Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt tagte
Politik diskutiert Stadtentwicklung
Wissenschaftler stellen umfangreiches Zahlenwerk vor
Meckenheim. Warum es ist, wie es ist - das erfuhren die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt in der letzten Woche, als Petra Heisig von der Firma empirica einmal ausführlich darstellte, wie sich die Ist-Entwicklung von Meckenheim hinsichtlich Wirtschaft, Einwohnern und Wohnungsmarkt entwickelt hat, und gleichzeitig einen Ausblick auf das Jahr 2030 gab.
Dies vor allem auch hinsichtlich der Aspekte des benötigten Bauvolumens, der Einwohnerentwicklung und der Altersstruktur. Zahlen, welche Politik und Verwaltung als Entscheidungsgrundlage benötigen.
In ihrer Einführung machte Petra Heisig dabei klar, dass Wohnungssuche sich nicht anhand von Stadtgrenzen orientiert. Aus diesem Grund hat man Meckenheim gemeinsam mit Rheinbach und Swisttal zum westlichen Kreisgebiet zusammengefasst.
Starkes Wirtschaftswachstum
Was positiv auffällt, ist das starke Wirtschaftswachstum und die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, seit 2007 stieg deren Zahl in Meckenheim um 17 Prozent. Dies trifft jedoch auf alle Kommunen zu, in Meckenheim ist der Anstieg sogar etwas unter dem Schnitt.
Beim Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern ging es in Meckenheim erst seit 2013 richtig los, und auch bei den Mehrfamilienhäusern herrschte bis 2012 in der Apfelstadt eine regelrechte Flaute, seitdem steigt die Zahl jedoch sehr deutlich.
Einwohnerzahlen steigen seit 2013 deutlich
Das alles muss im Zusammenhang mit der Entwicklung der Einwohnerzahlen gesehen werden, bis 2009 ging diese in Meckenheim stetig zurück, seit 2013 sind sie jedoch deutlich steigend. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Einwohnerzahl von Bonn nach wie vor deutlich steigt und der Wohnraum dort teurer wird. Inzwischen gibt es viele Menschen, die in Bonn arbeiten, aber im Rhein-Sieg-Kreis wohnen und täglich nach Bonn pendeln, davon profitiert auch Meckenheim.
Bedarf an Wohnraum verändert sich
Auch der Bedarf an Wohnraum verändert sich sehr deutlich. Das hängt auch damit zusammen, dass von einer klassischen Vier-Personen-Familie in einer Wohnung spätestens dann, wenn die Kinder erwachsen werden, auf einmal drei Wohnungen benötigt werden. Meckenheim profitiert hierbei von der günstigen Lage zu Bonn, die zuziehenden Personen senken den Schnitt in der Altersstruktur der in der Stadt lebenden Menschen. Meckenheim weist dabei besonders viele Menschen in hohem Alter auf sowie solche, die bald in dieses Alter kommen.
Ein Drittel aller Wohnungen stammt aus den 1980er Jahren
Auffällig und statistisch gut nachweisbar sind dabei die vielen Personen, welche vor 30 bis 45 Jahren ins Eigenheim gezogen sind, also im Zeitraum von 1970 bis 1985. Es liegt nahe, anzunehmen, dass es sich dabei vor allem um viele ehemalige Bundesbeamte handeln wird. Dies bedeutet aber auch im Umkehrschluss, dass ein Drittel aller Wohnungen aus den 1980er Jahren stammt und hier sicherlich der eine oder andere Renovierungsbedarf oder das Thema energetische Sanierung ansteht.
Günstige Mieten im Vergleich zum Umland
Meckenheim hatte einst den Ruf, die teuerste Stadt Deutschlands zu sein, die Mieten spiegeln das nicht wieder. In den letzten vier Jahren stieg die Miete im Schnitt von sechs auf 6,50 Euro pro Quadratmeter, das ist günstiger als im westlichen Kreisgebiet oder auch im Schnitt des gesamten Rhein-Sieg-Kreises und deutlich billiger als in Bonn, wo die Mieten im gleichen Zeitraum von acht auf 8,50 Euro gestiegen sind.
Die Kaufpreise für Einfamilienhäuser haben dagegen deutlich angezogen, hier macht sich der Zuzug der jungen Familien bereits bemerkbar, und Meckenheim liegt über dem Schnitt des Rhein-Sieg-Kreises. Im Fazit bedeutet dies, dass es bis 2011 eine Stagnation am Wohnungsmarkt gab aufgrund einer sehr geringen Bauleistung, was eine Abwanderung junger Familien in die Nachbargemeinden zur Folge hatte und entsprechend einen Einwohnerrückgang.
Gesteigerte Bauleistung seit 2012
Seit 2012 wurde die Bauleistung gesteigert, es gibt einen starken Zuzug aus Bonn, und die Nachfrage nach Häusern ist immer noch hoch. Viele Häuser, die in den 80er Jahren gebaut wurden, werden bis 2040 auf den Markt kommen, da die Bewohner versterben werden.
Bevölkerung wird schrumpfen und altern
Die Entwicklung der nächsten Jahre ist dabei durchaus prognostizierbar; so wird es mehr 70-Jährige geben, weniger 20-Jährige und weniger 50-Jährige. Ohne weiteren Neubau wird es keinen Zuzug geben, denn die Bevölkerung wird schrumpfen und altern. Ohne den Wiederbezug frei werdender Häuser wird weiterer Neubau nötig sein, wobei sich die Frage stellt, was mit den alten Häusern geschieht.
Die Politik muss sich auch die Frage stellen, ob sie Neubauwohnungen für Senioren als Alternative zum heutigen Haus forcieren will, und die Stadt muss sich entscheiden, ob sie diese oder andere Wege alleine gehen will oder in Kooperation mit den Nachbarkommunen. STF
