Politik | 02.11.2026, 10:03 Uhr

Freie Wähler scheitern im Kreistag von Ahrweiler mit Antrag auf neues Gutachten zu Schülerzahlen

„Neutrale Untersuchung“ blieb nur ein Wusch

Die Einrichtung einer IGS an der Regionalen Schule Brohltal wurde bereits im März vom Kreistag abgelehnt. Jetzt scheiterte auch ein FWG-Antrag auf eine neue neutrale Untersuchung der Schülerzahlen im Kreis Ahrweiler.  Foto: GS
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Kreis Ahrweiler. Im März hat der Kreistag von Ahrweiler den Antrag der Freien Wähler auf Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) an der Regionalen Schule Brohltal in Niederzissen abgelehnt. Dies unter anderem mit der Begründung des beratenden „biRegio“-Planungsbüros in schulpolitischen Entscheidungen, dass „eine „IGS Niederzissen die IGS Remagen empfindlich tangieren würde“.

Bei der FWG kamen nach den neusten Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen des Kreises jedoch Zweifel an den Aussagen des Planungsbüros auf. Reiner Friedsam begründete daher im Kreistag den neuen Antrag der FWG so: Es gehe nicht um einen Standort einer IGS, sondern darum, ein bestehendes Gutachten durch ein unabhängiges Fachbüro aktualisieren zu lassen, „um eine belastbare Grundlage für die Zukunft zu haben“.

FWG-Kreistagsmitglied und Brohltal-Bürgermeister Johannes Bell wurde konkret: „Die Entscheidung für eine weiterführende Schule ist eine für die gesamte Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wichtige grundlegende Entscheidung. Im aktuellen Schuljahr 2026/2027 wurde im Landkreis Ahrweiler bei insgesamt 86 Schüle (64 IGS Remagen, 20 Are-Gymnasium und 2 Rheingymnasium Sinzig) dem Wunsch nach der weiterführenden Schule nicht entsprochen.“ Die Folge sei eine sogenannte Schülerlenkung, was bedeute, dass die Schüler zwangsweise einer anderen und nicht der gewünschten Schule zugewiesen würden. Bell: „Dieses Ausmaß mit insgesamt vier Schulklassen kannte der Kreis Ahrweiler bisher nicht. Daher ist es geboten, diese Situation und die zugrundeliegenden Ursachen neutral und ergebnisoffen zu untersuchen, was durch eine Fortschreibung des vorliegenden Gutachtens der Firma ‚biRegio‘ aus dem Jahr 2025 mit einem vertretbaren finanziellen Aufwand von 6000 Euro möglich ist.“

Unterstützung von der SPD

Unterstützung gab es da von Christoph Schmitt für die SPD-Fraktion: „Die Zahlen zeigen, wir lagen mit dem Wunsch nach einer zweiten IGS richtig.“ Doch das war’s auch schon an positiver Resonanz für die FWG. Für Ulrich van Bebber (FDP) „bringt ein neues Gutachten keine neuen Erkenntnisse“, sondern koste nur Steuergeld. Und Martin Kallweitt (AfD) wollte auch „keinen alten Wein in neuen Schläuchen“. Für Matthias Heeb von den Grünen „ist das Thema ausführlich besprochen“. Er unterstellte der FWG gar eine Strategie beim Thema IGS: „Dann sitzen wir jedes Jahr hier. Ein weiteres Gutachten bringt uns nicht weiter.“ Natalie Baum brachte für die CDU den demografischen Wandel ins Spiel - „Es wird immer weniger Schüler geben“ – räumte aber die Möglichkeit ein, „nach dem Wiederaufbau die Regionale Schule Niederzissen in die Trägerschaft des Kreises zu übernehmen.“

So führte denn auch Landrätin Cornelia Weigand zusammenfassend aus: „Es stehen grundsätzlich ausreichend Schulplätze in den weiterführenden Schulen im Landkreis zur Verfügung. Soweit in Einzelfällen keine ausreichenden Schulplätze an der Wunschschule zur Verfügung stehen, ist dies durch die Schulleitungen in Zusammenarbeit mit der Schulaufsicht zu lösen. Durch die demografische Entwicklung werden die Schülerzahlen in den kommenden zehn Jahren spürbar sinken, mit der Folge, dass mittelfristig im Rahmen der Schulentwicklung eher über Leerstand diskutiert werden wird. Alleine die Tatsache, dass 64 Schüler an der IGS Remagen keinen Schulplatz erhalten konnten, begründet nach Ansicht der Schulaufsicht und auch des Ministeriums für Bildung noch kein schulisches Bedürfnis für die Errichtung einer weiteren IGS im Landkreis Ahrweiler.“

Antrag abgelehnt

Aufgrund dieser Erkenntnisse werde eine aktualisierte Schulentwicklungsprognose von „biRegio“ mit hoher Wahrscheinlichkeit zu keiner anderen Einschätzung als bisher kommen, auch vor dem Hintergrund, dass das Ministerium für Bildung und die Schulaufsicht der ADD an ihrer Auffassung festhalten und nach wie vor kein schulisches Bedürfnis für eine weitere IGS im Landkreis Ahrweiler sehen. So wurde der FWG-Antrag mit 19 zu 24 Stimmen abgelehnt. Wobei sich Kreistagsmitglieder aus dem Brohltal parteiübergreifend hinter das Begehren der FWG stellten.

Die Folge des Beschlusses: Nach der Ablehnung einer IGS im Brohltal, der nach Bad Neuenahr-Ahrweiler einwohnerstärksten Kommune im Kreis, gibt es nun auch keine neuen Zahlen. Dafür nach wie vor weite Fahrstrecken für die Schüler in der Verbandsgemeinde Brohltal, die morgens zu Uhrzeiten angetreten werden müssen, zu denen sich in den Städten „noch mal umgedreht wird“. GS

Die Einrichtung einer IGS an der Regionalen Schule Brohltal wurde bereits im März vom Kreistag abgelehnt. Jetzt scheiterte auch ein FWG-Antrag auf eine neue neutrale Untersuchung der Schülerzahlen im Kreis Ahrweiler. Foto: GS

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