Politik | 06.07.2015

WählerGruppe Remagen e.V. (WGR)

„Sie müssen leider draußen bleiben“ Barrierefreiheit im Rathaus Remagen

Der Eingang des Rathauses in Remagen. privat

Remagen. In Folge des Gleichbehandlungsgrundsatzes im Grundgesetz und den seit 2009 auch für Deutschland verbindlich geltenden UN-Behindertenkonventionen ist gesetzlich über DIN-Normen festgelegt, dass öffentliche Gebäude nicht nur barrierefrei sein sollen, sondern müssen. Und was entscheidet die Politik in Remagen? - Unfassbar aber wahr: sie beschließt, „das Thema zunächst nicht weiter zu verfolgen.“ Das Ganze geschieht in nicht-öffentlicher Sitzung am 8. Juni 2015, wohl damit die Politiker davor geschützt werden, dass ihre Wortbeiträge öffentlich zitiert werden dürfen. Im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit sprachen sich die Grünen vor der Kommunalwahl noch intensiv für Barrierefreiheit aus und die SPD beantragte sogar noch ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl, dass die UN-Behindertenkonventionen umgesetzt werden. Viel ist davon nicht geblieben, wenn hinter verschlossenen Türen dann anders entschieden wird. Worum geht es im Detail? - Es geht um die unzulässig steile Rampe am Rathaus, die mit 50 Prozent Steigung für Behinderte und ältere Menschen mit Rollator nicht überwindbar ist. Maximal 6 Porzent Steigung schreibt die entsprechende DIN-Norm vor, 20 Prozent werden von einer starken schiebenden Person oder Elektrorollstuhl überwunden, 12 Prozent von einer schiebenden Durchschnittsperson, ohne Hilfe werden von starken Selbstfahrern lediglich 10 Prozent überwunden. Es ist nicht irgendeine Rampe, sondern der Zugang zum Bürgerbüro und Bürgermeister, so dass diese unüberwindbare Rampe mit 50 Prozent Steigung jedem nach Remagen kommenden Schwerbehinderten und älteren Menschen mit Rollator signalisiert: Ihr seid hier unerwünscht. Diese „Visitenkarte von Remagen“ wurde nun per Ausschussbeschluss zementiert. Über 92 Prozent unserer Ausschussmitglieder des Haupt- und Finanzausschusses sprachen sich trotz vier umsetzbarer Realisierungsvorschläge dafür aus, „das Thema zunächst nicht weiter zu verfolgen.“ Haben es die Schwerbehinderten nicht schon schwer genug bei ihrer ganz alltäglichen Lebensführung wie zum Beispiel beim Einkaufen, beim Autofahren, bei der Arbeit und zu Hause, muss ihnen dann auch noch der Zugang zum Bürgerbüro oder Bürgermeister über eine zu steile Treppe zusätzlich erschwert werden? Ist dann das Rollende Rathaus als Pflichtlösung geeignet oder eher als Ergänzungsangebot hilfreich? Was würden man denken, wenn man selber schwerbehindert wären und einem würde erklärt: „Sie müssen den neuen Personalausweis bei Abholung unterschreiben, unser Bürgerbüro können Schwerbehinderte und ältere Menschen mit Rollator zwar leider nicht betreten, aber das ist kein Problem. Wir kommen für diese Pflichtsache gerne in Ihrem Wohnzimmer vorbei, das macht ihnen doch sicherlich nichts aus, oder?“. Oder die Lösung mit dem Touristikbüro: damit ein barrierefreier Raum zur Verfügung steht, muss ein städtischer Bedienstete im laufenden Arbeitsprozess sein Raum räumen. „Fänden Sie es gut, wenn Sie als die Person wahrgenommen wird, welche die Vertreibung des Bediensteten aus seinem Büro veranlassen muss? Spüren Sie den Unterschied?“ Die Wählergruppe Remagen WGR setzt sich immer wieder ein für die Umsetzung der Barrierefreiheit in allen öffentlichen Gebäuden in Remagen – nicht weil es längst gesetzlich vorgeschrieben ist, sondern weil die WGR-Mitglieder davon überzeugt sind, dass sich nur so ein wirklich respektvolles und würdevolles Miteinander aller Remagenerinnen und Remagener umsetzen lässt. Niemand darf in die Situation gebracht werden, um etwas bitten zu müssen was allen anderen selbstverständlich zur Verfügung steht. Ausschüsse dienen normalerweise nur der Vorbereitung von Ratsbeschlüssen, aber dieser Vorgang wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit nicht-öffentlich bereits abgeschlossen.

