Politik | 13.02.2023, 15:41 Uhr

Stadtratsfraktion Bündnis90/Die Grünen Andernach

Runder Turm – rückt ihm nicht so auf die Pelle

Andernach. Andernach erwartet aus dem Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus eine hohe Förderung. Damit soll das Stadtmuseum endlich mehr Ausstellungsfläche und ein sicheres Depot erhalten.

Das neue Konzept einer Verbindung von Stadt- und Ernährungsgeschichte kann im besten Fall viele Besucher anziehen, denn hier lässt sich eine überzeugende Brücke zur Essbaren Stadt und zu Andernachs Rolle als Tor zur Mühlsteinregion schlagen. Einige Aspekte der vorläufigen Planung sind aber bedenklich.

Das „Culinacum“ soll zum Großteil außerhalb des Mauerringes unmittelbar neben dem Runden Turm entstehen. Der Mitte des 15. Jahrhunderts erbaute Runde Turm steht in exponierter Lage an der Nordwestecke der Stadtbefestigung, er ist mit 56m der zweithöchste mittelalterliche Befestigungsturm in Deutschland, Symbol einer stolzen Stadt, die durch den Steinhandel zu beträchtlichem Wohlstand gekommen war, Wahrzeichen und Alleinstellungsmerkmal von Andernach. Dieser Turm ist einsame Spitze! Eine Bebauung unmittelbarer vor der Mauer würde seine Wirkung schmälern und der ursprünglichen Bestimmung des Bauwerks als Wart- und Wehrturm völlig widersprechen. Die bestehende enge Pforte zwischen dem oberen und unteren Parkplatz lässt eine barrierefreie Erschließung kaum zu und die geplante Verbindung von zwei Gebäuden dies- und jenseits der Mauer durch eine Überbauung würde die Situation noch grotesker machen. Auch die Lage im Hochwassergebiet und die starke Beschattung sprechen gegen einen Museumsneubau an dieser Stelle. Die Grünen fordern daher, auf die Bebauung vor der Mauer zu verzichten und eine Alternative zu finden.

Die mittelalterliche Stadtmauer steht in diesem Bereich auf der römischen Mauer, deren große Tuffblöcken hier teils sogar oberirdisch erhalten sind. Nach den vorläufigen Planungen soll nur ein kurzes Teilstück begehbar gemacht werden. Um das Areal für Besucher durchlässig und die Befestigungsanlage erlebbar zu machen, sollte die Stadtmauer aber durchgängig von der Hochstraße, über den Runden Turm bis hin zu dem einzigen original erhaltenen Aufgang an der Kirchstraße begehbar gemacht werden. Die Stadtmauer in Oberwesel ist ein gutes Beispiel dafür, dass dies mit verhältnismäßigem Aufwand und kaum wahrnehmbaren Sicherungen möglich ist.

Geklärt werden muss ferner, ob und wenn ja in welcher Tiefe entlang der Hochstraße wieder eine geschlossene Wohnbebauung entstehen soll und wie das um die Mitte des 18. Jahrhunderts von den Grafen von der Leyen erbaute und heute denkmalgeschützte „Bürgermeisterhaus“ hier eingebunden wird. Schließlich sollte vor dem Hintergrund einer sich abzeichnenden Nutzungsänderung auch geprüft werden, ob sich die 1901 erbaute und ebenfalls geschützte Rote Schule mit ihren ehemals acht großen und hohen Klassenräumen in die Planungen integrieren lässt. Die Entwicklung am Runden Turm wird auf viele Jahrzehnte den Charakter dieser Keimzelle der Stadt prägen, daher sind besondere Sorgfalt und eine Beratung vor Auslobung des Architektenwettbewerbs geboten.

Pressemitteilung der

Stadtratsfraktion

Bündnis90/Die Grünen

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