Politik | 21.05.2021

Neun Monate nach dem verheerenden Bahnunfall in Niederlahnstein

Oberbürgermeister Labonte wiederholt seine Forderungen an die Deutsche Bahn

OB muss aus der Zeitung erfahren, dass dem Lokführer die Triebfahrzeugführerschein entzogen wurde

Lahnstein. Mit großem Unverständnis hat Lahnsteins Oberbürgermeister auf die jüngsten Ereignisse in Bezug auf den furchtbaren Bahnunfall in Niederlahnstein vom 30. August 2020 reagiert. Er kritisiert die Deutsche Bahn wegen mangelnder Information.

„Ich habe am Wochenende aus den sozialen bzw. den Printmedien erfahren müssen, dass dem Lokführer des in Niederlahnstein entgleisten Gefahrgutzuges bereits im Oktober 2020 der Triebfahrzeugführerschein entzogen wurde.“ Eine Entscheidung, die mittlerweile durch das Oberverwaltungsgericht Münster bestätigt wurde, sodass der Lokführer aufgrund des wiederholten Fehlverhaltens und somit erwiesener Unzuverlässigkeit keine Schienenfahrzeuge mehr führen darf.

Dem Mann waren mehrfach Geschwindigkeitsverstöße nachgewiesen worden und auch am Tag des Unglücks in Niederlahnstein mit sieben umgekippten und zwei stehend entgleisten Güterwaggons überschritt der Lokführer die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Er räumte vor Gericht gar selbst ein, dass er sie bei geltenden 90 km/h um 17 km/h überschritt. Laut eigener Aussage zwar nur kurzzeitig, doch belege die Auswertung der elektronischen Fahrtenregistrierung der Zugfahrt vom 30. August, dass er „an zahlreichen und langen Abschnitten“ zu schnell unterwegs war. „Eine derartige Verhaltensweise ist aber mit der sicherheitsrelevanten Verantwortung eines Triebfahrzeugführers nicht zu vereinbaren“, lautet der OVG-Beschluss. Wenngleich das die Ursache des Bahnunglücks in Niederlahnstein noch immer nicht abschließend klärt, scheint doch einiges auf ein Fehlverhalten des Lokführers hinzudeuten. Daher hat Oberbürgermeister Labonte sich in einem Schreiben erneut an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG, Dr. Klaus Vornhusen, gewandt. In dieser Zuschrift spricht er sein Bedauern darüber aus, dass die vom Bahnunglück stark betroffene Stadt Lahnstein eine solch gravierende Information wie die Entziehung des Triebfahrzeugführerscheins für den Lokführer des Unglückszuges nicht unmittelbar von den Verantwortlichen der Bahn mitgeteilt bekommt. „Hätte denn wirklich keine Möglichkeit bestanden, die Verantwortlichen des Landkreises und der Stadt Lahnstein über diesen doch sehr bedeutenden und gravierenden Sachverhalt in geeigneter Form in Kenntnis zu setzen?“ fragt Labonte und verweist auf die – auch dank der Hilfe Dr. Vornhusens – wöchentlich eingehenden Mitteilungen der DB AG über den jeweils aktuellen Stand des Sanierungsverfahrens, über die man auch über den Entzug des Triebfahrzeugführerscheins hätte informieren können. In diesem Zusammenhang ersucht Labonte darum, dass der Konzernbevollmächtigte sich auch weiter dafür einsetzt, der Stadt Lahnstein jeweils zeitnahe und unverzügliche Informationen über alle relevanten Sachverhalte bezüglich der Zugentgleisung in Niederlahnstein zukommen zu lassen. Dass der Zug kurz vor der Entgleisung in Niederlahnstein noch mit 62 km/h statt der wohl signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h in den Weichenbereich des Lahnsteiner Bahnhofs eingefahren ist und dabei anscheinend auch noch eine falsche Bremsstellung (anstatt die untere „U“ nämlich die mittlere „M“) sowie eine falsche Zugart ausgewählt war – wodurch allem Anschein nach das Zugsicherungssystem PZB zu spät eingreifen und keine rechtzeitige Reduzierung der Geschwindigkeit mehr vornehmen konnte – nimmt Lahnsteins Oberbürgermeister zeitgleich zum Anlass, erneut auf die generelle Forderung aller Städte und Gemeinden im engen Mittelrheintal hinzuweisen: die Reduzierung der Zuggeschwindigkeiten auf maximal 50 km/h! Eine Forderung, die von den Verantwortlichen der DB AG immer noch mit dem Hinweis abgelehnt wird, dies hätte für die Bahn negative Auswirkungen zur Folge und führe zu deutlichen Kapazitätsverlusten auf den betroffenen Strecken. Etwas, das Peter Labonte nicht nachvollziehen kann, denn hier gehe es nicht um noch mehr Wirtschaftlichkeit für die Deutsche Bahn AG, sondern vor allem um die Sicherheit und die Gesundheit der Menschen im Rheintal. Gerade ein Schreckensereignis wie der verheerende Zugunfall in Niederlahnstein, bei dem 180.000 l Diesel ausgetreten sind – von denen sich 40 bis 50 Prozent noch immer im Boden befinden – solle die Verantwortlichen zum Umdenken bewegen. So zeige dieser Unfall in Niederlahnstein und auch ganz aktuell der Hangrutsch bei Kestert sehr deutlich die permanente und unkalkulierbare Gefahr auf, in der sich die Menschen entlang der Bahnstrecke im Mittelrheintal tagtäglich befinden. „Wir leben hier an einer der gefährlichsten Bahnstrecken in ganz Deutschland. Ich appelliere daher erneut und mit Nachdruck, als Sofortmaßnahme für den Zugverkehr im Mittelrheintal eine spürbare Reduzierung der Zuggeschwindigkeiten in den Städten und Gemeinden auf maximal 50 km/h vornehmen zu lassen! Zudem fordere ich im Namen der Stadt Lahnstein, insbesondere im innerörtlichen Bereich keine so genannten Entrostungsfahrten von mit Gefahrgut beladenen Güterzügen mehr über zusätzliche Weichen zuzulassen und bitte Sie, dies abermals an die verantwortlichen Stellen der Bahn, des Landes Rheinland-Pfalz und des Bundes weiterzuleiten“, wiederholt Oberbürgermeister Labonte in seinem Schreiben die Forderungen, die nicht nur die seinen, sondern auch die vieler weiterer Menschen im Mittelrheintal sind.

Pressemitteilung

Stadtverwaltung Lahnstein

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