Politik | 21.09.2017

Europäische Akademie stellte Ergebnisse für den Kreis Ahrweiler vor

Nur mit der Nutzung von Windenergie ist das hochgesteckte Ziel zu erreichen

Wie kann die Energiewende auf kommunaler Ebene umgesetzt werden? – Bis 2030 soll der Stromverbrauch bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden

In der Europäischen Akademie stellten v.li. Stefan Gustav von der Kreishandwerkerschaft, Mareike Schulz von der Kreisverwaltung, Dr. Markus Vogler und Dr. Bert Droste-Franke vom Projektteam die Ergebnisse des Projektes „EnAHRgie“ vor.JOST

Kreis Ahrweiler. Ein großes Potenzial für erneuerbare Energien und interkommunale Kooperationen im Kreis Ahrweiler sieht das Bundesforschungsprojekt EnAHRgie. An der Europäischen Akademie angesiedelt, untersucht das Projekt die Umsetzbarkeit der von der Bundesregierung propagierten Energiewende am Beispiel des Kreises Ahrweiler. Anhand dieser Modellregion sollen Wege für eine nachhaltige Gestaltung der Landnutzung und Energieversorgung auf kommunaler Ebene aufgezeigt werden. Jetzt gab es einen vorläufigen Abschlussbericht.

Der Wunsch nach Engagement im Bereich der Erneuerbaren Energien bestehe im Kreis Ahrweiler bereits seit Langem, berichtet Projektmitarbeiter Dr. Markus Voge von der Europäischen Akademie. Man könne gut an bereits bestehende Konzepte anknüpfen, etwa an die integrierten Klimaschutzkonzepte einiger Verbandsgemeinden und Städte. Zudem solle auch die Landesgartenschau 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler klimaneutral durchgeführt werden. „Doch die bisherigen Aktivitäten reichen bei Weitem nicht aus, um das Ziel des Kreistags zu erreichen: Den Stromverbrauch im Kreis Ahrweiler bis 2030 bilanziell zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu decken.“

Energiekonzept für den Kreis Ahrweiler erarbeitet

Deshalb erarbeiteten regionale Akteure und Wissenschaftler im Projekt EnAHRgie ein Energiekonzept für den Kreis Ahrweiler, das helfen soll, diese Ziele zu konkretisieren und zugleich die Möglichkeiten und Chancen im Landkreis darzulegen. Bei ihren Analysen haben die Projektmitarbeiter vor allem die Verfügbarkeit von Flächen, rechtliche Einschränkungen und auch die Wetterbedingungen hinsichtlich Wind und Sonne berücksichtigt, um Ziele für die zukünftige Energieversorgung durch Erneuerbare Energien zu definieren. Für jede Kommune wurden eigene Szenarien erstellt, die mögliche Zukunftsvisionen abbilden – auch unter dem Blickpunkt der Kosteneffizienz. Dabei kam heraus, dass es regional unterschiedliche Potenziale für den Einsatz von Erneuerbaren Energien gibt. Die Szenarien stellen dem Status Quo auf Basis von 2013 mögliche Alternativen gegenüber, neben dem maximal erreichbaren Potenzial auch weniger ambitionierte Optionen.

In Sachen Stromversorgung gebe es regional unterschiedliche Potenziale, heißt es in dem Bericht. So müssten etwa die Städte von den umliegenden Gemeinden mitversorgt werden. Die Szenarien veranschaulichten allerdings, dass insbesondere der verstärkte Einsatz von Windenergie es ermöglichen könnte, das ausgegebene Ziel zu erreichen: Den Strombedarf bis 2030 bilanziell zu 100 Prozent durch Erneuerbare Energien zu decken. Dafür seien kreisweit rund 55 Windrädern mit jeweils drei Megawatt Leistung notwendig.

Nur mit Windenergie machbar

Allerdings könnten viele der für die Untersuchung berücksichtigten Freiflächen wegfallen, etwa aufgrund von Artenschutz oder weil technische Anlagen wie das Radioteleskop in Effelsberg Einschränkungen mit sich brächten. Auch andere alternative Technologien wie etwa die Fotovoltaik oder die Kraft-Wärme-Kopplung seien in den Szenarien bedeutende Stromlieferanten, so Voge, könnten jedoch allein den Energiebedarf im Kreis nicht vollständig decken. Selbst wenn sämtliche geeigneten Dächer mit Fotovoltaik-Modulen ausgerüstet würden, könnte ein Versorgungsgrad von 100 Prozent ohne den Ausbau von Windenergie nicht erreicht werden. Verhältnismäßig gering seien auch die Potenziale zur Energiegewinnung aus Biogas, Klärgas oder Wasser.

