passen Sie auf: Wenn sie einen Chinesen auf unseren Feldern sehen, dann geht der Bodenpreis in die Höhe“, sagte Bleser mit einem Augenzwinkern. Die Umsetzung der GAP-Reform auf europäischer Ebene sei derzeit eines der großen Themen der Landwirtschaft, so Bleser weiter. Insbesondere das „Greening“ stieß auf seinen erbitterten Widerstand. Ab 2015 müssen landwirtschaftliche Betriebe grundsätzlich fünf Prozent ihrer Ackerflächen als ökologische Vorrangflächen bereitstellen, die damit aus dem landwirtschaftlichen Produktionsprozess herausfielen. „Anreize sind besser als Verbote“, sagte er unter dem Beifall der etwa 100 Landwirte und wusste, dass die Vorschriften „mit allen Mitteln umgangen werden, die man sich nur vorstellen kann.“ Die Bundesregierung werde ihrerseits alles dafür tun, die Belastungen der Landwirtschaft so gering wie möglich zu halten. Weiter informierte Dr. Peter Oswald, Bundeslandwirtschaftsministerium, über den brisanten und EU-getriebenen Sachstand bei der Novellierung der Bühne-Verordnung, und der Buchautor, Politologe und Historiker Dr. Andreas Möller behandelte die Rolle der Landwirtschaft in der gesellschaftlichen Debatte.

Raiffeisen Handelsgesellschaft legt Jahresbericht vor

Im Rahmen der Ackerbautagung stellte die Raiffeisen Rhein-Ahr-Eifel Handelsgesellschaft mbH mit Sitz in Euskirchen auch ihre Geschäftsberichte für 2013 vor. Laut Geschäftsführer Dr. Alois Splonskowski verringerte sich der Gesamtumsatz der Raiffeisengenossenschaft einschließlich der Tochterunternehmen um vier Prozent auf 110,6 Millionen Euro. Auch die Absatzmengen im Agrar- und Energiegeschäft sanken um 1,4 Prozent auf 176.100 Tonnen. Hauptumsatzträger war erneut der Energiebereich, der mehr als 40 Prozent des Umsatzes ausmacht. Im Agrargeschäft legten die Umsätze bei rückläufigen Rohstoffpreisen, aber steigenden Absatzmengen, nur unwesentlich zu, wobei sich der Ausbau der Flüssigdüngersparte und die Investitionen in den unternehmenseigenen Laborservice ausgezahlt hätten. Die Entwicklung des Einzelhandels in den Raiffeisen-Märkten der Region stagnierte hingegen bei einem Umsatz von 5,3 Millionen Euro.

Um die Beratung und Betreuung der Kunden kümmerten sich derzeit einschließlich der Tochterunternehmen 138 Mitarbeiter in 14 Geschäftsstellen, darunter sieben Auszubildende und Werkstudenten. „Ein schwaches Wirtschaftswachstum, extrem volatile sowie sinkende Rohstoffpreise und Erlöse kennzeichneten 2013 den Geschäftsverlauf. In Anbetracht der besonderen Herausforderungen durch die Marktturbulenzen haben wir mit einer seriösen und soliden Wirtschaftsweise eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung genommen“, fasste Splonskowski zusammen. Das Jahr sei geprägt gewesen von sinkenden Verbraucherpreisen für Mineralölprodukte. Der milde Winter und die Zunahme der energetischen Wohngebäudesanierung hätten zu einem rückläufigen Heizölabsatz geführt. Weiter deutlich zulegen konnte nach Auskunft von Splonskowski die Vermarktung von nachwachsenden Energieträgern wie Holzpellets. „An den mittlerweile sieben Raiffeisen-Tankstellen entwickelten sich die Verkaufsmengen des Vergaserkraftstoffs Super E 10 und auch von Autogas besonders positiv. Der Umsatz des Geschäftsbereiches Energie reduzierte sich auf 44,7 Millionen Euro“, berichtete die Geschäftsführung.

Höhere Umsätze bei Obst- und Weinbau

Vom unternehmenseigenen Laborservice profitierten Biogasproduzenten, Viehhalter, Ackerbauer, Obstbauer, Winzer, Gärtner und Weihnachtsbaumanbauer, denn dieser Service ermögliche eine passgenaue und individuelle Steuerung der Fütterung und Düngung. In den Geschäftsfeldern für Obst- und Weinbau erhöhten sich die Umsätze. Der Agrarumsatz erreichte 38,2 Millionen Euro (plus 0,7 Prozent). Die vermarkteten Getreide- und Ölsaatenmengen stiegen auf 68.000 Tonnen an. Im Reifenhandel wurden das Montage- und Endkundengeschäft sowie der Großhandel neu geordnet, so Mitgeschäftsführer Kurt Gentges. Alle Geschäftsaktivitäten erfolgten nunmehr durch die Konzerntochter Reifenzentrale Becker GmbH an den Geschäftsstellen Bitburg und Ormont, die damit verbundenen Umsatz- und Ergebniserwartungen hätten sich erfüllt. „In einem schwierigen Marktumfeld wurde die Umsatzentwicklung durch ein rückläufiges Neuausrüstungsgeschäft und erheblichem Preisdruck im Zweitausrüstungsmarkt belastet“, so Gentges. Der Umsatz belief sich auf 12,6 Millionen Euro.

Stabile Entwicklung im Baustofffachhandel

Den Baustofffachhandel kennzeichnete eine stabile Umsatzentwicklung mit 8,1 Millionen Euro. „Mit der stärkeren Hinwendung auf die energetische Gebäudesanierung durch unsere zertifizierten Energieberater haben wir bewusst auf Großaufträge verzichtet. Im Wohnungsaltbestand konnten durch die Spezialisierung auf den Bautenschutz und die Ausbauelemente Marktanteile bei Renovierungs-, Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen gewonnen werden“, berichtete die Geschäftsführung. Die Entwicklung des Einzelhandels in den Raiffeisen-Märkten stagnierte. Trotz Umsatzstagnation wirkten die Optimierungsanstrengungen in den Fachmärkten für Garten, Tier und Freizeit sich positiv auf den Ertrag aus. Der Geschäftsbereich Raiffeisen-Markt erreichte einen Umsatz von 5,3 Millionen Euro. Um auf Zukunft und auf Dauer die „grüne Genossenschaft“ erfolgreich weiterzuentwickeln, seien qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, Innovationen, regionale Verbundenheit und Leistungsfähigkeit ausschlaggebende Faktoren, ergänzte Splonskowski. „Unser Dank für das im Jahr 2013 Geleistete gilt ausdrücklich unseren Mitarbeitern. Auch in der Zukunft werden wir weitere markt- und strukturbedingte Herausforderungen gemeinsam bewältigen müssen. Dabei besteht für die Steigerung der Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit eine gute Ausgangssituation. Wir wollen qualifiziert und serviceorientiert das genossenschaftliche Angebot in den bestehenden Geschäftsbereichen zum Nutzen unserer Mitglieder und Kunden verbessern und ausbauen“ resümierte Splonskowski zum Abschluss der Vorstellung der Unternehmensentwicklung.

Bei der Ackerbautagung in Rheinbacher Waldhotel erläuterte der Parlamentarische Staatssekretär Peter Bleser die Ziele der Bundesregierung in der Agrarpolitik.Foto: JOST

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