Ein Wohnmobilstellplatz in Wierschem spaltet das Dorf
Nun hat der Investor das Projekt gecancelt
Wierschem. Auf einem etwa 18 Hektar großen Grundstück am Ortseingang von Wierschem gelegen, wollte ein Investor einen Wohnmobilstellplatz bauen. Seine Idee, die noch nicht wirklich spruchreif gewesen sei, habe er aus dem Bauch heraus getroffen, so der Investor, der nicht namentlich genannt werden möchte. Ebenso aus dem Bauch heraus, nehme er nun Abstand von dem Projekt. „Solange es unter den Einwohnern von Wierschem keine Einigung gibt“, macht das keinen Sinn“, sagt er. „Ich habe keine Lust mich in Zukunft ständig rechtfertigen zu müssen“, begründet er. Denn sein Vorhaben sollte schließlich dem gesamten Dorf zugute kommen. Der Plan sei zwar noch nicht ausgereift gewesen, hätte aber zusammen mit einer angrenzenden Gastronomie und Biergarten, sowie einer Einkaufsmöglichkeit für den Tagesbedarf der Wierschemer Einwohner, für alle Bürger einen Mehrwert gebracht. Diese Investition sollte den Ort beleben, und ihn für Touristen und Einwohner auch in Zukunft attraktiv halten. Erfreut sei er darüber gewesen, dass seine Idee von Ortsvorsteher Michael Kopp und dem Gemeinderat begeistert aufgegriffen worden seien und auch verschiedene Gremien der Verbandsgemeinde Polch und des Tourismus Verbandes das Projekt unterstützt hätten. „Diese Investition sollte dazu beitragen, den schönen Eifelort zu beleben und den Tourismus weiter zu fördern“, sagt der Mann. Alle hätten sich davon positive Synergie-Effekte auch für die Einwohner des 350-Seelen Ortes versprochen.
„Contra Campingplatz“ Kampagne
„Schnell wurden jedoch Stimmen - federführend von neu zugezogenen Bürgern der Gemeinde Wierschem gegen dieses Vorhaben laut“, erzählt der Mann, der bereit war, viel Geld für das Projekt in die Hand zu nehmen. Faktenlose, nicht in Bezug auf das genaue Vorhaben stehende Argumente seien via Presse und im Internet verbreitet worden. Das direkte Gespräch mit dem Bürgermeister, dem Gemeinderat oder dem Investor habe seinerzeit niemand gesucht. „Gleichzeitig wurde eine „Contra Campingplatz“ Kampagne gestartet, die jeglicher Grundlage entbehrte“, ist der Investor überzeugt.
Projekt ohne konkrete Argumente im Vorfeld bereits „totgeprügelt“
Enttäuscht über den Rückzug des Investors ist auch Ortsbürgermeister Michael Kopp. „Andererseits kann ich ihn gut verstehen. „Ich möchte auch nicht vor die Tür gehen und möglicherweise von Leuten angepöbelt werden.“ Dass dies zu befürchten wäre, kann sich den Ortsvorsteher nach dem massiven Widerstand gegen das Projekt gut vorstellen. „Die Art und Weise und mit welchen unlauteren Mitteln versucht wurde, ein Projekt, zu dem es noch keine konkrete Planung gab, zunichte zu machen, ist für mich erschreckend. So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt“, empört sich der Ortschef. Er erzählt, die Gegner seien durchs Dorf gelaufen und hätten die Menschen aufgeschreckt. Insbesondere ältere Mitbürger hätten sich besorgt an ihn gewandt.
Die „Anti-Campingplatz-Kampagne in den sozialen Medien grenze seiner Meinung nach schon an Cyber-Mobbing. „Dass ein zukunftsweisendes Projekt ohne konkrete Argumente im Vorfeld bereits „totgeprügelt“ wurde, ärgert den Bürgermeister, zumal im Vorfeld niemand der Kritiker das direkte Gespräch mit ihm gesucht habe. Kopp ist überzeugt, dass der Wohnmobilstellplatz eine Bereicherung für den Ort gewesen wäre. „In Verbindung mit dem Traumpfad und der Burg Eltz, wäre das eine tolle Ergänzung gewesen“, sagt Kopp.
„Auch ein Landgasthof und ein Hofladen hätten davon profitieren können“, ist der Ortsvorsteher überzeugt. „Wohnmobilisten kaufen gerne regionale Produkte aus ihrer Urlaubsregion ein und kehren auch in die örtliche Gastronomie ein“, weiß Kopp, dass die Gäste im Schnitt rund 40 Euro pro Tag in ihrem Feriendomizil lassen. „Natürlich habe ich auch ein gewisses Verständnis für diejenigen, die in unmittelbarerer Nähe zu dem Grundstück wohnen“, sagt Kopp. Allerdings gehe der Verkehr in Richtung Burg Eltz ohnehin dort vorbei. Und das sei nicht wenig. „Allein vergangenes Jahr zählte die Burg Eltz 10.000 Besucher und das wird künftig nicht weniger werden“, weiß der Ortsvorsteher. Viele reisten mit Wohnmobilen an. „Die suchen sich ihren Platz jetzt woanders – und Wierschem geht leer aus“, bedauert er. Der Wierschemer Ortschef hofft, dass eine derart aggressive Kampagne, wie die gegen den geplanten Stellplatz, künftige Investoren nicht abschrecke. „Angst vor derartigen Gegenwind könnte so manch potenziellen Interessenten vergraulen.“
