Politik | 10.03.2017, 16:18 Uhr

Grafschafter Demografieausschuss beschäftigt sich mit Senioren

Seniorentaxi und Sozialer Kümmerer sollen im Sommer eingeführt werden

Weichen für die Zukunft stellten, damit die Menschen im Alter selbstbestimmt in der Gemeinde leben können

Grafschaft. Die Senioren standen im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des Grafschafter Sozial-, Kultur-, Sport- und Demografieausschusses. Dabei wurden einige Neuerungen auf den Weg gebracht. So sollen etwa ein Seniorentaxi getestet und ein „Kümmerer“ für die Seniorenarbeit eingestellt werden. Zunächst gab Katharina Steinich vom Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr einen Sachstandsbericht zum Projekt „Älterwerden in der Grafschaft“ mit konkreten Handlungsempfehlungen zum Thema „Wohnen in der Grafschaft“. Schließlich hätten mehrere Umfragen bestätigt, dass die überwiegende Mehrheit der Senioren in der Gemeinde wohnen bleiben, alt werden und auch trotz eventueller Beeinträchtigung in ihrem angestammten Wohnumfeld leben möchten. „Hier müssen die Weichen für die Zukunft gestellt werden, damit die Menschen im Alter selbstbestimmt in der Grafschaft leben können“, so Steinich.

Ambulantes Betreutes Wohnen unterstützen

Sie empfahl daher mehr Information und Aufklärung zur Wohnraumanpassung und dem Einsatz von technischen Hilfsmitteln, etwa in Zusammenarbeit mit den Pflegestützpunkten und der zuständigen Landesberatungsstelle. Auch das Projekt „Ambulant Betreutes Wohnen“, das im Rahmen des Quartierentwicklungsprojekts in der zweiten Jahreshälfte starten soll, müsse unterstützt werden. Zudem empfahl Steinich, die Betreuungsangebote für Menschen mit physischen und kognitiven Beeinträchtigungen auszubauen, etwa durch die Schaffung weiterer Betreuungsangebote bis hin zur Tagespflege. Schließlich war ihr Wunsch die mittelfristige Schaffung spezieller Wohnangebote für ältere Menschen in der Nähe eines Nahversorgungszentrums mit Anschluss an den ÖPNV. Auch den Leerstand in den Ortschaften könne man nutzen, um kleine Wohneinheiten zu schaffen, eventuell auch in Verbindung mit öffentlichen Räumen.

Zudem soll ab Sommer dieses Jahres ein Seniorentaxi eingeführt werden. Damit sollen vor allem ältere Menschen und Menschen mit Behinderung die Möglichkeit erhalten, an Veranstaltungen teilzunehmen, selbstständig Einkäufe zu tätigen sowie medizinische oder therapeutische Behandlungen wahrzunehmen. Zwar sei eine autounabhängige Mobilität der Senioren auch in der Gemeinde Grafschaft grundsätzlich gewährleistet, so die Verwaltung, vor allem durch den ab Sommer 2017 verbesserten ÖPNV, der eine Erreichbarkeit aller wesentlichen Versorgungsschwerpunkte innerhalb der Gemeinde sicherstelle. Zudem gebe es die Nutzungsmöglichkeit eines Seniorentaxis.

Für Fahrten auch in die Nachbarstädte

Doch auch das Kombinationsmodell aus Seniorentaxi und ÖPNV könne den Bedarf nicht zu 100 Prozent und nicht in allen Facetten abdecken.

Es werde immer Hochbetagte geben, für die das Angebot unzumutbar sei. Die Verwaltung empfiehlt die Einführung einer Seniorentaxis, bei dem die Kosten komplett von der Gemeinde übernommen würden.

Der räumliche Geltungsbereich umfasst dabei neben der Gemeinde Grafschaft auch die benachbarten Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler, Meckenheim und Rheinbach, weil dort viele Senioren die Arztpraxen besuchten.

Das Seniorentaxi soll zunächst für ein Jahr getestet werden und keinesfalls eine Konkurrenz zum ÖPNV darstellen, sondern das örtliche Angebot ergänzen und nicht ersetzen.

Außerdem empfahl der Ausschuss auf Antrag der CDU-Fraktion dem Gemeinderat, die Seniorenarbeit über die bisher unterstützen Projekte hinaus stärker zu fördern. Hierzu soll im Nachtragshaushalt 2017 die Stelle eines „Sozialen Kümmerers für Senioren“ geschaffen werden, die mit einer Fachkraft aus einem der sozialen Berufsbilder besetzt werden soll. Für die im Bereich der Seniorenarbeit tätigen Ehrenamtliche in der Gemeinde soll die Verwaltung darüber hinaus ein Netzwerk einrichten und dieses in seiner Tätigkeit unterstützen. Die Unterstützung soll dabei durchaus auch finanziell erfolgen, etwa durch die Übernahme von Fahrtkosten oder Fortbildungskosten, beschloss der Ausschuss.

Kümmerer wird genug Arbeit haben

Für die Arbeit des Kümmerers und die Unterstützung der Ehrenamtler sollen im Nachtragshaushalt 20.000 Euro für anfallende Sachkosten bereitgestellt werden. Die Arbeit des „Kümmerers“ soll während der noch laufenden Projektphase von „Älter werden in der Grafschaft“ eng mit der Arbeit der Caritas angestimmt werden, um die dort angestoßenen Einzelprojekte bei Bedarf nahtlos fortführen zu können. Einmal im Jahr soll es einen Erfahrungs- und Tätigkeitsbericht geben.

Alle Fraktionen signalisierten ihre rückhaltlose Unterstützung, wobei Richard Horn (FWG) bemerkte, seine Fraktion habe schon vor Jahren ähnlich lautende Anträge gestellt, die damals aber nicht auf Gegenliebe seitens der CDU gestoßen seien. „Der Kümmerer wird jedenfalls genug Arbeit haben“, war er überzeugt.

JOST

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