Politik | 12.07.2016

Umstrukturierung bei der insolventen Aktiengesellschaft Bad Neuenahr

Seniorenresidenz „Villa Sibilla“ ist jetzt eine eigenständige GmbH

Bereiche Physio und Fitness wurden rückwirkend zum 1. Juli in einer neuen „Medical Fitness GmbH“ zusammengeführt – Betriebsrat fühlt sich übergangen

Bad Neuenahr. Bei der Insolvenz befindlichen Aktiengesellschaft Bad Neuenahr ist derzeit ein Umstrukturierungsprozess im Gang, bei dem einige Bereiche aus der Aktiengesellschaft ausgegliedert werden. Während Insolvenzverwalter Jens Lieser dies als unabdingbar für die Zukunft des Unternehmens ansieht, fühlt sich der Betriebsrat übergangen und befürchtet Nachteile für die Mitarbeiter.

Konkret geht es darum, dass rückwirkend zum 1. Juli die Seniorenresidenz „Villa Sibilla“ als eigenständige Gesellschaft in der Rechtsform einer GmbH als „Villa Sibilla GmbH“ geführt wird.

Ebenfalls aus der AG ausgelagert werden der Physio- und Fitnessbereich, die zu einer neuen „Medical Fitness GmbH“ zusammengeführt wurden. Die beiden neuen, eigenständigen Firmen seien 100-prozentige Tochterfirmen der Aktiengesellschaft, so der Insolvenzverwalter.

Alle Mitarbeiter dieser Bereiche seien mit allen Rechten und Pflichten im Sinne des Bestandsschutzes in die jeweiligen Tochterunternehmen übernommen worden.

Mitarbeiter über Umstrukturierung informiert

In der „Villa Sibilla GmbH“ seien 54 Mitarbeiter beschäftigt. Zum Geschäftsführer wurde Clemens Gaspard hat bestellt, der bislang die Geschäfte der Aktiengesellschaft interimsmäßig geführt hatte.

Nach Liesers Angaben tritt Gaspard gleichzeitig von seiner Leitungsfunktion bei der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr zurück. In der „Medical Fitness GmbH“ mit ihren insgesamt acht Mitarbeitern habe Guido di Carlo die Geschäftsführung übernommen. Die Mitarbeiter seien über die Umstrukturierung informiert worden, so der Insolvenzverwalter.

Was wiederum die Betriebsratsvorsitzende Silke Retterath in einer Presseerklärung in Abrede stellt. Zumindest der Betriebsrat sei überhaupt nicht über die Pläne informiert worden: „Mit großer Verwunderung musste der Betriebsrat zur Kenntnis nehmen, dass der Insolvenzverwalter Teile des Unternehmens abgespalten hat, ohne den Betriebsrat zuvor zu informieren, geschweige denn, die beabsichtigte Abspaltung mit dem Betriebsrat zu erörtern.“

Selbst die Arbeitnehmervertretung im Gläubigerausschuss habe der Insolvenzverwalter darüber nicht vorab informiert. Deshalb sei der Betriebsrat nun besorgt, dass seine Beteiligungsrechte auch künftig nicht beachtet würden, insbesondere bei einem gefürchteten Abbau von Arbeitsplätzen.

Maßnahmen bedeuten Verlust von Arbeitsplätzen

„Entgegen der anfänglichen Aussage, dass erst einmal kein Personalabbau vorgesehen ist, musste der Betriebsrat aus der Presse erfahren, dass Maßnahmen geplant sind, die den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten“, so Retterath weiter. Nach den bisher bekannt gewordenen Vorstellungen sei zu erwarten, dass insbesondere langjährig beschäftigte Mitarbeiter mit Betriebszugehörigkeiten zwischen 15 und 40 Jahren dem Personalabbau zum Opfer fallen würden.

Davon seien insbesondere Mitarbeiter des Verwaltungs- und Technikbereichs des Thermalbadehauses betroffen, glaubt der Betriebsrat.

Demgegenüber sollen insbesondere in der „Villa Sibilla“ Arbeitsplätze von Mitarbeitern erhalten bleiben, die eine wesentlich kürzere Betriebszugehörigkeitsdauer aufwiesen und die teilweise erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens eingestellt worden seien, bemängelt Retterath weiter.

Seit Dezember 2015 habe das Unternehmen bereits 20 Mitarbeiter durch Aufhebungsverträge oder Eigenkündigung verloren, deren Arbeitsplätze bislang nicht neu besetzt worden sei.

Aufgabe des Insolvenzverwalters, den Aderlass zu stoppen

Lieser stellt die Angelegenheit etwas anders dar. „Tatsache ist: Dem Betriebsrat ist seit Monaten bekannt, dass das Gesamtunternehmen unprofitabel ist und einen jährlichen Verlust von etwa 1,5 Millionen Euro produziert“, nimmt er zur Pressemeldung des Betriebsrats Stellung.

