Politik | 22.11.2017

Sitzung des Ausschusses für Generationen, Integration und Soziales

Soziale Betreuung der Flüchtlinge soll in private Hände gegeben werden

Mit einem Dienstleister aus dem Wohlfahrtsbereich soll ein Vertrag im Wert von rund 120.000 Euro unterzeichnet werden

Rheinbach. Die Stadt Rheinbach möchte die soziale Betreuung der Flüchtlinge in private Hände geben. Das befürwortete der Ausschuss für Generationen, Integration und Soziales einstimmig in seiner jüngsten Sitzung. Mit einem entsprechenden Dienstleister aus dem Wohlfahrtsbereich soll möglichst bald ein Vertrag unterzeichnet werden, wofür rund 120.000 Euro veranschlagt werden.

„Wir wollen damit Hilfe zur Selbsthilfe leisten und dazu beitragen, dass sich die Neuankömmlinge besser in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden“, machte Fachbereichsleiterin Susanne Pauk klar. Nach zweieinhalb Jahren „Sturm- und Drangzeit“ habe die Stadtverwaltung viele Erfahrungen gesammelt, vor allem in Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Flüchtlingshelferkreis. ,

Kraft der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer lässt nach

Die Flüchtlingsarbeit sei immer wieder Veränderungen ausgesetzt gewesen, auf die man sich einstellen müsse. Doch mittlerweile gehe die Kraft bei den ehrenamtlichen Helfern zur Neige, viele fühlten sich überlastet und hätten eine Verringerung ihres Einsatzes signalisiert. „Deshalb muss jetzt die Verwaltung stärker ran“, so Pauk, was aber mit der derzeitigen Personaldecke nicht machbar sei. Um den Stellenplan im Rathaus nicht weiter aufzustocken, sehe sie nur die Möglichkeit, das geplante Angebot einer niedrigschwelligen Sozialleistung extern an einen Dienstleister zu vergeben. Der solle dann der bereits in der Flüchtlingshilfe aktiven städtischen Sozialarbeiterin zuarbeiten. Der Schwerpunkt der Arbeit solle in der Containeranlage am „Schornbusch“ liegen, denn dort gebe es den größten Bedarf.

Die Flüchtlinge benötigten Unterstützung in allgemeinen Lebensfragen und bei der Orientierung in einem für sie oft unbekannten Verwaltungs- und Rechtssystem, begründete Fachbereichsleiterin den Schritt. Bislang habe überwiegend der ehrenamtliche Flüchtlingshelferkreis unterstützend zur Seite gestanden. Dort nehme das zeitliche Engagement aber spürbar ab und konzentriere sich zunehmend auf einzelne ausgewählte Aufgaben. Die entstehende Lücke müsse die Stadt nun füllen und wolle einen externen Wohlfahrtsdienstleister damit beauftragen, eine geeignete Betreuung vor Ort anzubieten. Zumal aus heutiger Sicht nicht abgeschätzt werden könne, wie sich der Bedarf in der Integrationsarbeit künftig entwickeln werde und man so flexibel auf die weitere Entwicklung reagieren könne.

Flüchtlingshelferkreis befürwortet das Vorhaben

Gerd Uwe Geerdts befürwortete das Vorhaben als Sprecher der Teamleitung des Flüchtlingshelferkreises. „Wir können uns gut vorstellen, mit einem geeigneten Dienstleister zeitnah und gut vernetzt zusammenzuarbeiten und betrachten den Vorschlag als einen wichtigen Baustein in unseren eigenen konzeptionellen Überlegungen über die Zukunft der Flüchtlingsarbeit in Rheinbach.“

Er bestätigte, dass die Helferarbeit in Rheinbach von einem deutlichen Wandel geprägt sei. „Nach Unterkunft und Verpflegung werden jetzt immer höhere Anforderungen zur Integration der Flüchtlinge gestellt.“ Bürokratiehilfe, Wohnungsvermittlung und Unterstützung bei der beruflichen Entwicklung gewännen zunehmend an Bedeutung.

Gleichzeitig würden die Stadt und die Helfer mit Neuzuweisung von Flüchtlingen, die aufgrund ihres Asylstatus kaum zu integrieren seien, zusätzlich belastet. Daher biete die angedachte Überantwortung von bestimmten Unterstützungstätigkeiten an einen Dienstleister eine zukunftsweisende Option. Allerdings plädierte er dafür, sich nicht nur auf eine reine Servicetätigkeit zu beschränken, sondern dort gleich das gesamte Flüchtlingsmanagement zu platzieren und so eine Andockstation für Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer zu schaffen.

Das Ehrenamt muss mit im Boot bleiben

Ausschussvorsitzender Folke große Deters (SPD) war überzeugt, dass das Ganze auch künftig nur funktionieren könne, wenn das Ehrenamt mit im Boot bleibe. Claus Wehage (CDU) wünschte sich zudem, dass noch einmal klargemacht werde, was Integration überhaupt bedeute und wie wichtig sie für das Zusammenleben sei. Doch zunächst will Pauk zusammen mit dem Flüchtlingshelferkreis einen genauen Anforderungskatalog erarbeiten und die notwendigen Qualifikationen des Dienstleisters festlegen, bevor zunächst der Vergabeausschuss und schließlich der Stadtrat sich abschließend mit dem Thema beschäftigen.

JOST

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