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Dierdorfer FDP hatte zu Expertengespräch unter dem Thema „Wolf und Jagd – muss das sein?“ eingeladen

Pro und Contra jagdliche Regulierung der Wolfspopulation

Aktuell darf der Wolf nicht bejagd werden – Forst- und Agrarleute fordern eine Regulierung der Wolfspopulation

04.09.2017 - 10:24

Dierdorf. Im Stadtteil Giershofen hat ein Wolf mehrere Dammwild-Tiere gerissen, in Leutesdorf brach ein Wolf in eine Schafherde ein. „Wolf und Jagd – muss das sein?“, war das Thema eines Expertengesprächs, zu dem die Dierdorfer FDP mit ihrem Vorsitzenden Ulrich Schreiber eingeladen hatte. Am Tisch saßen neben dem Gastgeber Forstdirektor a.D. und Kreisjagdmeister Kurt Milad, Ökonomierat Heribert Metternich (auch Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz) und die Landwirtin, Agrar-Diplomingenieurin und FDP-Bundestagskandidatin Carina Konrad aus Bickenbach im Rhein-Hunsrück-Kreis

Forstmann Kurt Milad beschrieb die aktuelle Situation der Verbreitung des Wolfs in Deutschland so: „Es gibt zurzeit über 40 Wolfsrudel mit jeweils 10 bis 15 Wölfen, Tendenz ständig steigend. In Brandenburg, in der Lausitz und anderen nördlichen und östlichen Bundesländern wurden bisher 3.500 Übergriffe von Wölfen gezählt, es sind bisher Entschädigungssummen von insgesamt 500.000 Euro geflossen. Aktuell darf der Wolf nicht bejagd werden. Nicht in allen Landesteilen Deutschlands wird der Wolf ideale Habitate finden, was ihn jedoch wegen seiner Anpassungsfähigkeit nicht an der Ausbreitung hindern wird. Die bereits bestehenden Konflikte mit dem Wolf werden sich verschärfen und möglicherweise unbeherrschbar werden. Das betrifft einerseits Nutztiere, kann aber auch jederzeit den Menschen betreffen. Das natürliche Beutespektrum des Wolfs bedingt unausweichlich eine stetig wachsende Zahl von Übergriffen auf Nutztiere. Niemand kann ausschließen, dass unter Umständen auch Menschen vom Wolf angegriffen werden.“ Kurt Milad bezeichnet es als verantwortungslos, „gut dokumentierte Übergriffe und Angriffe des Wolfs auf den Menschen in der Vergangenheit als übertrieben oder gar als Märchen abzutun“.


„Für eine jagdliche Regulierung“


Der Forstmann spricht sich für eine jagdliche Regulierung der Wolfspopulation aus, ähnlich wie bei allen anderen großen Tierarten. Es gehe nicht um eine Ausrottung des Wolfs. Es gebe weder stichhaltige juristische noch wildbiologische oder populationsökologische Gründe, weswegen der Wolf nicht auch in Deutschland planmäßig bejagd werden könne. Kurt Milad ist auch überzeugt: „Der Wolf ist nicht geeignet, das übermäßig vorhandene Schwarzwild zu reduzieren. Aber er rottet das Muffelwild aus, je dichter ein Gebiet besiedelt ist.“

Heribert Metternich wurde als Vorsitzender der Interessensgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer in Rheinland-Nassau zu der Veranstaltung eingeladen. Zum Thema Wolf und Landwirtschaft sagte er: „Das Thema ist ganz wichtig und nicht frei von Spannungen. Ich sehe die Jagd als unverzichtbar an, auch als Bestandteil des Eigentumsrechts an Grund und Boden. Das Jagdrecht gehört jedem Grundstückseigentümer in Deutschland. Zu den Spannungsfeldern gehören die Schäden durch Schwarzwild und die Wiederansiedlung des Wolfs. Das bereitet uns auch Sorgen. Die Schäden, die der Wolf verursacht, entstehen hauptsächlich bei Schafen und Ziegen, aber es sind auch schon Rinder zu Tode gekommen. Da fängt man in der Politik an, drüber nachzudenken, dass man zumindest ein Regulativ schafft. Wenn der Wildwuchs mit Wölfen richtig Platz greift und die urbanen Gebiete des Menschen tangiert werden – das hat bis jetzt noch keiner so richtig erforscht und auch nicht erlebt.“

Anders vermutlich als der eine oder andere Nutztierhalter. Carina Konrad, selbst Bäuerin auf einem Hof im Hunsrück, sagt: „Die Landwirte brauchen mehr Unterstützung und Sicherheit, der Wolf muss reguliert werden, er muss ins Jagdrecht aufgenommen werden. Die von ihm verursachten Schäden müssen, anders als beim Schwarzwild, von den Ländern und nicht von den Jägern getragen werden.“ Die FDP-Politikerin wünscht sich, dass die Beweislast bei Wolfsschäden umgekehrt wird: Nicht der Tierhalter soll nachweisen müssen, dass ein Wolf seine Tiere gerissen hat, sondern die zuständigen Behörden sollen versichern, dass es kein Wolf war.