Es sei schließlich Aufgabe des Insolvenzverwalters, diesen Aderlass zu stoppen. Allen Experten und dem Betriebsrat sei offensichtlich, dass ein Ausgleich nur durch eine Personalreduzierung möglich sei. Ein Personalabbau werde selbstverständlich sozialverträglich und unter Berücksichtigung der arbeits- und mitbestimmungsrechtlichen Vorschriften stattfinden.

„Dies ergibt sich schon daraus, dass bereits mit dem Betriebsrat Gespräche über die Einrichtung einer Transfergesellschaft geführt wurden. Mit dem Betriebsrat wurde ein zeitlicher Fahrplan vorbesprochen und auch schon konkrete Termine vereinbart.“

Mit Blick auf die Villa Sibilla erläutert der Insolvenzverwalter: „Durch die Umstrukturierung der einzelnen Bereiche in eigenständige Tochtergesellschaften wird die mögliche Übernahme durch einen oder mehrere Investoren erleichtert.“

Er sei im Übrigen der Auffassung, „dass die Ausgliederung in Tochtergesellschaften nicht mitbestimmungspflichtig ist, da die Mitarbeiter der Tochtergesellschaften keine Nachteile durch die Umstrukturierung erleiden“.

Offenes Desinteresse der Stadt kritisiert

Doch auch die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler als Anteilseigner wird vom Betriebsrat kritisiert: „In den verbliebenen Restbelegschaft herrscht großer Unmut über das offene Desinteresse der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, die einen wesentlichen Anteil des Aktienkapitals hält.“ Mit der Insolvenz scheine sich die Stadt nicht mehr für die wirtschaftlichen Belange des Unternehmens sowie für die Ängste und Sorgen der Mitarbeiter zu interessieren.

Das weist die Stadtverwaltung allerdings von sich. Ziel eines Insolvenzverfahrens sei zunächst eine größtmögliche Gläubigerbefriedigung, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt: „Aus unserer Sicht ist der Insolvenzverwalter vor diesem Hintergrund sehr bemüht, einschneidende Personalmaßnahmen so gering wie eben möglich zu halten.“ Dahingehend verstehe man auch die jüngsten Umstrukturierungen. DieAusgrün dung zweier Tochtergesellschaften lege dann eine nachhaltige Sicherung dieser Arbeitsplätze nahe. „Selbstverständlich gehen wir davon aus, dass der Insolvenzverwalter hierbei die einschlägigen Beteiligungsrechte beachtet.“

Geschäftsbereiche können profitabler aufgestellt werden

Durch die Umstrukturierung würden die Geschäftsbereiche voneinander abgegrenzt, damit sie profitabler aufgestellt werden könnten. „Diese strategische Neuausrichtung liegt im Interesse der jeweiligen Bereiche, da diese sich dadurch besser eigenständig entwickeln können“, erklärte Lieser. Denn nur wenn die einzelnen Bereiche profitabel aufgestellt seien, hätten sie eine Zukunft. Außerdem komme man bei der „Villa Sibilla“ dem Wunsch vieler Bewohner nach, die Seniorenresidenz vom Rest der insolventen Aktiengesellschaft zu trennen.

Derweil scheinen die Gespräche über die Übernahme der Kur AG durch ein Konsortium mit einem überregional bekannten Weinhändler an der Spitze weit gediehen. Angeblich ist ein Kaufpreis von mehr als 20 Millionen Euro für die Liegenschaften der Aktiengesellschaft im Gespräch. Die AG selbst soll auf Liesers Vorschlag hin ab sofort von Karl-Josef Schmidt als hauptamtlichem Vorstand geleitet werden. Die Gläubigerversammlung muss allerdings noch zustimmen. Schmidt soll einen Vertrag bis zur Abwicklung der Gesellschaft erhalten, längstens jedoch für fünf Jahre, heißt es. Der 68-jährige Schmidt bringe langjährige Erfahrung in nationalen und internationalen Konzernen mit, schließlich war er zuletzt Geschäftsführer der ebenfalls insolventen Nürburgring GmbH, bei der Lieser auch als Insolvenzverwalter fungierte.

JOST

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Dauerauftrag
Kleinanzeigen
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Koblenz blüht
fit für`s Alter?
Kreishandwerkerschaft
First Friday Anzeige März
Titelanzeige
Empfohlene Artikel
Petra Schneider. Foto: privat
14

Kreis Ahrweiler. Am 23. April 2026 ist es wieder so weit: Der bundesweite Girls‘ Day/Boys‘ Day bietet jungen Menschen die Gelegenheit, spannende Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu erhalten. Auch die CDU-Landtagsfraktion beteiligt sich erneut an diesem Aktionstag und lädt Schülerinnen und Schüler ein, einen Blick hinter die Kulissen der Landespolitik zu werfen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
283

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
110

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Kreishandwerkerschaft
Kreishandwerkerschaft
Essen auf Rädern
Dauerauftrag Imageanzeige
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Doppelseite PR/Anzeigen
Titel
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
Ostergruß
Osterangebot
SB Standesamt
Stellenanzeige mehrere Stellen
PR-Anzeige
Anzeige KW 14
Anzeige Lange Samstage
Stellenanzeige Personalreferent/in