Politik | 23.05.2014

Senioren sprechen mit Grünen-Ratsmitgliedern über Barrierefreiheit

„Lebensgefährliche Wege“

Barrierefreiheit: Dem Fußverkehr in Remagen fehlt es oft an Barrierefreiheit. privat

Remagen. Zu einer Informationsveranstaltung zum Themenfeld „Demographischer Wandel und barrierefreie Stadt“ lud die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen am Sonntagvormittag in die Weinstube der Curanum Seniorenresidenz in Remagen ein. Vor einem zahlreich erschienen, zumeist älterem Publikum legte zunächst Grünen-Fraktionssprecher Frank Bliss die Herausforderungen dar, die sich für Remagen durch den demographischen Wandel zukünftig ergeben werden. Da die Römerstadt trotz umfangreicher neu ausgewiesener Baugebiete in den letzten zehn Jahren leicht an Bevölkerung verloren habe, sei es wichtig, sich planerisch auf die gut erschlossene Kernstadt sowie die Kerngebiete der Ortsteile zu konzentrieren. Hier müssten für Jung und Alt bezahlbare Wohnungen geschaffen werden.

Überbauung mit Folgen

Jede Investition in Neubauten auf der grünen Wiese sei eine Investition, die zukünftig den Innenbereichen fehlen würde, ganz abgesehen von den Umweltfolgen, wenn weiterhin wertvolles Ackerland zubetoniert würde. Diesbezüglich wies der Grünen-Sprecher auf die Folgen von immer häufigerem Starkregen hin, die in Remagen zum Beispiel bereits mehrfach zur Überflutung des Unkelbaches geführt hätten. Da jeden Tag in Deutschland rund 100 Hektar Land zersiedelt würden, davon 50 Hektar oder eine halbe Million Quadratmeter überbaut, habe dies erheblichen Einfluss auf ganze Flusssysteme wie das des Rheins mit möglicherweise verheerenden Folgen. Abgesehen von den negativen Auswirkungen auf die Umwelt sei eine vorausschauende Konzentration der Stadtentwicklung auf die Ortskerne auch angesichts der älter werdenden Bevölkerung notwendig.

Barrierefreies Wohnen und gute Nahversorgung

So müsste daran gedacht werden, den Menschern nicht nur barrierefreie Wohnungen zur Verfügung zu stellen, sondern auch eine gute Nahversorgung zu sichern, Ärzte im Wohnumfeld und natürlich ein guter öffentlicher Personennahverkehr. Das Stichwort „Barrierefreiheit“ wurde in einem kurzen Beitrag von Ratsmitglied Karin Keelan aufgegriffen, die ein gut geeignetes Analyse- und Bewertungssystem für den Grad der Barrierefreiheit und damit Bürgerfreundlichkeit einer Stadt vorstellte. Danach sei weder der Fußverkehr in Remagen sonderlich barrierefrei noch die städtischen Dienstleistungen. An Sitzungen der meisten städtischen Gremien im Rathaus könne ein Gehbehinderter jedenfalls nicht teilnehmen. Sehr kritisch äußerte sich die Grünen-Vertreterin über die derzeit ständig geschlossene Behindertentoilette in der Remagener Marktpassage, die nur mit einem Spezialschlüssel zugänglich sei. „Einen solchen Schlüssel hat aber weder ein Mensch, der sich das Bein gebrochen hat, noch eine Mutter, die schnell einmal ihr Baby wickeln muss. Und wer als Gehbehinderter auf die Toilette muss, kann sich auch nicht an den Öffnungszeiten der städtischen Touristeninformation orientieren“, so Karin Keelan.

Lebhafte Diskussion

Am Thema mangelhafte Barrierefreiheit entzündete sich eine lebhafte Diskussion, zu der viele der Anwesenden eigene Erfahrungen beitragen konnten. „Ich kann in Remagen keinen Bus benutzen, ich komme einfach nicht die Stufen hoch“, sagte eine ältere Dame. Als ganz besonders ärgerlich wertete ein Herr die Tatsache, dass in Remagen Baustellen in keiner Weise für Gehbehinderte abgesichert seien. „Eine Baustelle mit einer Barriere, wo ich dann mit einem Rollator langkomme, ist denen egal“, so der diesbezügliche Hinweis. Ganz besonders kritisiert wurde in der Runde der Zugang zum nahen Einkaufszentrum. Hier habe man einen direkten Fußzugang von der Innenstadt aus mit geringem Gefälle schlichtweg vergessen. Dass neben der steilen Treppe ein noch steilerer Weg gebaut worden sei, bedeute für ältere Menschen, die hier versuchten etwa mit einem Rollator hinunterzugehen, geradezu Lebensgefahr. „Dieser Weg muss schnellstmöglich gesperrt werden“, so die Forderung der Diskussionsrunde. Karin Keelan und Frank Bliss versprachen denn auch, das Problem unverzüglich der Verwaltung vortragen zu wollen. Im Anschluss an die Veranstaltung trafen sich die Grünen-Ratsmitglieder noch zu einer Fraktionssitzung aus aktuellem Anlass der geplanten Schließung des Kaisers-Verbrauchermarktes in der Remagener Fußgängerzone.

Pressemitteilung

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Remagen

Barrierefreiheit: Dem Fußverkehr in Remagen fehlt es oft an Barrierefreiheit. Foto: privat

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