„Weg von der ideologischen Debatte um das ‚Fabelwesen‘“


Carina Konrad plädiert dafür, im Gespräch über den Wolf, der sich ausbreite, nicht die Augen vor den Tatsachen zu verschließen. Man müsse wegkommen von der ideologischen Debatte um dieses „Fabelwesen“. Schlimm findet sie auch, wenn aufgrund des Jagd- beziehungsweise Tötungsverbots für den Wolf sich nach einem Verkehrsunfall, wenn ein Tier angefahren wurde, sich niemand traut, es von seinem Leid zu erlösen. Carina Konrad: „Das ist nicht besonders tierfreundlich!“ Im Zuge einer artgerechten Tierhaltung werde von den Bauern verlangt, dass sie ihre Tiere auf der Weide halten. Auf der anderen Seite sei klar, dass sich der Wolf von anderen Tieren ernähre. Die Weidetiere aber seien eingezäunt und könnten vor dem Wolf nicht flüchten. Den Landwirten vergehe die Lust an der Landwirtschaft, wenn sie morgens mit Angst auf die Weide gehen, weil sie befürchten müssen, dass ein Wolf ihre Tiere gerissen hat. Man wolle den Wolf nicht ausrotten, aber das Recht haben, verhaltensauffällige Tiere zu regulieren, die näher als 200 Meter an Wohnbebauungen gehen oder regelmäßig Weidetiere reißen. Von einer Bestandsregulierung, wie Forstdirektor Kurt Milad sie fordert, will Carina Konrad noch gar nicht sprechen. Im Anschluss an die Vorträge der Experten bei dem Treffen im Waldhotel Dierdorf wurde noch lange über die verschiedenen erfreulichen und kritischen Aspekte der Wiederverbreitung des Wolfs in unserer Region debattiert.

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04.09.2017 18:37 Uhr
Tom Schulze-Helmke

Wenn die FDP zu Pro und Contra Wolf einlädt ist das Ergebnis schon vorher klar. Übrigens gibt es viele Forstleute die die Rückkehr der Wölfe begrüßen weil sie Wild und Wald gesund halten. Die passen aber nicht in diese "Expertenrunde" In unser Facebookgruppe "Schützt die Wölfe" festigt die FDP so zwar ihren Ruf als Jägerpartei macht sich aber keine Freunde unter Naturschützern.



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Kommentare
Karsten Kocher:
Den Worten im Leserkommentar von Frau Schulz ist zuzustimmen: Der Hang zur immer wiederkehrenden eitlen Selbstdarstellung bei Jan Bollinger ist an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten.
Uwe Klasen:
„Das Betreiben von Parteiausschlußverfahren …. Ein äußerst seltsames Demokratieverständnis“ --- So wie in der SPD gegen Herrn Sarrazin oder in der CDU gegen Frau Schirdewahn oder die Forderungen bei den Grünen bezüglich Herrn Palmer. Einem liberalen Demokraten wird dabei Angst und Bange!
Patrick Baum:
Politische Sacharbeit ist auch nicht so wirklich das Ding von Jan Bollinger. Als Beisitzer im Landesvorstand der AfD Rheinland-Pfalz treibt er dafür umso lieber Parteiausschlußverfahren (PAV) gegen parteiinterne Kritiker voran. Christiane Christen oder Jens Ahnemüller sind hier nur zwei Opfer dieser Maßnahmen mit oft fragwürdigen Begründungen. Meistens scheitern diese Parteiausschlußverfahren dann auch. Aber Hauptsache der Ruf der beschuldigten Personen ist erstmal beschädigt worden. Ein äußerst seltsames Demokratieverständnis des Herrn Bollinger.
Uwe Klasen:
Ironischer Weise empfiehlt das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), der sogenannte Weltklimarat, zur Lösung des, angeblich "menschengemachten", Klimawandels den verstärkten Ausbau der Kernenergie und das Weltweit.
Jürgen Nugel :
Die Ausrufung des sog. Klimanotstandes schafft Unsicherheiten und schürt Ängste. Eine ideologisch getriebene Aktion und ein Irrweg!
Helmut Gelhardt:
Für das Weltklima und die Umwelt ist die Pseudo-Umweltkompetenz der Koblenzer AfD völlig unerheblich. Und das ist gut so!
Martin Esser:
Hervorragende Arbeit der AfD-Stadtratsfraktion.
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