Politik | 10.12.2013

Rheinbacher Stadtrat beschließt einstimmig

Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Zusammen mit der Gemeinde Alfter soll eine Integrierte Gesamtschule errichtet werden

Ließem. Einstimmig bestätigte der Rheinbacher Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung die geplante Kooperation mit der Gemeinde Alfter zur Errichtung einer Integrierten Gesamtschule. Diese soll, wie bereits berichtet, im Schuljahr 2014/15 als fünfzügige Ganztagsschule an den Start gehen - wenn die notwendigen Anmeldezahlen von mindestens 100 Fünftklässlern erreicht werden.

Das ist allerdings nur zu schaffen, wenn eine beträchtliche Anzahl von Schülern aus der benachbarten Gemeinde Alfter sich an der neuen Schule anmelden. Mit der Errichtung einer Integrierten Gesamtschule in Rheinbach müssen allerdings sowohl die Gemeinschaftshauptschule als auch die Tomburg-Realschule aufgelöst werden. Der Schulbetrieb läuft dort dann weiter, bis die derzeitigen Fünftklässler ihren jeweiligen Schulabschluss geschafft haben. Auch das bestätigte der Rat einstimmig.

Doppelstandort in Rheinbach

Standort der neuen Integrierten Gesamtschule soll Rheinbach sein. Die für einen Start mit fünf Zügen notwendigen Raumkapazitäten seien vorhanden, wenn man die Hauptschule und die Tomburg-Realschule zu einem Doppelstandort zusammenfasse. Nach dem vorläufigen Rahmenkonzept, das den Titel „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ trägt, soll der Start der Schule in der Gemeinschaftshauptschule erfolgen und dort für mindestens drei Jahre bleiben. Anschließend werde man klären müssen, an welchen Standorten die Unter- und Mittelstufe sowie die Oberstufe untergebracht werden sollen.

Dies werde in Abhängigkeit vom Raumbedarf und möglichen Kooperationen mit anderen Schulen entschieden. Für den Bau eventuell notwendiger neuer Räume an den Standorten der Gesamtschule habe die Stadt Rheinbach die finanziellen Grundlagen geschaffen, denn in der Finanzplanung sei ein Gesamtbetrag von etwa sechs Millionen Euro in den künftigen Jahren berücksichtigt.

Abgesegnet wurde dabei auch eine Vereinbarung mit der Nachbarkommunen, die den Alfterern noch ein Hintertürchen offen lässt für eine Dependance am Standort der jetzigen Hauptschule Oedekoven: Sollte sich die Gesamtschule in Trägerschaft der Stadt Rheinbach ab dem Schuljahr 2015/16 über sechs Züge hinaus entwickeln und dort eine größere Anzahl an Kindern aus der Gemeinde Alfter angemeldet sein, stellen Rheinbach und Alfter einen weiteren Standort in Dünstekoven auf.

Das sei eine sinnvolle Klausel, mit der die Stadt Rheinbach sehr gut leben könne, berichtete der Erste Beigeordnete Dr. Raffael Knauber. Er zeigte sich überzeugt: „Wenn die Gesamtschule erst einmal am Start ist, wird sie ein Erfolgsmodell - und dann ist zumindest eine Sechszügigkeit nicht unrealistisch.“

Alle Bildungsgänge und Abschlüsse möglich

In der künftigen Gesamtschule sollen alle Bildungsgänge möglich sein und alle Abschlüsse erworben werden können. Auch das Abitur in neun Jahren (G9), wobei schnellere Schüler dies auch bereits in acht Jahren schaffen können.

Man geht von Klassengrößen bis zu 30 Kindern aus, wobei integrative Lerngruppen lediglich 25 oder 26 Kinder umfassen sollen. Das Kollegium soll sich aus Lehrer zusammen setzen, die aufgrund ihrer Qualifikationen alle Lehrämter abdecken können.

Für die CDU fasste Fraktionschef Bernd Beißel die Historie noch einmal zusammen. Der frühere Rektor der Gemeinschaftshauptschule bestätigte zum wiederholten Male, dass die Hauptschule auch in Rheinbach ein Auslaufmodell sei. Schon seit vielen Jahren sei ein zunehmender Trend festzustellen, dass Eltern ihre Kinder in einem Gymnasium oder einer Realschule anmelden, selbst wenn die Schullaufbahnempfehlung der Grundschule das nicht hergebe.

Vielfalt der Schullandschaft nachhaltig sichern

„Die rot-grüne Landesregierung hat der Hauptschule den Todesstoß versetzt“, behauptete der Christdemokrat mit Hinweis darauf, dass die Verbindlichkeit des Grundschuld-Gutachtens außer Kraft gesetzt und der Probeunterricht am Gymnasium abgeschafft worden sei. Das habe zu einem Ausbluten der Hauptschulen und zu überlaufenen Gymnasien und Realschulen geführt. Mit der Entscheidung, in Rheinbach zusammen mit Alfter eine Integrierte Gesamtschule zu errichten, wolle man die Vielfalt der Schullandschaft in der Glasstadt nachhaltig sichern und dazu beitragen, dass Rheinbach seinen guten Ruf als Schulstadt der Region behalte.

„Diese Sache ist für die Zukunftsfähigkeit der Stadt Rheinbach entscheidend“, unterstrich auch Folke große Deters (SPD). Er fühlte die schon vor Jahren erfolgte Entscheidung seiner Partei für die Gesamtschule bestätigt und lobte die CDU für ihren Mut, die Gesamtschule mitzutragen. Allerdings sei der erste Versuch 2012 wohl noch zu früh gekommen, denn die Akzeptanz in der Elternschaft sei damals noch nicht vorhanden gewesen. Doch mittlerweile würden die tief greifenden Veränderungen der Schullandschaft immer klarer, und mittlerweile riefen auch aktive Eltern nach der Gesamtschule, für deren Gründung es sogar eine Initiative gebe.

Für Schüler zwischen den Schulformen

Er sehe in der neuen Schulform ein gutes Angebot für Rheinbach und seine Schulstruktur, aber auch für jedes Kind, das sich dort anmelde. Vor allem für diejenigen Schüler, die „zwischen den einzelnen Schulformen“ seien, werde damit ein attraktives und wichtiges Angebot geschaffen. Deters hoffe auf einen produktiven Wettbewerb zwischen den Schulformen Gymnasium und Gesamtschule.

Allerdings widersprach der SPD-Vorsitzende Beißels Behauptung, die rot-grüne Landesregierung sei am Ausbluten der Hauptschule schuld: „Das ist kein von der SPD geschaffenes Problem.“ Für die Sozialdemokraten stehe vielmehr der Elternwille im Vordergrund und nicht die Ansicht der Lehrer. Er sehe in der neuen Schulform eine Verbesserung für alle Schüler in Rheinbach, „ohne die bislang hervorragende Arbeit von Hauptschule und Realschule infrage zu stellen.“ Von der Einführung der Gesamtschule profitierten am Ende alle Schüler. Denn auch die Gymnasien würden gewinnen, weil sich die Fluktuation innerhalb der Klassen dort verringere und die Stabilität der Klassengemeinschaften stärker werde.

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