Politik | 26.11.2013

Rheinbacher Schulausschuss votierte für Gesamtschule

Mit Alfter zusammen will Rheinbach eine Integrierte Gesamtschule gründen

Anlassbezogener Schulentwicklungsplan sieht Gesamtschule als einzig sinnvolle Lösung an

Rheinbach. Einstimmig votierte der Rheinbacher Schulausschuss in seiner jüngsten Sitzung für die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule. Diese soll bereits im Schuljahr 2014/15 als fünfzügige Ganztagsschule an den Start gehen - wenn die notwendigen Anmeldezahlen von mindestens 100 Fünftklässlern erreicht werden. Dabei war dem Gremium klar, dass dies nur dann zu erreichen sei, wenn eine beträchtliche Anzahl von Schülern aus der Gemeinde Alfter sich an der neuen Schule anmelden.

Deshalb wurde die Verwaltung beauftragt, mit der Nachbarkommune, die vor dem gleichen Problem steht, über eine Gesamtschul-Kooperation zu reden und die entsprechenden Verträge auszuarbeiten. Sollte die Gemeinde Alfter allerdings keinen Wert auf die Zusammenarbeit legen, müsse man auch in Rheinbach völlig neu denken, denn allein werde man die geforderten 100 Anmeldungen wohl nicht zustande bringen.

Hauptschule und Realschule würden geschlossen

Ein Nebeneffekt, der mit dieser Entscheidung unmittelbar verbunden ist, lag den Ausschussmitgliedern allerdings schwer im Magen. Mit der Errichtung einer Integrierten Gesamtschule in Rheinbach müssen nämlich sowohl die Gemeinschaftshauptschule als auch die Tomburg-Realschule aufgelöst werden.

Der Schulbetrieb läuft dort allerdings weiter, bis die derzeitigen Fünftklässler ihren jeweiligen Schulabschluss geschafft haben.

Zuvor hatte Schulentwicklungsplaner Wolf Krämer-Mandeau von der Projektgruppe Bildung und Region (Bonn) den anlassbezogenen Schulentwicklungsplan für die Stadt Rheinbach vorgestellt: „Unser Votum geht eindeutig zur Gesamtschule“, fasste er seine Untersuchungsergebnisse zusammen.

Dafür gebe es unter Einbeziehung von Alfter ein Potenzial von 145 Schülern pro Jahrgang, womit eine Fünfzügigkeit auf Dauer zu erreichen sei. Die dafür notwendigen Raumkapazitäten seien ebenfalls vorhanden, wenn die Hauptschule und die Tomburg-Realschule zu einem Doppelstandort zusammengefasst werden. Wenn sich allerdings herausstelle, dass dauerhaft sechs Züge pro Jahrgang benötigt würden, wäre wohl ein Anbau nötig.

Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Nach dem vorläufigen Rahmenkonzept, das den Titel „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ trägt, soll der Start der Schule in der Gemeinschaftshauptschule erfolgen und dort für mindestens drei Jahre bleiben.

Anschließend werde zu klären sein, an welchen Standorten die Unter- und Mittelstufe sowie die Oberstufe untergebracht werden sollen. Dies werde in Abhängigkeit vom Raumbedarf und möglichen Kooperationen mit anderen Schulen entschieden. Für den Bau neuer Räume an den Standorten der Gesamtschule habe die Stadt Rheinbach die finanziellen Grundlagen geschaffen, denn in der Finanzplanung sei ein Gesamtbetrag von etwa sechs Millionen Euro in den künftigen Jahren berücksichtigt.

In der künftigen Gesamtschule sollen alle Bildungsgänge möglich sein und alle Abschlüsse erworben werden können. Auch das Abitur in neun Jahren (G9), schnellere Schüler sollen dies auch in acht Jahren schaffen können. Ausgegangen wird von Klassengrößen bis zu 30 Kindern, wobei integrative Lerngruppen lediglich 25 oder 26 Kinder umfassen sollen. Das Kollegium soll sich aus Lehrern zusammensetzen, die aufgrund ihrer Qualifikationen alle Lehrämter abdecken können.

