Bürgerversammlung der Grünen zur B 9 zwischen Remagen und Bad Breisig und der Bergstraße in Remagen
Mehr Sicherheit, weniger Lärmbelästigung
Rund 60 Interessierte folgten der Einladung zum Thema
Remagen. Zu einer hochinteressanten Bürgerversammlung hatten vor Kurzem die Grünen Remagen eingeladen. Thema des Abends, zu dem gut 60 Bürger, viele Anwohner der B 9 und der Bergstraße kamen, waren vor allem die Lärmbelästigungen und die von der B 9 ausgehenden Gefahren. Eingangs galt der Gruß von Stadträtin Karin Keelan, auch im Namen von Grünen-Fraktionsvorsitzendem Frank Bliss, Stadtrat Volker Thehos und Ortsbeirätin Bettina Fellmann den gut 60 Interessierten sowie den beiden Landtagsabgeordneten Eveline Lemke (Grüne) aus Bad Bodendorf und Guido Ernst (CDU) aus Bad Breisig. Als weitere Gäste wurden die Stadtbürgermeisterin von Bad Breisig, Gabriele Hermann-Lersch, Beigeordneter Bernd Kriechel aus Sinzig, Beigeordneter Rolf Plewa aus Remagen, Wolfgang Kistner als Ortsvorsteher von Westum und Michael Berndt als Ortsvorsteher von Rolandswerth begrüßt.
„Die zahlreich erschienenen Gäste zeigen, dass das Thema unter den Nägeln brennt“, übergab Karin Keelan das Wort an Frank Bliss. Bliss betonte, dass es für die Rennstrecke Bergstraße-Birresdorfer Straße bereits seit acht Jahren die Forderung nach Tempo 30 gebe. Nun gelte zumindest das Tempo 30 in den schlimmsten Kurven.
Das Nachtverkehr-Verbot für Lkw gebe es bereits seit zehn Jahren. Eine Anfrage der Grünen habe ergeben, dass kein Lkw über 7,5 Tonnen die B 9 befahren dürfe, wenn er nicht aus dem Kreis Ahrweiler sei oder im Kreis Ahrweiler beliefere. Seit 2009 gebe es keine Ausnahmegenehmigungen mehr, habe der Landesbetrieb Mobilität bestätigt. Dennoch komme es immer wieder gerade in der Bergstraße zu lebensgefährlichen Situationen.
Lkw-Verkehr in Remagen hat um 14 Prozent zugenommen
Volker Thehos legte für die B 9 Verkehrszählungen offen. So wurde die Bundesstraße in Remagen von fast 18.000 Fahrzeugen täglich befahren, davon 836 Lkw, die B 9 in Bad Breisig von 21.000 Fahrzeugen, davon 1.102 Lkw. Von 2003 bis 2015 habe der Lkw-Verkehr in Remagen um 14 Prozent zugenommen. Über die katastrophalen Verkehrszustände in der Bergstraße sprachen die beiden Anwohner Guido Acker und Walter Goergen und von der B 9 im Bereich Jahntunnel und Jahntunnel Richtung Bonn berichteten Axel Friedrich. Alle drei schilderten lebhaft die ständigen Gefahrenmomente entlang der B 9 oder in der Bergstraße. Tempoüberschreitungen würden sie täglich erfahren, ebenso wie das Ausweichen von Fahrzeugen, entweder auf den Seitenstreifen der B 9 oder gar in der Bergstraße auf den Bürgersteig. Als eine der möglichen Lösungen schlugen sie Hochbürgersteige vor, um die Fahrbahn zu verengen und die Fußgänger zu schützen. Zudem seien die Bürgersteige in der Bergstraße teilweise zu schmal.
Bemühungen bisher gescheitert
Alle Bemühungen zur Abwendung der Gefahrenmomente seien bisher gescheitert. Geschwindigkeitsmessanlagen seien an den falschen Stellen aufgestellt worden. Guido Acker und Walter Goergen übergaben an die beiden Landtagsabgeordneten eine Unterschriftensammlung, in der die Anwohner für mehr Sicherheit und weniger Lärmbelästigung plädieren.
Robert Kolle, Stadt- und Ortsbeirat aus Sinzig, betonte, dass, wenn auch Sinzig nicht direkt an der B 9 liege, Bürger aus der Stadt Probleme mit dem Durchfahrtsverkehr auf der B 9 hätten. Vielleicht würde es Sinn machen, so Kolle, die aus Richtung Bad Breisig kommend geltenden 80 km/h bis nach Remagen und natürlich auch umgekehrt zu belassen.