„Während bei Strom eine Überproduktion Sinn macht, um Speicherverluste auszugleichen und die regionale Wertschöpfung zu stärken, kann Wärme kaum importiert oder exportiert werden“, hielt Voge entgegen. Hier könne eine 100-prozentige Deckung des Energiebedarfs durch Erneuerbare Energien nicht gewährleistet werden. Allerdings habe man den Aufbau zusätzlicher Wärmenetze aufgrund unzureichender Daten nicht berücksichtigen können. Diese seien jedoch zu empfehlen, um die Effizienz und den Anteil Erneuerbare Energien zu steigern. In den Ergebnissen fällt allerdings auch auf, dass insbesondere Energieeffizienzmaßnahmen wie eine bessere Gebäudedämmung den Wärmebedarf deutlich einschränken könne. Dies stehe im Gegensatz zum Stromsektor, auf dem nur mit geringen Einsparungen aufgrund von Effizienzmaßnahmen zu rechnen sei.

Mögliche Einbußen für den Tourismus kompensieren

Als mögliche Nachteile für den verstärkten Einsatz von Windenergie sehen die Forscher unter anderem einen, wenn auch geringen, Wertverlust bei Immobilien und mögliche Einbußen für den Tourismus. Letztere könnten sich auf bis zu 5 Millionen Euro pro Jahr insgesamt summieren. Allerdings sehen die Projektmitarbeiter auf der anderen Seite auch die Chance, das Thema Elektromobilität für den Tourismus greifbar zu machen und somit eine zusätzliche touristische Attraktion zu schaffen. „Emissionsfreier Verkehr vor idyllischer Landschaftskulisse mit E-Bikes und E-Autos, die durch sauberen und vor Ort produzierten Strom aufgeladen werden, könnte einen Imagegewinn für die Tourismusregion Ahrweiler bedeuten.“

Da die Nutzung von Windenergie unter den derzeitigen Rahmenbedingungen ohnehin im Kreis Ahrweiler eingeschränkt sei, sollten nach Ansicht der Projektmitarbeiter die vielfältigen Optionen anderer erneuerbare Energien und von Effizienzmaßnahmen genutzt werden. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, bedürfe es einer festen Struktur zu Begleitung der weiteren Schritte hin zu einer lokalen Energiewende, bei der alle Akteure im Kreis kontinuierlich beteiligt werden müssten.

Ergebnisse müssen noch diskutiert und umgesetzt werden

Dafür müssten die vorliegenden Projektergebnisse allerdings in den verschiedenen Gremien des Landkreises noch diskutiert und deren Umsetzung beschlossen werden. Dazu habe es bereits am 5. September ein „Forum der Kommunen“ gegeben, bei dem etwa 60 Bürgermeister, Ortsbürgermeister und Ratsmitglieder Bedenken, Anregungen und Fragen zu den Projektergebnissen diskutiert und erste Vorschläge zur Umsetzung eingebracht hätten. Die Ergebnisse sollen in Arbeitsgruppen und den Gremien weiter bearbeitet und der Öffentlichkeit auf der Abschlussveranstaltung präsentiert werden, die für Mittwoch, 6. Dezember vorgesehen ist.

Zuvor werden für Freitag, 24. November alle Mitglieder der am Projekt beteiligten Verbände und Vereine des Landkreises Ahrweiler eingeladen, um gemeinsam Umsetzungsvorschläge für die Energiewende zu erarbeiten. Einen Tag später gibt es ein „Vernetzungstreffen“, für das an der Energiewende interessierte Akteure aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft eingeladen werden. Vorgelagert seien zahlreiche Einzelaktionen und Treffen mit den unterschiedlichsten Akteuren, etwa eine Veranstaltung mit Jugendlichen zur Darstellung der Energiewende in den Sozialen Medien oder ein Treffen mit den Tourismusorganisationen zum Thema Elektromobilität. Auf dem Vernetzungstreffen sollen auch weitere Ideen gesammelt werden, wie sich die Akteure in die Verstetigung der Energiewende einbringen wollen. JOST

In der Europäischen Akademie stellten v.li. Stefan Gustav von der Kreishandwerkerschaft, Mareike Schulz von der Kreisverwaltung, Dr. Markus Vogler und Dr. Bert Droste-Franke vom Projektteam die Ergebnisse des Projektes „EnAHRgie“ vor.Foto: JOST Foto: Volker Jost

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