In der Tagesordnung der anstehenden Stadtratssitzung am 13. Juli im Arp-Museum steht davon nichts. Weder wurde der Seniorenbeirat vorher angehört, noch wusste Frau Haase als Leiterin des Projekt „Leben und Älterwerden in Remagen mitgestalten“ etwas von der anstehenden Entscheidung. Frau Haase wurde in ihrer Mittwochs-Sprechstunde von Dr. Peter Wyborny, Stadtratsmitglied der WGR, aufgesucht und musste sich selbst erst kundig machen. Wofür gibt es diese Instanzen wenn sie gar nicht eingebunden werden und dann hinter verschlossenen Türen entschieden wird? Das Stadtratsmitglied der WGR Dr. Peter Wyborny hat daher für die öffentliche Sitzung beantragt, dass dieser gegen das Grundgesetz verstoßende Beschluss der dauerhaften Untätigkeit aufgehoben wird. Spätestens nach der Umbauentscheidung des Sitzungssaales am 22. Mai 2013 hätte der barrierefreie Zugang auch des Sitzungssaales längst realisiert werden müssen. Die Sitzung ist öffentlich (13. Juli ab 17:00 Uhr im Arp Museum, Hans-Arp-Allee 1), einfach vorbei und kommen und sich selber ein Bild davon, wie die gewählten Politiker dieses Thema diskutieren und entscheiden.

Pressemitteilung der

WählerGruppe

Remagen e.V. (WGR)

Der Eingang des Rathauses in Remagen. Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
Rund um´s Haus
Essen auf Rädern
Dauerauftrag Imageanzeige
Alles rund ums Haus
Doppelseite PR/Anzeigen
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Stellenanzeige
Stellenanzeige Kita
Empfohlene Artikel
Susanne Müller, MdL
32

Kreis Ahrweiler. Wenn Susanne Müller über Politik spricht, geht es selten zuerst um Programme – sondern um Menschen, Begegnungen und Erfahrungen. In der aktuellen Folge des Interviewpodcasts „Fragen an…“, moderiert von Frank Göbel, wird genau das spürbar.

Weiterlesen

Nur geringfügige Verkehrseinschränkungen durch Baumaßnahmen
32

Sinzig. Im Zuge des weiteren Ausbaus der digitalen Infrastruktur werden in der Kantstraße, Höhe Haus Nr. 1 bzw. 4 - 8, Glasfaserkabel verlegt. Ziel der Maßnahme ist es, die Versorgung mit leistungsfähigem Internet in dem betroffenen Gebiet nachhaltig zu verbessern.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
58

Im Bereich der Ahrtalbahn könnte es nachts etwas lauter werden:

Ab 15.04.: Schleifzüge fahren auf der Ahrstrecke

Kreis Ahrweiler. Seit Dezember 2025 fahren die Züge wieder vollständig auf der gesamten Ahrstrecke zwischen Remagen und Ahrbrück. Seit März 2026 sind beide verkehrenden Linien rein elektrisch und damit umweltfreundlicher unterwegs. Damit die neuen Schienen nun noch einen „letzten Schliff“ erhalten können, wird nachts ein Schleifzug unterwegs sein. Dies betrifft die folgenden Zeiträume und Abschnitte:

Weiterlesen

9

Ausbau der Ladeinfrastruktur am Rathaus

Neuer Schub für die Elektromobilität

Meckenheim. Das regionale Energieunternehmen e-regio erweitert die Ladeinfrastruktur in Meckenheim und schafft am Rathausparkplatz zusätzliche Möglichkeiten zum komfortablen Laden von Elektrofahrzeugen. Aufgrund der hohen Nutzung der bestehenden Ladesäule werden derzeit zwei neue AC-Ladesäulen mit insgesamt vier Ladepunkten installiert. Die neuen Ladepunkte sind so angeordnet, dass sie von jeweils zwei Parkbuchten optimal erreichbar sind.

Weiterlesen

11

Allgemeine Berichte

Ortsübliche Bekanntmachung

Sinzig. Ortsübliche Bekanntmachung über die öffentliche Bekanntgabe der Bestimmung und Abmarkung von Flurstücksgrenzen in der Gemeinde _Sinzig_______ In der Gemarkung __Bodendorf______, Flur __13__, Flurstücke __124/1, 133______ wurden die Flurstücksgrenzen aus Anlass einer Liegenschaftsvermessung auf Antrag bestimmt und abgemarkt. Über diese Maßnahmen wurde am _17.3.2026_ eine Grenzniederschrift angefertigt.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag 2026
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Kreishandwerkerschaft
Anzeige "Rund ums Haus"
Fahrer gesucht (m/w/d)
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Koblenz blüht
Tag der offenen Tür
Rund ums Haus
First Friday Anzeige März
Rund ums Haus
Stellenanzeige
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131