Politik | 09.02.2018

Grafschafter Planungsausschuss beschäftigt sich mit Hochwasserschutz

Regenrückhaltebecken statt Brücke soll die Dörfer am Nierendorfer Bach schützen

Drei Maßnahmen wurden im Vorgriff auf das Hochwasserschutzkonzept auf den Weg gebracht

Grafschaft. Einstimmig gab der Grafschafter Bau-, Planungs- und Dorfentwicklungsausschuss den Entwurfsplanungen für drei bedeutende Hochwasserschutzmaßnahmen seine Zustimmung. Im Vorgriff des gerade entstehenden Hochwasserschutzkonzeptes soll mit diesem Dreiklang erreicht werden, dass die Bürger von Nierendorf und auch die Einwohner der unterhalb liegenden Ortschaften künftig von Hochwasserkatastrophen wie der vom 4. Juni 2016 verschont bleiben. Zunächst ging es um das geplante zusätzliche Hochwasserrückhaltebecken an der Stelle, wo derzeit die Behelfsbrücke über den Nierendorfer Bach die Ortschaften Birresdorf und Leimersdorf verbindet. Die ursprüngliche Brücke im Zuge der Landesstraße L79 war von den Fluten beim Starkregenereignis im Juni 2016 fortgerissen worden. Doch anstatt einfach eine neue Brücke an die alte Stelle zu setzen, hatte die Gemeindeverwaltung eine bessere Idee. Jetzt soll ein neuer Damm errichtet werden, der ein Stauvolumen von etwa 80.000 Kubikmetern besitzt und im Fall eines erneuten Starkregens die unterhalb liegenden Ortschaften zwischen Nierendorf und der Ahrmündung schützen soll. Der insgesamt elf Meter hohe Damm soll die neu zu bauende Straße auf der bachaufwärts gelegenen Seite um etwa sechs Meter überragen und auf seiner fünf Meter breiten Dammkrone einen drei Meter breiten Wirtschaftsweg aufweisen, der nach einem Vorschlag von Klaus Huse (CDU) zugleich als Radweg genutzt werden könnte.

Kaskadenbauwerk kommt hinzu

Der Landesbetrieb Mobilität (LBM), der für den Wiederaufbau der Landesstraße samt Brücke eigentlich zuständig ist, habe sich in den bisherigen Gesprächen ebenfalls von der Idee angetan gezeigt und sei bereit, mitzumachen. Das berichtete Diplom-Ingenieur Peter Terporten (Bad Neuenahr-Ahrweiler), der mit der Erstellung der Entwurfsplanung für das Gemeinschaftsprojekt von Gemeinde und LBM beauftragt wurde. Er taxiert das ganze Projekt auf etwa 2,4 Millionen Euro. Hinzu kommt noch ein geplantes Kaskadenbauwerk auf der Höhe des Hauses Dreesen, welches beim Starkregenereignis im Juni 2016 praktisch komplett zerstört worden war. Bei der Wiederherstellung eines Wirtschaftsweges, dessen Brücke ebenfalls fortgerissen worden war, soll ein zusätzlicher kleiner Damm errichtet werden mit einem weiteren Rückhaltevolumen von etwa 30.000 Kubikmetern. Dieses Projekt würde mit 550.000 Euro zu Buche schlagen, hatte Peter Terporten errechnet. Wobei noch nicht klar ist, ob es überhaupt zum Tragen kommt, weil bisher noch nicht feststeht, ob das zerstörte Wohnhaus doch wiederaufgebaut wird, wovon derzeit aber niemand ausgeht. Sollte auf einen Wiederaufbau verzichtet werden, würde die Gemeinde versuchen, das Grundstück zu erwerben und die Hausruine abzureißen, um Platz für das geplante Kaskadenbauwerk zu schaffen, so Bürgermeister Achim Juchem (CDU).

Bis der erste Spatenstich gemacht werden kann, vergehen aber noch mindestens zweieinhalb Jahre für das notwendige Planfeststellungsverfahren einschließlich der dafür erforderlichen Formalien, schätzte Peter Terporten auf Nachfrage von Hartmut Wüst (FDP). Die eigentliche Bauzeit betrage ein bis anderthalb Jahre, ergänzte Bauamtsleiter Friedhelm Moog. Er äußerte sich auch zur Förderfähigkeit der Maßnahme, die angesichts ihrer Bedeutung recht hoch sein könnte. Den Löwenanteil des Landstraßenbaus übernehme ohnehin das Land, und die Hochwasserschutzmaßnahmen würden mit mindestens 50 Prozent gefördert, sollte ihnen lediglich eine lokale Wirkung zugebilligt werden. Man wolle die zuständige Behörde aber davon überzeugen, dass es sich dabei um eine überregional bedeutende Hochwasserschutzmaßnahme handle, weil auch die darunterliegenden Ortschaften einschließlich der Kreisstadt mit ihren Ortsteilen Gimmigen und Heppingen profitieren würden. In dem Fall betrüge der Landeszuschuss 80 Prozent, zudem würde wohl die Kreisstadt zehn Prozent der Kosten übernehmen, sodass bei der Gemeinde lediglich zehn Prozent hängen blieben.

Größere Retentionsfläche entsteht

Ein zweites Projekt in diesem Zusammenhang ist die geplante Verlegung des Nierendorfer Baches in den natürlichen Verlauf seiner ehemaligen Bachaue sowie deren Renaturierung. Damit würden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen , so Friedhelm Moog, denn neben einem effektiven Hochwasserschutz für Niedernierendorf könne gleichzeitig etwas für die Renaturierung und damit die Erlebbarkeit des Baches getan werden. Dabei soll der Bachlauf von der Straße entfernt werden, sodass dadurch eine noch größere Retentionsfläche entstehe. Auch hier erhoffen die Beteiligten sich Zuschüsse von bis zu 90 Prozent, unter anderem aus der „Aktion Blau“. Die Pläne hierzu beruhen übrigens auf einer topografischen Karte des berühmten französischen Kartografen Jean Joseph Tranchot aus den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts, auf der auch das Gebiet der alten Bachaue des Nierendorfer Baches gut dargestellt erscheint.

Die dritte Maßnahme in diesem Zusammenhang ist der Umbau der Brückenstraße in Nierendorf. Hier war während des Hochwassers an der Brücke eine große Menge Holz angeschwemmt worden, was zu einem Rückstau führte und das Wasser in die umliegenden Grundstücke leitete, wo im Anschluss „Land unter“ herrschte. Mit dem vorgesehenen Umbau des Durchlasses in der Brückenstraße soll die Durchgängigkeit des Gewässers in der Bachbettsohle wiederhergestellt werden. Darüber hinaus soll der Querschnitt des Baches auf 2,4 Meter verbreitert werden, ähnlich wie bei der Brücke über die Straße „An den Linden“, damit sich dort kein Treibgut mehr fangen kann.

Derzeit ziehen zwei Ei-Profile mit jeweils 90 Zentimetern Durchmesser und einem Verbindungssteg dazwischen das Treibgut magisch an. Zudem soll der Straßenverlauf um 50 Zentimeter abgesenkt werden. Auf ein Brückengeländer, wo sich das Treibgut ebenfalls verfangen könnte, will man verzichten und dafür beidseits der Straße etwa anderthalb Meter mehr Überbau mit einer Absturzsicherung versehen. Hierfür wird alles in allem mit Kosten von 473.000 Euro gerechnet.

JOST

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