Politik | 08.04.2025, 14:46 Uhr

Freie Wähler sprechen sich für eine nachhaltige Forstwirtschaft im Stadtwald aus – keine Zustimmung für ideologische Forstpolitik

Moderne Forstwirtschaft legt Grundlage für nachhaltige Jahrhunderte

Walter Minning. Fotos: privat
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Koblenz. Wer sich im Stadtwald bewegt, stellt unweigerlich fest, dass der Wald sich in den letzten Dekaden grundlegend verändert hat. Rund um den Remstecken sehen Wanderer, Jogger und Spaziergänger viele kahle Stellen, die vor Jahrzehnten noch dicht bewaldeten Tann hatten. Insofern war der Tagesordnungspunkt der jüngsten Sitzung des städtischen Forstausschusses spannend. Setzt die Stadt auf Zertifizierung oder moderne Forstwirtschaft ohne Ideologie?

Als größter kommunaler Forsteigner hat die Stadt Koblenz eine besondere Verantwortung gegenüber den Wäldern im vorderen Hunsrück, auf den Westerwaldanfängen oder Taunusausläufern. Aufgrund dessen hat die Stadt auch einen eigenen Forstausschuss, in dem die Ratsmitglieder mit den Förstern und Vertretern von LandesForsten über die Zukunft des Waldes entscheiden. Denn ein Baum, der im Jahr 2025 gepflanzt wird, prägt erst in 2075 oder 2125 den Wald. Daher sind die Probleme der Gegenwart auch aus der Vergangenheit kommend.

Nun wurde im Forstausschuss debattiert, ob die Stadt zukünftig ihren Forst per Dekret der „Naturland“-Zertifizierung oder nach FSC-Standard bewirtschaftet, oder gar gänzlich auf eine Vorgabe verzichtet. „Die Mehrheit im Forstausschuss hat sich für gesunden Menschenverstand und somit nachhaltige Forstwirtschaft ausgesprochen“, erklären die Ausschussmitglieder Walter Minning und Bernd Wefelscheid für die Freie Wähler-Ratsfraktion. Beide weisen darauf hin, dass der Stadtwald bereits seit Jahren nach PEFC zertifiziert sei und die Kriterien des Klimaangepassten Wald-Management (KWM) erfülle. „Eine weitergehende Zertifizierung nach FSC oder Naturland macht in Zeiten von Klimaproblemen keinen Sinn. Bei anhaltender Trockenheit in Verbindung mit Starkregenereignissen oder Schädlingsbefall hilft unserem Stadtwald kein weiteres Zertifikat, sondern aktives Handeln der Forstpartie“, erklärt Minning. „Zertifizierungen, die das verantwortungsvolle Handeln der Förster per Vorgaben von NGO’s einschränken, bringen uns nicht weiter.“

Freie Wähler weisen darauf hin, dass der Ausschluss klimaresilienter Baumarten und ausschließlich auf heimische Baumarten zu setzen, keine Zukunft haben wird. „Wir sprechen im Forst nicht von Dekaden, wir sprechen von Jahrhunderten, bis unsere Entscheidungen von heute sich entfalten. Insofern ist Ideologie im Forst fehl am Platz“, unterstützt das langjährige Forstausschussmitglied Wefelscheid. „Der Forst muss flexibel bleiben, auch mal etwas ausprobieren dürfen bei der Auswahl zukünftiger Baumarten.“

Für die Forstpolitiker der Freie Wähler ist klar, dass Monokulturen jeglicher Art vermieden werden müssen. Eiche und Buche haben nach Ansicht der Waldkenner Minning und Wefelscheid einen schweren Stand, die Fichte als dereinst tragende Säule der Forstwirtschaft habe gänzlich keine Zukunft mehr. Aufgrund auch weit auseinanderklaffender Klimaprojektionen sei die Auswahl von Zukunfts-Bäumen schwierig, waldbauliche Entscheidungen heute könnten langfristige Folgewirkungen haben. „Der Wald ist auch ein Wirtschaftsbetrieb, insofern brauchen wir auch Alternativen wie Douglasie oder Lärche, um den Nutzholzbedarf zu decken.“

Eine nachhaltige Forstwirtschaft für Generationen muss auch offen bleiben für Baumarten, die in ihren Herkunftsbereichen schon lange mit den klimatischen Gegebenheiten, die auf uns zukommen könnten, gedeihen: Türkische Tanne, Nordmanntanne, Spitzahorn, Edelkastanie, Atlaszeder, Libanonzeder, Baumhasel, Schwarzkiefer, Gelbkiefer, Zerreiche, Ungarische Eiche oder Flaumeiche könnten bei uns als weitere Arten gepflanzt werden. „Da ist die Fortwirtschaft gefragt, um die geeigneten Standorte zu finden. Bei einer Zertifizierung nach Naturland müsste jede Baumart einzeln genehmigt werden“, informiert Minning und führt weiter aus: „Wir würden uns in ein Korsett zwingen lassen, bei dem uns FSC oder Naturland vorschreiben, was wir in unserem Wald zu tun und zu lassen haben.“

Insofern sei der mit deutlicher Mehrheit gefasste Beschluss in der letzten Sitzung des Forstausschusses richtig gewesen. „Gegen den rot-grün-dunkelroten Block, setzte die bürgerliche Mitte auf eine vernunftgetriebene Forstwirtschaft, ohne weitere Zertifikate und ein Mehr an Bürokratie. Nur so gibt es Verbesserungen für den Stadtwald“, schließen Walter Minning und Bernd Wefelscheid in einer Pressemitteilung der Freie Wähler-Ratsfraktion.

Pressemitteilung

Freie Wähler

Stadtratsfraktion Koblenz

Bernd Wefelscheid.

Bernd Wefelscheid.

Walter Minning. Fotos: privat

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