Die beste Wahl für Rheinbach

CDU-Sprecher Joachim Schneider fühlte sich durch die Ergebnisse des anlassbezogenen Schulentwicklungsplanes in seiner Entscheidung bestärkt, die Integrierte Gesamtschule zu befürworten. Es sei auf jeden Fall klar, dass die Sekundarschule keine Alternative für Rheinbach sei.

„Die Gesamtschule ist die beste Wahl für unsere Stadt, und ich sehe auch keine Konkurrenz zu den Gymnasien darin, sondern eine weitere Chance für Eltern und ihre Kinder.“ Wichtig sei aber, dass die Zusammenarbeit mit Alfter zustande komme, was derzeit noch nicht klar sei. „Wir müssen alles dafür tun, um die mit ins Boot zu holen“, appellierte er an die Verwaltungsspitze. Denn nur, wenn genügend Eltern aus Alfter ihre Kinder in der Rheinbacher Gesamtschule anmelden würden, könne das ganze Vorhaben funktionieren. „Wir müssen den Alfterern klarmachen, dass wir hier sehr viel zu bieten haben und insgesamt ein guter Schulstandort sind.“

Produktiver Wettbewerb erhofft

Auch Folke große Deters (SPD) fühlte die Entscheidung seiner Fraktion für die Gesamtschule bestätigt. Allerdings sei der erste Versuch wohl noch zu früh gewesen, denn die Akzeptanz der Elternschaft sei damals nicht vorhanden gewesen.

Doch mittlerweile würden die tief greifenden Veränderungen der Schullandschaft immer klarer, und mittlerweile riefen auch aktive Eltern nach der Gesamtschule, für deren Gründung es sogar eine Initiative gebe. Er sehe in der neuen Schulform ein gutes Angebot für Rheinbach und seine Schulstruktur, aber auch für jedes Kind, das sich dort anmelde. Vor allem für diejenigen Schüler, die „zwischen den einzelnen Schulformen“ seien, werde damit ein attraktives und wichtiges Angebot geschaffen. Auch er hoffe auf einen produktiven Wettbewerb zwischen den Schulformen Gymnasium und Gesamtschule.

Für die UWG freute sich Jörg Meyer über die ersten positiven Rückmeldungen seitens der Eltern zur Gesamtschule. Die kämen auch nicht von ungefähr, denn die Gesamtschul-Initiative habe mit ihrer Aufklärungs- und Informationsarbeit viel für das Projekt getan. Dr. Nils Lenke (Grüne) warnte hingegen davor, das Fell des Bären zu verteilen, bevor er erlegt sei.

Denn ohne die Mitwirkung von Alfter reiche es voraussichtlich nicht, und diese Kooperation sei wohl noch nicht in trockenen Tüchern. Nach seinen Informationen seien die Alfterer Kommunalpolitiker noch längst nicht so weit, ihren Schulstandort aufzugeben. Und Christina Mekelburger, die Vorsitzende der Stadtelternpflegschaft, warnte davor, diejenigen Eltern bei den Überlegungen außer Acht zu lassen, die sich gegen eine Gesamtschule ausgesprochen hätten.

Begabungsgerechtes Angebot für alle Schüler

FDP-Sprecherin Tamara Vogt legte Wert auf die Feststellung, dass die geplante Gesamtschule ein begabungsgerechtes Angebot für alle Schüler ermögliche. Für ihre Begriffe sei es vernünftig, eine Gesamtschule in den beiden vorhandenen Gebäuden der Hauptschule und der Realschule zu errichten, „damit können wir alle nur gewinnen.“

Der erste Beigeordnete Dr. Raffael Knauber erklärte, es wurde mit der Gemeindeverwaltung von Alter schon über die Eckpunkte einer möglichen Zusammenarbeit geredet. Nun müsse der dortige Gemeinderat noch davon überzeugt werden, dass es für Rheinbach und Alfter eine „Win-win-Situation“ sei, wenn es zu einer gemeinsamen Gesamtschule in Rheinbach komme. Er zeigte sich zuversichtlich, dies zu erreichen.

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