Leserbrief
Rheinbrücke durch Remagen: Vorgezogener Aprilscherz?
Nachdem die Ahrkreis-FDP wiederholt damit in die Presse gegangen ist und nun auch die rechtsrheinische FDP in den Chor eingefallen ist, kann die Forderung nach einer Rheinbrücke nebst Autobahn durch Remagen nicht länger als Zeitungsente ignoriert werden.
Aber trotz des großen Aufwandes - mehr als ein Aprilscherz zur falschen Zeit kann diese Schnapsidee auch nicht sein. Wer die Situation zwischen Remagen und Linz auch nur oberflächlich kennt weiß, dass es ab Kreisel B9/B266 für eine vierspurige Autoschnellstraße nebst Brücke nur drei Alternativen gibt: (i.) erstens auf Stelzen über das Remagener Gewerbegebiet hinweg und ein paar Meter vor den Fenstern der Fachhochschule vorbei über den Rhein (die Kapelle der „Schwarzen Madonna“ wird dann gleich in einen Brückenpfeiler mit einbetoniert), (ii.) zweitens quer durch Kripp, ein paar Dutzend Häuser wegreißen, mehrere Hundert Menschen umsiedeln und dann über den Rhein oder (iii.) drittens das Naturschutzgebiet europäischen Ranges „Ahrmündung und Ahrauen“ aufheben und den letzten natürlich mäandrierenden Zufluss des Rheines per Kanal ableiten, dann mitten durch den Ort Dattenberg.
Alle drei Varianten sind absurde und lächerliche Vorstellungen. Die Alternative wäre ein Tunnel, technisch machbar und umweltmäßig auch irgendwie ausgleichbar. Aber keineswegs weniger absurd: Die selbe Partei, die auf Tausenden von Wahlplakaten im Land die Schulden von Bund und Land reduzieren will, die sich zugleich beschwert, dass zu wenig Geld für den Unterhalt bestehender Straßen zur Verfügung steht, diese Partei fordert nun ein gigantisches Projekt, das sicher mehr als eine Milliarde Euro kosten würde. Ein Projekt, das die Verschuldung explodieren ließe und die verfügbaren Gelder für den Unterhalt bestehender Straßen und Brücken dann zwangsläufig auf Null bringen müsste. Zuletzt muss sich die Ahr-FDP auch die Frage gefallen lassen, warum sie vorsätzlich einen Großteil des gesamten Schwerlastverkehr zwischen West- und Osteuropa durch das dicht besiedelte Ahrtal und das Mittelrheintal leiten will!
Frank Bliss,
Remagen

Eine weitere Zuwegung zur Rheinquerung bei Sinzig/Leubsdorf wäre zudem über eine Umgehungsstraße über die L82 an die B9 möglich. Das würde sogar Verkehr aus Sinzig heraushalten und eine schnelleren Abfluss an die Straße bringen. Es ist alles eine Frage der Planung und des Willens. Zum Punkt, ob eine Rheinquerung gebraucht: Fragen Sie mal die Baustofffirma Saal in Linz am Rhein, was eine fehlende Rheinquerung den Unternehmer und den Normalbürger so kostet. Da ist leider nur die Lobby nicht so groß.
Ich weiß nicht, warum Herr Goerke darauf kommt, dass die Brücke DIREKT an die Autobahn gebaut werden muss und dafür wieder dreistellige Millionenbeträge bewegt werden müssten. Die Zuwegung der B 9 an das Sinziger Industriegebiet ist bereits gegeben. Der Verkehr würde dann über die B9 über die B266 und den dortigen Kreisel als direkter Anschluss an die A3 herangeführt werden. Der Verkehr würde somit nicht durch die Stadt Sinzig fließen, sondern daran vorbei. Freuen würde sich zudem das Dorf Kripp, welches dadurch erheblich vom Verkehr entlastet würde. Die einzigen die sich beschweren dürften, wäre Lohrsdorf. Eine entsprechende Verbindung von der B266 könnte jedoch an die B571 erfolgen, die dann als Umgehungsstraße dient. Eine zweispurige kleine Rheinquerung an dieser Stelle wäre besser als 200 Meter hohe Windkrafträder, wofür massenhaft Waldflächen geopfert werden und die der Wirtschaft und dem Normalbürger nichts bringen.
Ich weiss nicht, ob Herr Napp sich überhaupt in Sinzig auskennt. Mit der "dortigen Anbindung zur A61" kann ja nur gemeint sein, den gesamten, neu entstehenden Verkehr entweder mitten durch die Stadt und Westum fließen zu lassen, oder mitten durch die Stadt und durch Bad Bodendorf. zusätzlich ist es Utopie zu denken, dass a) eine kleine Rheinbrücke zu so wenig Verkehr führt, dass der verkehr problemlos abfließt und b) ist die Finanzierung einer "kleinen" Rheinbrücke absolut nicht finanziell und vom Kosten/Nutzen Faktor her abbildbar. Die einzige Variante, die eventuell Sinn machen könnte, ist die Rheinquerung, wie Sie seit eh und je in den alten Plänen vorliegt und die besagt, dass die B 266 über den Rhein verlängert wird. Aber auch diese Variante bringt tiefgreifende Veränderungen mit, dass sie politisch, finanziell und nachher auch in der Bevölkerung nicht durchsetzbar ist. Den Nutzen für die Region sollte man auch nicht als zu hoch einschätzen. Wäre dem so, gäbe es die Brücke längst.
Keinesfalls ist dies ein Aprilscherz. Eine mögliche Rheinquerung bei Sinzig/Leubsdorf wäre machbar ohne das Natur- oder Uferhabitat dabei gefährdet werden. Die Natobrückenköpfe an dieser Stelle, die sowieso gepflegt werden müssen und die dazugehörigen Straßenanbindungen sind bereits vorhanden. Die Leute denken immer in Dimensionen die nur in eine 8 spurige Autobahnbrücke einmünden müssen. Eine zweispurige kleine Rheinquerung ist vollkommen ausreichend, die den Verkehr über das Industriegebiet Sinzig abfließen lässt. Die dortige Anbindung an die A61 ist bereits vorhanden. Bürger werden dadurch nicht belästigt. Die Industrie und der kleine Mann, der die Fährkosten hat, werden entlastet. Auf der anderen Rheinseite würde der Verkehr über die K10 zum Beispiel abgeleitet werden können. Eine enorme Verkehrsentlastung für die Rheinorte und der Wegfall der Lärmzange wären die Folge.
Auch DIE LINKE Ahrweiler lehnt das von der FDP angedachte Projekt ab. Zuerst sollte man marode Brücken und Straßen, ebenso den ÖPNV, fachgerecht instandsetzen, bevor man Steuergelder für ein Wollenkuckucksheim aus dem Fenster wirft.