Bad Breisigs Stadtbürgermeisterin Hermann-Lersch schlug vor, dass die Städte Remagen, Sinzig und Bad Breisig sich gemeinsam eine mobile Messanlage für etwa 120.000 Euro anschaffen könnten.
Einen sehr interessanten Beitrag lieferte Susanne Fofana, die seit vier Jahren in Rolandswerth wohnt und sich dort sehr für die Verkehrssicherheit einsetzt. Sie arbeitet beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat, kennt sich in der Thematik aus und gab wertvolle Tipps, die von Kreisellösungen bis hin zu bepflanzten Mittelstreifen und Verkehrsinseln reichten. Sie riet, immer wieder konkrete Forderungen an die entsprechenden Stellen wie Landesbetrieb Mobiliät und Verkehrsministerium zu stellen. Irgendwann müsse reagiert werden.
Einigkeit angemahnt
Eveline Lemke riet vor allem dazu, dass sich alle Beteiligten einig sein sollten. Sie legte Wert auf einen politischen Konsens, um etwas zu erreichen. Beispielsweise würden Verkehrsinseln als Lösungsmöglichkeit vom Verkehrsministerium bevorzugt. Als Info gab sie noch weiter, dass das Land zehn mobile Geschwindigkeitsmessanlagen anschaffe, die in Koblenz stationiert würden. Guido Ernst erhöhte auf weitere drei festinstallierte Messanlagen bei der Anschaffung des Landes, riet aber zu eigenen Anlagen der drei Städte Remagen, Sinzig und Bad Breisig, denn bei der Anzahl der Städte und Verbandsgemeinden in Rheinland-Pfalz seien diese einfach zu wenig.
Sehr interessant fanden die Bürger die Fotomontage von Volker Thehos, der einen Kreisel an der B 9 an die Bergstraße platziert hatte. Bei einem Verkehrsaufkommen bis 25.000 Fahrzeuge handele es sich um einen kleinen Kreisel mit einem Durchmesser von bis zu 40 Metern, ähnlich wie der an der Joseph-Rovan-Allee (Südeinfahrt Remagen). Von den 32 Konfliktpunkten bei Verkehr aus vier Seiten sei der Kreisel eine gute Lösung, denn dann gebe es nur noch acht Konfliktpunkte. Weitere Vorteile seien ein guter Verkehrsablauf, mehr Gleichberechtigung unter den Verkehrsteilnehmern und eine vorteilhafte Einbindung in das Umland. Auch die Vertreter aus Bad Breisig sahen für sich ähnliche Lösungen. So gab es bei der Bürgerversammlung eine ganze Reihe von Lösungen, die zur Geschwindigkeitsbegrenzung, zur Gefahrenentschärfung und zur Lärmreduzierung beitragen. Dazu gehören Geschwindigkeitsmessungen, bauliche Veränderungen wie Mittelstreifen und Hochborde, Kreisel, Verkehrsinseln, Tempobeschränkungen und das Durchsetzen von Fahrverboten.
Vorschläge sammeln und den Verantwortlichen vorlegen
Bezüglich des Lkw-Verkehrs wusste der Leiter der Polizeiinspektion Remagen, Ralf Schomisch, zu berichten, dass die Beschilderung für die Lkw an den Autobahnabfahrten stünden. Kontrollen auf der B 9 hätten ergeben, dass zwei Drittel bis vier Fünftel der Lkw berechtigt die B 9 befahren würden. Ein Gefahrenschwerpunkt sei weder an der Bergstraße noch an der Pfarrer-Sachsse-Straße gegeben. Ganz wichtig sei es, einen gemeinsamen Konsens zu schaffen, und eine durchgängige Lösung für die B 9 von Bad Breisig bis nach Remagen wäre der richtige Weg, für den man einen langen Atem brauchen würde.
Als Fazit aus der Versammlung ist vor allem festzuhalten, dass man mit vereinten Kräften aus Remagen, Sinzig und Bad Breisig quer durch alle Parteien realisierbare Vorschläge sammeln und den Verantwortlichen beim Landesbetrieb Mobilität und dem Verkehrsministerium vorlegen will. Als Nächstes werden die Grünen einen gemeinsamen Termin mit allen Fraktionen anberaumen, um einen gemeinsamen Weg für Lösungen zu suchen. AB
Grünen-Fraktionsvorsitzender Frank Bliss, Stadtrat Volker Thehos und Stadträtin Karin Keelan (v.l.).Foto: -AB-
Fotomontage für einen Kreisel an der B 9 zur Bergstraße. Foto: Volker Thehos
