Grünen-Kreistagsmitglieder wehren sich gegen politische Unvereinbarkeiten
Politische Irrwege: Bienenwiesen und Autobahnen
„Landrat Dr. Jürgen Pföhler hat es auf die Spitze getrieben“
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Bienen und Insekten scheinen zurzeit vielen Politikern und Parteien am Herzen zu liegen. Egal ob Christian Lindner (FDP) oder Markus Söder (CSU): Kurz vor der Europawahl entdecken auch Personen und Parteien das Thema Artenvielfalt, denen ökologische Themen bislang eher fremd waren.
Auf die Spitze getrieben hat das Landrat Dr. Jürgen Pföhler, wenn er an einem Tag gleichzeitig die Bevölkerung im Kreis Ahrweiler über die Presse dazu auffordert, emsig ihren einen Quadratmeter Bienenwiese mit den von der Kreissparkasse verteilten Samen anzulegen, am selben Tag aber vor versammelten Unternehmern den größten Eingriff in bisher unberührte Natur einfordert, der derzeit im nördlichen Rheinland-Pfalz überhaupt möglich ist, den „Lückenschluss“ der Autobahn A1. Durch den Bau der unnötigen Autobahn, die den Schwerlastverkehr von großen Teilen Europas durch den Kreis Ahrweiler anziehen soll, werden fast 32 Hektar Wald und Wiesen unmittelbar unter Beton und Asphalt kommen. 64 Hektar Land, so steht es im Planentwurf, werden zudem abgeholzt und zu Böschungen oder Dämmen verarbeitet. Weitere 52 Hektar Land, ebenfalls zum Teil Wald, werden schließlich durch die Baumaßnahmen wie zum Beispiel Zugangsstraßen gerodet und damit weitgehend ihrer biologischen Funktion beraubt. Zusammen will Dr. Pföhler also fast 150 Hektar Natur dem Autobahnwahn opfern. Hinzu kommen die massiven, nicht ausgleichbaren Eingriffe in den Wasserhaushalt im Quellbereich der Ahr, in bisher verbundene Biotope, die durch die Autobahn zerschnitten werden, und natürlich auch in das Landschaftsbild.
Gesetz des Falls, 10.000 Haushalte im Kreis Ahrweiler säen ihren Quadratmeter Bienenwiese auch wirklich, dann kommt damit ein einziger Hektar aufgewertetes Land zusammen, verteilt auf 10.000 Standorte. Natürlich wäre es sehr erfreulich, wenn engagierte Bürger die verteilten Wildblumensamen wirklich aussäen würden, jeder Quadratmeter mit Bienennahrung ist einer mehr als bisher.
Jedem Beteiligten, vor allem auch denen, die weitaus mehr tun, als ihren „Landratsquadratmeter“ zu bepflanzen, fällt allerdings der Landrat in den Rücken, wenn er – unterstützt dabei auch von der Kreistagsmehrheit – mehr als das Hundertfache dessen zerstören lassen will, was er derzeit aufzubauen hofft.
Pressemitteilung der
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag des Kreises Ahrweiler
